# taz.de -- Grönland-Schau im Alpenmuseum Bern: Die arktische Ödnis knirscht
       
       > Unbeirrt von Trump erkundet das Alpenmuseum Bern die Frage, wie man in
       > Grönland lebt. Es greift dafür auf seine Erfahrung mit radikalen
       > Landschaften zurück.
       
 (IMG) Bild: Eine arktische Weite, auf zwei Videoleinwände gedehnt, sieht man vor alpinen Kraxlern in der Ausstellung „Grönland“ im Alpenmuseum
       
       Links warten die einen stoisch im Schneesturm auf den Bus; rechts tanzen
       die anderen zu einem eigensinnigen Mix aus Rock und Hip-Hop, den ein junger
       Mann mit Wollmütze in dem überfüllten Klub namens „Kristinemut“ über sie
       hinwegschallen lässt: Mit großen, raumfüllenden Doppel-Videoprojektionen
       überzeugt die Ausstellung „Grönland. Alles wird anders“ im Berner Alpinen
       Museum der Schweiz, kurz Alps.
       
       Mal fliegt man mit im Helikopter über vereiste Ödnis, dann wieder schaut
       man in eine steril-glänzende Shoppingmall der Hauptstadt Nuuk. Beide Welten
       wirken verwandt seltsam. Berückend auch die Zwei-Kanal-Projektion, in der
       es nach Ilulissat geht, eine Stadt mit knapp 5.000 Einwohnern. Nebenan ist
       der Eisfjord, Unesco-Weltnaturerbe.
       
       Gerade wird der Flughafen ausgebaut, es sollen große Maschinen aus Paris
       oder New York landen können, bestückt mit Touristen. Von denen sind schon
       einige zu sehen auf den Aufnahmen im Alps. Ein wenig ratlos schlendern sie
       durch die Straßen, durch die eben noch johlend die Kinder nach Schulschluss
       liefen mit ihrer farblich aufeinander abgestimmten 1a-Outdoor-Kleidung.
       
       Und dann knallt es plötzlich auf beiden Videowänden gleichzeitig, ein
       nächster Streifen Fels wird gesprengt, die Schaufellader rücken unter
       Dröhnen an, das Geröll abzufahren, und vorbei ist es mit der Ruhe.
       
       ## Zwangsspirale für Grönländerinnen
       
       Gewiss hat man die Trump-Geschichte im Hinterkopf, seine öffentlich
       ausgesprochene Fantasie, [1][die USA könnten Grönland annektieren]. Das war
       allerdings noch kein Thema, als die Ausstellung im Herbst eröffnete. Und
       das Alps hat sich zum Glück nicht von den Geschehnissen der Weltpolitik
       treiben lassen.
       
       Das Museum blieb bei der Konzeption der Schau, in aller Ruhe zunächst
       visuelle, dann erzählerische Einblicke in Ökologie und Tourismus,
       Gesellschaft und Kultur des Insellandes zu bieten. Nur im Eingangsbereich
       wird auf einer Videowand jetzt kurz Trump eingeblendet, wie er in seinem
       Kinder-Englisch Drohungen ausstößt.
       
       [2][Dass Grönland eine Gesellschaft ist, in der es zuweilen knirscht] und
       die vor weitreichenden Entscheidungen steht, wird einem auf unaufdringliche
       Weise klar, wenn man sich nacheinander den gut 30 Videomonitoren widmet,
       gespeist mit kurzen, informativen Berichten: Eine Lehrerin schildert, wie
       einsam man ohne eigene Familie werden kann.
       
       Ein lokaler Unternehmer hätte gerne [3][die dänische Regierung vor dem
       Internationalen Strafgerichtshof] in Den Haag gesehen – ob ihrer Praxis,
       Grönländerinnen jahrzehntelang die Spirale einsetzen zu lassen. Und man
       lernt den Mann mit der Mütze aus dem „Kristinemut“ kennen: Kim Jakobsen,
       Rapper und ebenso Life Coach.
       
       Zu beidem kam er, als sich sein Cousin das Leben nahm – Probleme zu
       benennen, Hilfe einzufordern, das sei in Grönland bis heute keine
       Selbstverständlichkeit. Spannend Greg Barnes, der mit seinem bunten Hut
       einer Kleinkunstbühne entsprungen zu sein scheint.
       
       Er ist als Geologe Spezialist für Seltene Erden, ist für die entsprechenden
       Unternehmen weltweit unterwegs, und er erzählt im schnoddrigen Ton eines
       Glücksritters, wie die Grönländer künftig richtig Geld machen könnten. Ein
       Gegenpol die Auskünfte der einstigen Skirennfahrerin Tupaarnaq Kreutzmann
       Kleist, die heute eine Schafzucht betreibt.
       
       Entsprechend hat sie Probleme mit den Eisbären, die ob der Klimafolgen den
       Menschen immer näher kommen – und sie muss sich von den eigenen Leuten
       zurechtweisen lassen: Was hältst du auch Schafe, die gab es hier vorher
       nicht, die gehören nicht hierher.
       
       ## Der richtige Moment
       
       Am Ende der Ausstellung warten als sanfter Rausschmeißer Videoclips
       grönländischer Popmusik, von Bands wie G-60 oder Inuk; [4][auch um das eine
       oder andere Verwirrende nachhallen zu lassen]: den Mann etwa, der in einem
       Kajak sitzt, der seinen muskulösen Oberkörper zeigt; der konzentriert
       mehrmals ein- und ausatmet.
       
       Und dann ist der richtige Moment da: Er lässt sich mit Schwung zur Seite
       fallen, taucht in das Wasser ein, taucht unter. Taucht Sekunden später
       wieder auf, übt so die legendäre, lebensrettende „Eskimorolle“; drumherum
       hellblaue Kacheln, ein Wasserballtor, darüber leuchtend rot eine Anzeige:
       25 Grad Celsius hat das Schwimmbad.
       
       24 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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