# taz.de -- Radfahren in Berlin: Da, wo die Flugzeuge tief fliegen
       
       > Die erste Fahrradtour des Jahres führt an den perfekten Ort. Auch, oder
       > gerade, weil der Akku leer ist.
       
       Bald wird die Zeit der Mohnblumen und des Rapses kommen – diese Felder
       werden also gelb oder rot leuchten. Im Moment erholen sie sich noch von
       Schnee und Eis, die bis vor wenigen Wochen alles bedeckten. Die Flugzeuge
       fliegen tief, der Flughafen BER kann nicht weit sein, denke ich. Außer
       ihren Motoren hört man einen Traktor in der Ferne, das Klirren der
       Halsbänder einiger Hunde und die Stimmen von Radfahrergruppen, die auf dem
       Fahrradfernweg Berlin–Leipzig vorbeifahren.
       
       Schmetterlinge und Ameise besuchen mich still. Ich sitze auf einem
       Baumstamm und mache eine Pause. Auch ich fahre heute Rad. Es ist meine
       erste Fahrradtour im Jahr 2026. Dank des plötzlichen Frühlings muss ich
       nicht wie in anderen Jahren bis April warten, um mir einen festen Zopf zu
       flechten (der auf meiner Wirbelsäule liegt, wie ein kleines schlafendes
       Tier), meine Rad-Klamotten anzuziehen und loszufahren. An diesem
       strahlenden Tag mit blauem Himmel entscheide ich mich, Richtung Süden zu
       fahren.
       
       Nachdem ich das Tempelhofer Feld durchquert habe, fahre ich immer geradeaus
       die B96, an der Trabrennbahn in Mariendorf vorbei, bis Lichtenrade. Dort
       biege ich ab und fotografiere den Dorfteich. Kurz darauf geht meinem
       Telefon der Akku aus, genau als ich beginne, mich in gepflasterten kleinen
       Straßen zu verlieren. Nach einer Weile gelange ich zufällig auf eine
       Strecke des Berliner Mauerwegs und finde so diesen perfekten Ort mit dem
       Baumstamm. Dort versuche ich, mich auf der Papierkarte zu orientieren.
       
       Laut Karte muss ich irgendwo zwischen Mahlow, Blankenfelde und Großbeeren
       sein. Außerdem sehe ich darauf, dass sich ein paar Kilometer entfernt ein
       Schloss befindet, in dem es sicher ein Café gibt. Angetrieben von der
       Vorstellung, dort auf der Terrasse zu sitzen und einen Cappuccino zu
       trinken, mache ich mich wieder auf den Weg. Später, wenn die Sonne zu
       sinken beginnt, werde ich irgendwie schon nach Hause zurückfinden.
       
       18 Mar 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Luciana Ferrando
       
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