# taz.de -- Feiertage ohne Familie: Die Wahrheit über Ostern
       
       > Manchmal kann sogar die Rebellin kleine Einsamkeiten empfinden. Oder
       > zumindest darüber nachdenken.
       
 (IMG) Bild: Sind jene, die nicht allein sind, wirklich alle so glücklich miteinander?
       
       Ein bisschen lügt sie. Die Rebellin in mir lügt, wenn sie behauptet, Ostern
       sei ihr egal – so wie sie es übrigens jedes Jahr auch an Weihnachten tut.
       Sie sagt, Familienfeste seien sowieso nichts für sie. Dass auch sie sich an
       solchen Tagen, die angeblich „Tage wie jeder andere“ sind, manchmal einsam
       fühlen kann, gibt sie nur ungern zu. Aber so ist es eben.
       
       Am Ostersamstag arbeite ich in der Buchhandlung. Abgesehen von den
       Stammkund*innen, die nicht verreist sind, kommen Menschen aus ganz
       Deutschland, die die Feiertage in Berlin verbringen wollen: Eltern,
       Verwandte, Kindheitsfreund*innen junger Neu-Berliner*innen, die zum
       ersten Mal zu Besuch sind, zum Beispiel.
       
       Ich kann sie noch am Frühstückstisch sehen, während sie sich im Laden
       umschauen und leidenschaftlich über Bücher sprechen oder meine Empfehlungen
       entgegennehmen. Oder vielleicht waren sie doch brunchen, haben
       Avocado-Toast und Eggs Benedict in einem fancy Café bestellt oder sind in
       der Sonne am Kanal entlangspaziert, plaudernd, Handyfotos schießend, die
       sie sich später gegenseitig schicken werden – zur Erinnerung an das
       Wochenende.
       
       Während ich draußen den Fahrradständer und den Pixie-Aufsteller aufräume,
       laufen Pärchen Hand in Hand und Familien an mir vorbei. Die Väter tragen
       gemütliche Wollschals, bei den Müttern glänzen die weißen Haare im
       Gegenlicht. Sie gehen Eis essen, kaufen Geschenke und goldene
       Schokoladenhasen. Manche begrüßen mich oder lächeln mich an – ich grüße
       oder lächle zurück. Schöne Ostern wünschen mir alle.
       
       Später, als ich bei mir um die Ecke ein Feierabendbier trinke, denke ich
       darüber nach. Sind sie wirklich alle so glücklich miteinander, frage ich
       mich. „Bestimmt nicht“, antwortet die Rebellin in mir. Kurz danach geht es
       weiter nach Hause: Auch sie will schlafen gehen.
       
       6 Apr 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Luciana Ferrando
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Ostern
 (DIR) Kolumne Szene
 (DIR) Alltagskultur
 (DIR) Buchhandel
 (DIR) Berlin
 (DIR) Kolumne Szene
 (DIR) Kolumne Szene
 (DIR) Kolumne Szene
 (DIR) Alltagskultur
 (DIR) Kolumne Szene
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Berliner beim Bergsteigen: Bärbel, deine Welt sind die Berge
       
       Wenn man mit Turnschuhen das Gebirge betritt, ist der Abstieg manchmal
       weiter entfernt als gedacht. Wie gut, wenn man den Heiland trifft. Oder
       Bärbel.
       
 (DIR) Erinnerung an die Love Parade: Kopfschmerzen
       
       Ohne Geld feiern und Spaß haben? Das geht, wenn man sich zu helfen weiß –
       weitgehend.
       
 (DIR) Ein imaginärer Hund auf Probe: Hobby Dogging
       
       Nach „Hobby Horsing“ kommt jetzt der neue Trend: „Hobby Dogging“. Er könnte
       Eltern helfen, den Hundewunsch der Kinder auf die Probe zu stellen.
       
 (DIR) Rosalía und der Berliner Halbmarathon: Glücklich für sie und ihr sechstes Mal
       
       Jedes Jahr kommt E. nach Berlin, um die 21 Kilometer des Halbmarathons zu
       laufen. Beim Anfeuern klingt Rosalías „Berghain“ im Kopf mit.
       
 (DIR) Sensationelle Begegnung: Das klappt mit uns beiden
       
       Wer mal eben eine Pause im Café einlegt, kann dort zu ganz neuen Einsichten
       gelangen. Über Dates etwa.