# taz.de -- Erinnerung an die Love Parade: Kopfschmerzen
> Ohne Geld feiern und Spaß haben? Das geht, wenn man sich zu helfen weiß –
> weitgehend.
(IMG) Bild: Wir sind pleite und wollen teilhaben. Nur wie?
Berlin-Mitte im Sommer, irgendwann Anfang der 1990er Jahre. Wir schlendern
die Oranienburger Straße herunter in Richtung Tacheles. Die Sonne scheint.
Der Skulpturengarten ist gerade an Sommertagen beliebtes Ziel für einen
Drink, Musik, Leutegucken. Es ist laut und ziemlich viel los. Klar, gerade
ist Love Parade, und so ziemlich jeder Kai-Uwe und jede Steffi von
Castrop-Rauxel bis Rostock sind in der Stadt zum Freidrehen, Abzappeln und
Mucke hören. Die sonst ach so Braven haben sich lustiges Glitzerspray in
die Haare gesprüht und ansonsten überschaubar wenig an. Man will es krachen
lassen und gut drauf sein.
Wir sind pleite und wollen teilhaben. Nur wie? Drogen verkaufen? Nee, aber
so zu tun sollte doch drin sein. Hm, eine Pille sieht aus wie eine Pille.
Warum nicht dem einen oder anderen ohnehin schon verstrahlten Touri eine
Aspirin für eine E verkaufen? Tut nicht weh und es merkt eh kaum jemand.
Okay, schnell noch mal zu mir und rumgekramt, bis wir tatsächlich eine
Packung Aspirin finden. Ein bisschen anschleifen, um den verräterischen
Schlitz wegzubekommen. Und los. Jeder von uns hat ein paar davon in einem
kleinen Plastiksäckchen dabei und zurück in den Tacheles-Garten.
Die Touris kommen von ganz alleine. Etwas skeptisch werden unsere Pillen
beäugt, aber nachdem auch wir eine nehmen – um zu zeigen, dass das nichts
Wildes ist, wird uns geglaubt. Die ersten 10 Mark sind in der Tasche. Der
dänische Touri wartet noch auf den Kick, da kommt eine Gruppe von etwa 5, 6
Leuten auf uns zu, „Pillen her!“, und halten uns tatsächlich
Schreckschusswaffen an die Schläfen. Wir werden abgezogen und müssen das
Lachen unterdrücken. Entspannt sein ist so eine Sache mit einer Knarre an
der Schläfe. Sie bekommen, was sie wollen, hauen ab und wir – prusten los.
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7 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Christian Rothenhagen
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