# taz.de -- Eklat am Palmsonntag in Jerusalem: Verletzung religiöser Freiheit
> Zum ersten Mal verbietet Israel den Gottesdienst am Palmsonntag in der
> Grabeskirche, international gibt es scharfe Kritik. Nun steuern die
> Behörden gegen.
(IMG) Bild: Musste mit der Liturgie zum Palmsonntag auf die KIrche aller Nationalen in Jerusalem ausweichen: Kardinal PIerbattista PIzzaballa
taz | An diesem Palmsonntag ist in Jerusalem das Undenkbare geschehen. Die
israelische Polizei hat dem höchsten Vertreter der katholischen Kirche im
Heiligen Land den Zugang zur Grabeskirche verweigert. Der traditionelle
Gottesdienst durfte dort nicht stattfinden. „Zum ersten Mal in
Jahrhunderten“, so steht es in der Mitteilung des Lateinischen Patriarchats
von Jerusalem.
Ein Affront von großem Ausmaß, der Wellen schlägt. In der Nacht auf Montag
gab dann der israelische Premier Benjamin Netanjahu bekannt, er habe die
Behörden angewiesen, Kardinal Pizzaballa ab sofort wieder Zutritt zur
Grabeskirche zu gewähren.
Was war passiert? Kardinal Pierbattista Pizzaballa war an diesem grauen
Sonntagmorgen mit einem weiteren Geistlichen [1][auf dem Weg in die Kirche
des heiligen Grabs] in der Altstadt von Jerusalem, als die beiden von
israelischen Beamt*innen in einer Seitengasse angehalten und zur Umkehr
gezwungen wurden. Schließlich hielt der Kardinal die Messe in der Kirche
aller Nationen am Ölberg ab.
Das Lateinische Patriarchat spricht von einem „schwerwiegenden
Präzedenzfall“ und von „Missachtung der Sensibilität von Milliarden
Menschen weltweit, die in dieser Woche nach Jerusalem blicken“. Schließlich
habe man alle Regeln der Behörden befolgt und öffentliche Andachten
gestrichen, geplant war lediglich eine Live-Übertragung der Zeremonie.
## Liturgie von größter Bedeutung für Christen
Seit dem Beginn des Konflikts mit Iran sind große Menschenansammlungen in
Israel verboten. Religiöse Einrichtungen sind in der Altstadt für Gläubige
geschlossen, denn hier gibt es kaum Schutzräume. Bereits am Zuckerfest
durften Muslim*innen kein Freitagsgebet in der Al-Aksa-Moschee abhalten.
Immer wieder hat die Polizei Menschen festgenommen, die in der Nähe der
Altstadt beteten.
Menschenrechtsorganisationen bemängeln, [2][Gruppen von Ultraorthodoxen]
könnten indes frei durch die Gassen ziehen. Kritiker*innen werfen zudem
ein, an den Bars in Jerusalem säßen weiterhin Gruppen von Menschen. Da
erscheint das Verbot, einen Gottesdienst ohne Gläubige abzuhalten, etwas
übertrieben – gerade angesichts der großen Bedeutung der Liturgie am
Palmsonntag für die christliche Gemeinschaft.
Die israelische Polizei erklärte auf X, Einschränkungen für die heiligen
Stätten in der Altstadt seien wegen [3][der Risiken durch iranische
Raketen] erforderlich und gälten für alle Religionen. Man stehe im
Austausch mit religiösen Anführern, um Lösungen zu finden. Israels
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beteuerte, hinter dem Verbot steckten
„keine bösen Absichten“.
Doch im Ausland war die Empörung groß. Italiens Premierministerin Giorgia
Meloni bezeichnet den Vorfall als „eine Beleidigung“ und bestellte den
israelischen Botschafter ein. Frankreichs Regierungschef Emmanuel Macron
verurteilte das Geschehen und sprach von einer „besorgniserregenden Reihe
von Verletzungen des Status religiöser Stätten in Jerusalem“. Ähnlich
äußerten sich Spaniens Staatschef Pedro Sánchez sowie mehrere arabische
Staaten. Die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Kaja Kallas
schrieb auf X, die Entscheidung der israelischen Behörden stelle eine
Verletzung der religiösen Freiheit dar.
30 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Serena Bilanceri
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