# taz.de -- Papst Leo XIV. und Donald Trump: Bob, der Brückenbaumeister?
       
       > Robert Prevost ist der erste Ami auf dem Heiligen Stuhl – und
       > Trump-Kritiker. Sogar erzkonservative US-Bischöfe schließen sich jetzt
       > seinen Mahnungen an.
       
 (IMG) Bild: Der Pontifex maximus auf diplomatischer Mission, hier im Libanon: Bob Prevost aka Leo XIV
       
       Louis Prevost, 74, ist ein glühender Fan Donald Trumps. Der Veteran aus
       Florida durfte den US-Präsidenten sogar schon persönlich treffen. Sein
       kleiner Bruder aber, Robert Prevost, genannt Leo XIV., will ein
       konservatives Gegengewicht zu Trump sein. In Sachen Geopolitik. In Sachen
       Migration. „In diesem Punkt haben wir unterschiedliche Meinungen“, sagte
       Louis Prevost einmal.
       
       Papst Leo spricht überlegter als sein großer Bruder, als sein
       [1][quasilinker Vorgänger] Franziskus und definitiv besonnener als Trump.
       Die Botschaft des Oberhaupts von 52 Millionen erwachsenen US-Katholik:innen
       aber ist deutlich – und mehr und mehr US-Bischöfe stellen sich hinter sie.
       Amerikas „moralische Rolle im Kampf gegen das Böse auf der Welt“ stehe
       infrage, schrieben am Montag etwa die Kardinäle von Chicago, Washington und
       Newark in einer Erklärung. „Zum ersten Mal seit Jahrzehnten.“
       
       Leo ist der erste US-Amerikaner auf dem Heiligen Stuhl. Doch er hat auch
       einen peruanischen Pass und ist geprägt durch ein Ordensleben in
       Lateinamerika und Europa. Was er verteidigen will, ist die multilaterale
       „Ordnung der Nachkriegszeit“. Entgegen dem „christlichen Nationalismus“ in
       Trumps Lager.
       
       Gleich nach Trumps Angriff auf Venezuela am 3. Januar erklärte Leo, die
       „Souveränität“ des Lands müsse gewahrt bleiben und „die in der Verfassung
       verankerte Rechtsstaatlichkeit“.
       
       ## "Wahrhaft moralische Außenpolitik"
       
       [2][Schon vor Weihnachten hatte der US-Botschafter beim Heiligen Stuhl mit
       päpstlichen Diplomaten über Venezuela gesprochen]. Die hatten noch
       versucht, Machthaber Nicolás Maduro zum Rücktritt zu bewegen und zum Exil –
       etwa in Russland. Vergebens. Am dritten Tag des neuen Jahrs ließ Trump
       Caracas bombardieren und Maduro entführen.
       
       In seiner Ansprache zur Lage der Welt vor den Vatikanbotschafter:innen am
       9. Januar klagte Leo dann: „Eine Diplomatie, die den Dialog fördert und
       Konsens unter allen Parteien sucht, wird durch eine auf Gewalt basierende
       Diplomatie ersetzt.“ Das Thema Venezuela aber wurde schnell verdrängt durch
       Trumps Drohungen in Richtung Grönland und damit der Nato.
       
       Diese Volten und die Worte des Papstes veranlassten die prominenten
       US-Kardinäle Blase Cupich, Robert McElroy und Joseph Tobin am Montag zu
       ihrer [3][ungewöhnlichen Erklärung]. Die USA befänden sich 2026 „in der
       tiefgreifendsten und brennendsten Debatte über die moralische Grundlage für
       Amerikas Handeln in der Welt seit dem Ende des Kalten Kriegs“, heißt es
       darin. Die Oberhirten fordern eine „wahrhaft moralische Außenpolitik“, in
       der „militärische Aktionen nur als letztes Mittel in extremen Situationen
       und nicht als normales Instrument der nationalen Politik angesehen werden
       dürfen“.
       
       Auch auf die von russischen Angriffen überzogene Ukraine nahmen die
       Kardinäle Bezug – ganz auf päpstlicher Linie. Im Dezember hatte Leo den
       ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj getroffen und ihm gesagt, dass
       er gern die Ukraine besuchen wolle. Trumps „Friedensplan“ hatte der Papst
       kritisiert: „Zu versuchen, ein Friedensabkommen zu erreichen, ohne Europa
       in die Gespräche einzubeziehen, ist nicht realistisch.“ Der Krieg finde
       immerhin in Europa statt. Der mächtigste Katholik der USA aber, Trumps Vize
       J. D. Vance, tat diese Aussage als zu „eurozentrisch“ ab.
       
       ## Leo XIV. schafft auch Fakten
       
       Am Mittwoch hieß es aus dem Vatikan, [4][Trump habe den Papst in seinen
       „Friedensrat“ für Gaza eingeladen], der überlege noch, ob er annähme. Ein
       Umarmungsmanöver? Mit Leos Engagement für die UN vertrüge sich der Posten
       in Trumps Gremium auf jeden Fall schlecht.
       
       "La pace sia con voi", so lauteten die ersten öffentlichen Worte des neuen
       Papstes nach seiner Wahl im Mai 2025. Der Friede sei mit euch. Und auch mit
       der Wahl seines Namens setzte Leo schon damals einen friedenspolitischen
       Akzent. Sein Vorgänger Leo XIII. (1810-1903) hatte die Diplomatie als neue
       weltliche Rolle definiert, nachdem der Kirchenstaat auf den Vatikan
       zusammengeschrumpft war.
       
       Seinen direkten Vorgänger beerbt Leo XIV. wiederum, wenn es um Fragen der
       Migration geht. Papst Franziskus, der erste Lateinamerikaner auf dem Stuhl
       Petri, selbst Sohn von Migrant:innen, wie er vor dem US-Kongress einmal
       betont hatte, hatte dem ach so christlichen Abendland bei diesem Thema
       immer wieder den Spiegel vorgehalten.
       
       Robert Prevost kritisierte schon als Kardinal die rigide und teils illegale
       Migrationspolitik der Trump-Regierung. Seit er Papst ist, hat er die
       US-amerikanischen Geistlichen immer wieder dazu aufgerufen, lautstark und
       aktiv dagegen zu protestieren. Doch nicht nur das, er schafft auch Fakten.
       
       Am 6. Februar wird Ronald A. Hicks in sein Amt als neuer Erzbischof von New
       York eingeführt werden. Dass Leo XIV. den relativ progressiven
       Migrationsbefürworter zum Oberhirten der US-Stadt mit den meisten
       katholischen Einwohner:innen ernannt hat, gilt als wichtiges Signal für die
       Richtung, in die der Papst die US-Kirche führen will. Zumal New Yorks
       bisheriger Bischof, Timothy Dolan, häufig bei Fox News auftrat und Trump
       nahestand.
       
       ## Selbst Erzkonservative melden sich jetzt zu Wort
       
       Doch ob Bischof oder Bürgermeister – Personalentscheidungen im liberalen
       New York sagen nur bedingt etwas über Verschiebungen in den Vereinigten
       Staaten aus. Was Mitte November im Ballsaal eines Hotels in Baltimore
       passiert ist, könnte in dieser Hinsicht tatsächlich mehr Aufschluss geben.
       
       In seiner Abschiedsrede hatte der scheidende Präsident der
       US-Bischofkonferenz, Militärbischof Timothy Broglio, nämlich auf Papst Leos
       Ruf geantwortet und gemahnt, dass Katholik:innen „Fremden, Ausländern und
       Pilgern besondere Fürsorge“ entgegenbringen müssten: „Das ist keine
       Raketenwissenschaft; das ist das Wort Gottes.“ Anschließend wählten die
       US-Bischöfe Paul S. Coakley aus Oklahoma City zu ihrem nächsten
       Präsidenten. Coakley gehört zum rechten Flügel der US-Kirche – doch auch er
       ruft nun dazu auf, Einwandererfamilien zu unterstützen und sich daran zu
       erinnern, dass Jesus einst selbst ein Flüchtling gewesen sei.
       
       Zuvor hatte die anglikanische Bischöfin von Washington, Mariann Edgar
       Budde, Trump ins Gewissen geredet. Progressive katholische Bischöfe
       erschienen schon zu Gerichtsverhandlungen, um Beamte der
       US-Grenzschutzbehörde ICE abzuschrecken. Dass sich jetzt auch die
       Erzkonservativen zu Wort melden, das ist neu.
       
       „Wir beten für ein Ende der entmenschlichenden Rhetorik und Gewalt“, hieß
       es nach der Bischofskonferenz auch im gemeinsamen Hirtenbrief, der weit
       über das hinausging, was bislang von offizieller katholischer Seite zu
       lesen war: „Wir lehnen die willkürliche Massendeportation von Menschen ab.“
       
       Dass die US-Bischöfe in Migrationsfragen jetzt so geschlossen auftreten,
       hat auch mit einer Mahnung Papst Leos an rechte Kulturkämpfer zu tun. Zur
       US-Politik befragt, antwortete der Pontifex maximus im Oktober: „Jemand,
       der sagt: ‚Ich bin gegen Abtreibung‘, aber mit der unmenschlichen
       Behandlung von Einwanderern in den Vereinigten Staaten einverstanden – ich
       weiß nicht, ob das pro life ist.“
       
       Sein Bruder Bob sei „weder still noch schüchtern“, meinte Louis Prevost
       nach seinem Besuch im Weißen Haus. „Wenn er etwas zu sagen hat, dann sagt
       er es.“
       
       25 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nachruf-auf-Papst-Franziskus/!6070841
 (DIR) [2] https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/venezuela-vatikan-versucht-nicolas-maduro-zum-ruecktritt-zu-bewegen-110821739.html
 (DIR) [3] https://www.theguardian.com/us-news/2026/jan/20/catholic-cardinals-trump-foreign-policy
 (DIR) [4] https://www.reuters.com/world/pope-leo-invited-join-trumps-board-peace-cardinal-says-2026-01-21/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Hunglinger
       
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       Diskriminierung.