# taz.de -- Die Kunst der Woche: Weg mit den Gefühlen
> Neu in Charlottenburg ist die Galerie Müller Contemporary mit Fokus auf
> Kunst aus Osteuropa. Bei Esther Schipper stellt Thomias Radin Malerei und
> Objekte aus.
(IMG) Bild: „Load-Bearing“ bei Müller Contemporary: links und mittig Arbeiten von Marina Stanimirović, rechts „Olymp“ von Göksu Baysal
„Load-Bearing“ hat Galerist Kai Müller die erste Gruppenausstellung in
seinen neuen Berliner Räumen genannt, „belastbar“, „tragfähig“ also. Aber
welche Last gilt es zu tragen? Wenn man sich umsieht im Charlottenburger
Ladenlokal, bleibt man vielleicht an der Säule hängen, die [1][Göksu
Baysal] hineingestellt hat: übereinandergestapelte Olivenölkanister mit
einer Keramik als Kopf. Nicht sehr stabil wirkt das, eher provisorisch.
Baysal, in Ankara geboren, heute, wie die beiden mit ihm in der Ausstellung
vertretenen Künstlerinnen, in Berlin lebend, arbeitet mit Objekten, die er
auf täglichen Wegen oder Reisen findet. Seine Fotografien, von denen vier
zu sehen sind, scheinen auf ähnliche Weise zu entstehen.
Auch die französisch-bosnische Künstlerin Marina Stanimirović benutzt
Alltagsgegenstände, Fotos sowie Text und fügt sie zu Installationen
zusammen, die Persönliches mit kulturgeschichtlich Aufgeladenem und
scheinbar Banalem verbindet. Allerlei Metallteile, auf denen Fotografien,
analoge wie digitale kleben, lehnen da etwa an einer vorhangartigen Folie.
Streckt man sich etwas, kann man ganz oben ein Schwarz-Weiß-Bild sehen, auf
dem Stanimirovićs Großvater einen Handstand vollführt. Bückt man sich,
liegen da Herzchen aus Autoscheinwerferteilen vom Schrottplatz.
Überhaupt das elende Herz: Auf zur Wandarbeit aneinandergefügten
Metallregalbrettern hat sie „Stay professional“ geritzt und anschließend
mit grüner Sprühfarbe wieder durchgestrichen. Der zweite Teil des
stereotypen Vorwurfs an vermeintlich zu gefühlsbetonte Frauen wurde zum
Titel der Arbeit: „Don't be so emotional“.
Als dritte steuert die Australierin Yasmin Nebenführ zwei Leuchtkästen bei:
großgezogene schimmelige Dias vom Flohmarkt, aufgenommen in einem Museum
mit römischen Artefakten.
Die Schau ist Ein- und Ausblick in das Programm von [2][Müller
Contemporary]. Die Galerie firmierte seit 2022 unter dem Namen UNTILED
Gallery [3][in Sofia], auch in Berlin soll der Fokus auf Kunst aus
Südosteuropa liegen.
## Immer in Bewegung
Dass Thomias Radin, geboren in Guadaloupe, aufgewachsen in Frankreich,
ausgebildeter Tänzer und Choreograf ist, merkt man seiner Kunst an. Immer
wieder sind Füße, die sich strecken und dehnen, auf seiner Malerei zu
sehen, oder Hände, die sich irgendwo abzustützen scheinen.
Benannt hat Radin [4][seine Ausstellung] bei [5][Esther Schipper] nach dem
altägyptischen Konzept des Ka, einer unsichtbaren Lebenskraft, die den
physischen Tod des Menschen, Zeit und Raum also überdauert. In kreolischen
Sprachen wiederum zeigt „ka“ als grammatikalisches Element Handlungen im
Verlauf an. Energie, Bewegung darum geht es ihm.
Dazu passen die holzgeschnitzten Feuerpferde, Symboltiere des chinesischen
Horoskops 2026, des Torbogens, durch den man die Ausstellung betritt. Auch
da bleibt Radin aber nicht im Hier und Jetzt stehen: Am Ausgang warten
bereits die Feuerziegen, mit denen es 2027 weitergeht.
31 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Die-Kunst-der-Woche/!6018005
(DIR) [2] https://mullercontemporary.com/
(DIR) [3] /Kommunistische-Architektur-Bulgariens/!6059067
(DIR) [4] https://www.estherschipper.com/exhibitions/1554-echoes-of-ka-thomias-radin/
(DIR) [5] /Die-Kunst-der-Woche/!6138281
## AUTOREN
(DIR) Beate Scheder
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