# taz.de -- Flüchtlinge in Seenot: 40 Tote bei Bootsunglücken im Mittelmeer und Ärmelkanal
> Zwischen Libyen und Lampedusa sowie in der türkischen Ägäis sterben
> jeweils mindestens 19 Migranten, Tote gibt es auch an der Überquerung des
> Ärmelkanals.
(IMG) Bild: Die italienische Küstenwache bringt gerettete Bootsflüchtlinge am Mittwoch in den Hafen der südlichen Insel Lampedusa
afp | Bei Seenotfällen von Flüchtlingsbooten im Mittelmeer und im
Ärmelkanal sind mindestens 40 Migranten ums Leben gekommen. Italiens
Küstenwache meldete am Mittwoch den Fund von 19 toten Migranten auf einem
Boot vor der italienischen Insel Lampedusa. Vor der türkischen Ägäisküste
wurden indes mindestens 19 Menschen aus Afghanistan tot aus dem Wasser
geborgen, darunter ein Baby, wie die türkische Küstenwache mitteilte. Beim
Versuch, den Ärmelkanal zu überqueren, starben zwei weitere Menschen.
Sieben Migranten, darunter zwei Kinder, würden wegen „Unterkühlung und
einer Kohlenwasserstoff-Vergiftung“ behandelt, sagte Filippo Mannino,
Bürgermeister der nahe Tunesien gelegenen italienischen Insel Lampedusa,
der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch. 58 Überlebende, darunter fünf
Kinder, konnten nach Angaben der Küstenwache nach Lampedusa gebracht
werden.
Die Rettungsaktion fand der Küstenwache zufolge rund 135 Kilometer vor der
Insel in der libyschen Such- und Rettungsregion statt. Das Boot war dort am
Dienstag von einem italienischen Aufklärungsflugzeug entdeckt worden. Da
sich keine Schiffe der libyschen Küstenwache oder zivile Schiffe in der
Nähe befanden, die Hilfe leisten konnten, wurde beschlossen, ein Schiff der
italienischen Küstenwache von Lampedusa aus zu entsenden, erklärte der
Sprecher der Küstenwache, Roberto D'Arrigo.
Ihm zufolge könnten einige der Migranten auf dem Transport nach Lampedusa
gestorben sein, der bei äußerst rauem Wetter mit bis zu sieben Meter hohen
Wellen stattfand. Die Opfer seien vermutlich alle an Unterkühlung
gestorben, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa und verwies
auf Temperaturen um die zehn Grad. Aufnahmen von Ansa zeigten vermutlich
Leichensäcke, die von Bord eines Schiffes der Küstenwache getragen wurden.
## Unterkühlung bei schlechtem Wetter und Kälte
„Wir sind zutiefst bestürzt angesichts eines weiteren tragischen Vorfalls
im Mittelmeer“, erklärte das UN-Flüchtlingshilfswerk auf X. UN-Vertreter
würden „den Überlebenden sofortige Hilfe leisten“.
Lampedusa ist eine wichtige Transitstation für Flüchtlinge und Migranten
auf dem Weg von Nordafrika über das Mittelmeer nach Europa. Das letzte
schwere Unglück auf der gefährlichen Route hatte sich im August des
vergangenen Jahres ereignet, als 27 Menschen bei zwei Schiffsbrüchen vor
Lampedusa starben. In diesem Jahr haben laut dem Innenministerium bisher
mehr als 6100 Migranten Italien über das Meer erreicht.
Die türkische Küstenwache barg indes am Mittwoch nach eigenen Angaben vor
der Halbinsel Bodrum 18 Leichen aus dem Wasser, ein weiterer Mensch starb
später im Krankenhaus. 21 Insassen des Schlauchboots überlebten demnach das
Unglück und konnten gerettet werden.
Den Angaben zufolge hatte eine Patrouille das Schlauchboot am Morgen vor
der Küste von Bodrum geortet und zum Halten aufgefordert. Stattdessen sei
das Boot „mit hohem Tempo geflüchtet“. Daraufhin sei Wasser ins Boot
eingedrungen und dieses sei gesunken. Nach Angaben des Gouverneurs der
Provinz Mugla, Idris Akbiyik, handelte es sich bei den Bootsinsassen um
Afghanen. Akbiyik machte schlechtes Wetter und die unruhige See für das
Unglück verantwortlich.
Der beliebte türkische Badeort Bodrum liegt nur wenige Kilometer von der
griechischen Insel Kos entfernt, einem der Hauptziele von Migranten zum
Erreichen der Europäischen Union in der Ägäis. Auf der gefährlichen
Überfahrt zu den griechischen Inseln kommt es häufig zu Bootsunglücken.
Seit Jahresbeginn kamen nach Angaben der Internationalen Migrationsbehörde
(IOM) mindestens 831 Migranten im Mittelmeer ums Leben oder gelten als
vermisst.
## Erstmals wieder Tote im Ärmelkanal
Auch im Ärmelkanal zwischen Großbritannien und Frankreich ereignete sich am
Mittwoch ein tödliches Unglück mit einem Flüchtlingsboot. Zwei Migranten
seien bei dem Versuch, den Kanal vor der Küste von Gravelines in
Nordfrankreich zu überqueren, ums Leben gekommen, teilte die zuständige
Präfektur mit.
Den Angaben zufolge kamen Rettungskräfte acht Migranten zur Hilfe, deren
Boot nach dem Ablegen nahe Gravelines in Not geraten war. Drei von ihnen
hätten eine „sofortige medizinische Versorgung“ benötigt, zwei Migranten
seien kurz darauf für tot erklärt worden, erklärte die Präfektur weiter.
Polizeiangaben zufolge handelt es sich bei den Toten um zwei Männer aus dem
Sudan und Afghanistan. Eine Frau sei verletzt ins Krankenhaus gebracht
worden; sie sei außer Lebensgefahr. Fünf Überlebende seien in Gewahrsam
genommen worden, erklärte die Polizei.
Es handelt sich um die ersten bekannt gewordenen Todesfälle bei der
Überquerung des Ärmelkanals in diesem Jahr. 2025 waren auf der Route laut
einer AFP-Zählung auf Grundlage offizieller französischer und britischer
Quellen mindestens 29 Migranten ums Leben gekommen.
2 Apr 2026
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