# taz.de -- Mögliche Gespräche im Iran-Krieg: Der Briefträger aus Islamabad
       
       > Pakistan spielt eine zentrale Rolle bei potenziellen Gesprächen zwischen
       > Washington und Teheran. Zunächst agiert es aber als Überbringer von
       > Forderungen.
       
 (IMG) Bild: Vor dem Außenministerium in Islamabad: Warten auf die Diplomaten, die Verhandlungen einleiten sollen
       
       Pakistans Außenminister und Vizepremier Ishaq Dar frohlockte am späten
       Samstagabend [1][auf dem Kurznachrichtendienst X]: Teheran habe zugestimmt,
       20 Schiffen unter pakistanischer Flagge die Passage der Straße von Hormus
       zu gestatten, genauer gesagt zwei Schiffen pro Tag. Dar sprach von einem
       bedeutenden Schritt in Richtung Frieden im Rahmen von Islamabads Versuchen
       zur Deeskalation der Spannungen im Nahen Osten. Irans Schritt gilt als
       vertrauensbildende Maßnahme für mögliche Gespräche mit den USA.
       
       Teheran hatte nach US-Angaben vom Donnerstag zuvor schon insgesamt zehn
       Öltankern die Durchfahrt erlaubt, darunter auch Schiffen unter
       pakistanischer Flagge. Laut [2][Reuters] sei bisher aber unklar, wie viele
       davon wirklich die Fahrt gemacht hätten. So hätten zwei chinesische
       Containerschiffe die Fahrt abgebrochen.
       
       Pakistan hat gute Beziehungen sowohl zu den USA als auch zu Iran und den
       Golfstaaten, ist aber trotz der Nähe zum Golf keine Konfliktpartei. Deshalb
       kommen derzeit frühere Vermittler wie Oman oder Katar nicht in Betracht.
       „Dialog, Diplomatie und solche vertrauensbildenden Maßnahmen sind der
       einzige Weg nach vorn“, schrieb Außenminister Dar auf X. Ob die
       vereinbarten 20 Schiffe genuin pakistanisch sein müssen oder auch Schiffe
       anderer Nationen mit pakistanischen Flaggen passieren können, blieb offen.
       
       ## Beratungen starten in Islamabad
       
       Dars Ankündigung ging ein mehr als einstündiges Telefonat von Pakistans
       Regierungschef Shehbaz Sharif mit Irans Präsident Massud Peseschkian
       voraus. Dabei hätten Dar und Armeechef, Feldmarschall Asim Munir,
       Peseschkian über Bemühungen informiert, die USA, die Golfstaaten und andere
       islamisch geprägte Länder einzubinden, um Voraussetzungen für
       Friedensgespräche zu schaffen, hieß es in einer Mitteilung. So wollten sich
       am Sonntag in Pakistans Hauptstadt Islamabad die Außenminister der Türkei,
       Saudi-Arabiens und Ägyptens mit Dar zu zweitägigen Beratungen treffen und
       dabei auch mit Sharif sprechen.
       
       Die [3][New York Times] zählte bereits mindestens 20 Staaten, mit deren
       Vertretern Sharif, Munir und Dar zuvor bereits telefoniert hatten, darunter
       fast alle Golfstaaten und die Türkei bis hin zur EU-Außenbeauftragten Kaja
       Kallas. Militärchef Munir, der als Pakistans mächtigster Politiker gilt,
       telefonierte schon vor einer Woche mit US-Präsident Donald Trump.
       
       Trump nennt ihn seinen „Lieblingsfeldmarshall“ und hatte ihn schon letzten
       Sommer im Weißen Haus empfangen. Pakistan hatte den US-Präsidenten für den
       Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Islamabad stützte Trumps Behauptung, dass
       er im Kaschmir-Konflikt persönlich einen Waffenstillstand zwischen Indien
       und Pakistan vermittelt habe. Indiens Regierung bestreitet dies vehement.
       
       Der planlos wirkende Trump sucht jetzt angesichts des unerwartet
       erfolgreichen iranischen Widerstands nach einem gesichtswahrenden Ausweg
       aus dem Krieg, weil ihm sonst nur die riskante Eskalation mit Bodentruppen
       bleibt. Zweimal hat er schon ein Ultimatum verlängert und bereits vor Tagen
       großspurig von Verhandlungen mit ungenannten Vertretern Teherans
       gesprochen. Die Gespräche stünden angeblich kurz vor einem erfolgreichen
       Deal. Teheran dagegen dementierte direkte wie indirekte Gespräche und
       spottete, die USA verhandelten offenbar mit sich selbst.
       
       ## Pakistan übermittelt Botschaften
       
       Doch am Donnerstag bestätigte Pakistans Dar auf X: „In der Tat finden
       indirekte Gespräche zwischen den USA und dem Iran statt, wobei Pakistan
       Botschaften übermittelt.“ Weitere Spekulationen über „Friedensgespräche“
       seien „unnötig“. Pakistan habe einen US-Plan mit 15 Forderungen an
       Vertreter Teherans übergeben. Darin wird laut US-Medienberichten das Ende
       von Irans Atomprogramm gefordert.
       
       [4][Inzwischen soll Teheran de][5][n US-Plan zurückgewiesen und mit einem
       eigenen Fünfpunkteplan geantwortet haben.] Und Pakistan soll sich bei den
       USA für den Schutz von Irans Außenminister Abbas Araghtschi und
       Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf eingesetzt haben, weil man
       diese als Verhandlungspartner benötige.
       
       Nach Beginn der US-Angriffe auf den Iran und der Tötung von dessen
       geistlichem Führers Ajatollah Ali Chamenei gab es in Pakistan große
       Proteste. Dabei starben in der Hafenstadt Karachi mindestens zwölf
       Menschen. Pakistan hat eine 900 Kilometer lange Grenze mit Iran und zählt
       rund 40 Millionen Schiiten, der nach Iran zweitgrößten schiitischen
       Bevölkerung der Welt. Chamenei war ein wichtiger Führer auch für Schiiten
       in Pakistan, die immer wieder von Extremisten der sunnitischen Mehrheit
       angegriffen werden.
       
       ## Pakistans Energie abhängig von Golfstaaten
       
       Pakistan hat besonders enge Beziehungen zu Saudi-Arabien, mit dem es 2025
       sogar ein Verteidigungsabkommen schloss. Riad hat Islamabad finanziell
       schon oft aus der Patsche geholfen. Pakistan hat aber keine diplomatischen
       Beziehungen zu Israel, ist aber Mitglied in Trumps Friedensrat, der
       umstrittenen diplomatischen Initiative zum Wiederaufbau des Nahen Ostens in
       Konkurrenz zu den Vereinten Nationen.
       
       Das Gros seines Energiebedarfs deckt Pakistan aus den Golfstaaten, weshalb
       es jetzt Energiesparmaßnahmen verkündet hat. Am Golf arbeiten rund fünf
       Millionen pakistanische Migranten, auf deren Überweisungen das
       krisengeplagte Land angewiesen ist. Zwar [6][beschossen sich auch Iran und
       Pakistan im Januar 2024 nach grenzüberschreitendem Terrorismus gegenseitig
       mit Raketen]. Doch kommt Islamabad der Iran-Krieg ungelegen. Denn sein
       Militär bombardiert derzeit in Afghanistan angebliche Stellungen vom
       dortigen Taliban-Regime geduldeter anti-pakistanischer Extremisten.
       
       Und an Pakistans Ostgrenze einschließlich des geteilten Kaschmirs sitzt der
       mächtige Erzfeind Indien. Der blickt jetzt argwöhnisch auf Pakistans
       Aufwertung durch dessen diplomatische Initiative. Indien hat sich selbst
       mit dem Besuch von Premierminister Narendra Modi wenige Tage vor Beginn der
       amerikanisch-israelischen Angriffe als möglicher neutraler Vermittler aus
       dem Spiel genommen.
       
       29 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/MIshaqDar50/status/2037966536665911634?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E2037966536665911634%7Ctwgr%5E662f45caefecd18de820333f7d352a24931f9172%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Ftribune.com.pk%2Fstory%2F2599812%2Fdar-hails-irans-move-to-allow-20-more-pakistani-ships-through-strait-of-hormuz
 (DIR) [2] https://www.yahoo.com/news/articles/chinese-ships-halt-attempt-exit-134335888.html
 (DIR) [3] https://www.nytimes.com/2026/03/26/world/asia/pakistan-iran-united-states-talks.html
 (DIR) [4] https://tribune.com.pk/story/2599196/pakistan-delivered-us-proposal-to-iran-senior-iranian-source-tells-reuters
 (DIR) [5] https://tribune.com.pk/story/2599196/pakistan-delivered-us-proposal-to-iran-senior-iranian-source-tells-reuters
 (DIR) [6] /Iran-und-Pakistan-beschiessen-sich/!5983323
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sven Hansen
       
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