# taz.de -- Krieg zwischen USA und Iran: Überall sehen die Revolutionsgarden Feinde
       
       > Irans Antwort auf den 15-Punkte-Vorschlag von US-Präsident Trump ist eine
       > Absage. Dabei steht das Regime unter Druck – von außen, aber auch von
       > innen.
       
 (IMG) Bild: Ein durch Luftangriffe zerstörtes Wohnhaus in Teheran am 23. März
       
       Pakistan soll offenbar der Ort sein, an dem künftig Iran und die USA reden
       wollen. Doch zwischen dem vorgeblichen Wollen und dem Erreichen einer
       Feuerpause liegt ein sehr langer Weg voller Unwägbarkeiten.
       
       Die Islamische Republik Iran – oder das, was von ihr noch übriggeblieben
       ist – braucht eigentlich eine längere Feuerpause. Denn sie führt dieser
       Tage einen Überlebenskrieg, in dem sie täglich wichtige Ressourcen und
       Militärköpfe verliert. Die erheblichen Schäden, die Iran in den
       Nachbarländern verursacht, sind zwar an den Tankstellen der Welt und in den
       Ländern selbst spürbar. Doch sie sind kaum vergleichbar mit den Verlusten
       in Iran.
       
       „Die iranischen Unterhändler sind ganz anders und ‚seltsam‘. Sie flehen uns
       geradezu an, [1][einen Deal abzuschließen], was sie auch tun sollten, da
       sie militärisch vernichtet wurden und keinerlei Chance auf ein Comeback
       haben, und dennoch erklären sie öffentlich, dass sie unseren Vorschlag
       lediglich ‚prüfen‘. FALSCH!!! Sie sollten besser bald Ernst machen, bevor
       es zu spät ist, denn sobald das passiert, gibt es KEIN ZURÜCK, und das wird
       nicht schön!“ [2][Diesen etwas verwirrenden Text schrieb US-Präsident
       Donald Trump] am Donnerstag auf seinem Netzwerk Truth Social.
       
       Doch nicht die Iraner, sondern das vom Regime vertretene System ist
       seltsam.
       
       ## Eine Absage an Trump
       
       [3][Wenige Stunden nach Trumps Post kam die Antwort aus Iran:] Die
       Nachrichtenagentur Tasnim, die den Revolutionsgarden gehört, antwortete auf
       Trumps 15-Punkte-Forderung: Die Aggression „des Feindes“ müsse sofort
       beendet, es müssten objektive Bedingungen und Garantien geschaffen werden,
       damit es so etwas nie wieder vorkomme. Entschädigungen für Schäden und
       Kriegsreparationen müssten gezahlt, das Kriegsende klar definiert und der
       Krieg selbst an allen Fronten sowie gegen alle Widerstandsgruppen in der
       Region unverzüglich beendet werden. Das schreibt die Agentur. Und fügt
       gleich an: Die Verhandlung sei seitens der USA nur eine Täuschung.
       
       Zusammengefasst: Die über Tasnim verbreitete Antwort bedeutet eine Absage.
       
       Was das Regime unter dem Wort „Garantie“ versteht, erläuterte Fars, eine
       andere Nachrichtenagentur der Garden: Es bedeute eine Verpflichtung der
       USA, ihre Militärstützpunkte in der Region abzubauen, ihre Truppen,
       Kommandeure und strategische Ausrüstung abzuziehen, Waffenlieferungen an
       ihre Verbündeten, sowie ihre Präsenz in den Gewässern rund um Iran zu
       beenden. Auch die Bedrohungen gegen Irans Proxy-Milizen in der ganzen
       Region sollen beendet werden.
       
       ## Irans Verteidigung ist nun dezentral organisiert
       
       Hinter dieser scheinbaren Unnachgiebigkeit versteckt sich Schwäche. Und
       Angst vor der Zukunft.
       
       Die iranische Kriegsführung liegt offenbar in den Händen
       [4][unterschiedlicher Kommandanten der Revolutionsgarde], die sich in
       diesem großen Land an verschiedenen Orten verstecken. Und weil die gezielte
       Tötung führender Militärs zum festen Bestandteil der
       israelisch-US-amerikanischen Strategie gehört, können diese Kriegsherren
       nicht kommunizieren. Jeder entscheidet und handelt nach eigenem Ermessen.
       Unkoordiniert und aus dem Untergrund führen sie ihre Raketen- und
       Drohnenangriffen aus, die noch relativ effektiv sind.
       
       Wenn die führenden Generäle, wie der Oberbefehlshaber der Garden Ahmad
       Vahidi, aus dem Untergrund auftauchen würden, stünden sie im Visier der USA
       und Israels. Das Wort „Garantie“, das in der Antwort auf Trumps Vorschlag
       auftaucht, bedeutet auch konkrete Lebensgarantien für bestimmte Personen.
       
       Auch die internen Machtkämpfe – die mit einer gewissen Sicherheit in einer
       langen Feuerpause unter den Herrschenden ausbrechen würden – könnten für
       einige Regime-Köpfe lebensbedrohlich werden.
       
       ## Auf die Proteste folgte Krieg
       
       Doch die Angst der Bevölkerung vor einem Frieden ist ebenfalls groß und
       gravierend. Denn schon jetzt bereitet sich das Regime auf seinen nächsten
       Krieg vor – den Krieg gegen die eigene Bevölkerung.
       
       In den letzten Tagen wurden drei junge [5][Menschen hingerichtet,] die
       wegen ihrer Teilnahme an den Protesten im Januar verhaftet worden waren –
       ein erschreckendes Vorzeichen dessen, was noch kommen wird. In der
       47-jährigen Geschichte der Islamischen Republik gab es wiederholt massive
       Gewalt gegen Regimegegner. Doch nie war sie [6][so massiv wie während der
       landesweiten Proteste im Januar, bei denen Tausende Menschen erschossen
       wurden.]
       
       Und da der Krieg fast unmittelbar nach den Protesten begann, ist dies für
       die Revolutionsgarden ein und derselbe Prozess. Der Krieg aus dem Ausland
       folgte den Unruhen auf den eigenen Straßen. Zumal der US-Präsident Trump
       und Israels Premier Benjamin Netanjahu die Iranerinnen und Iraner dazu
       aufgerufen hatten.
       
       In ihrer existenziellen Bedrohung sind die Garden wütend, sehen überall
       Feinde. Die Straße ist wie der Himmel voller Feinde, schreibt die
       Nachrichtenagentur Fars. Am Donnerstag veröffentlichten die Garden einen
       Aufruf zur Mobilisierung der Jugendlichen ab zwölf Jahren – „für die
       Sicherheit der Straße vor Feinden“.
       
       27 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Verhandlungen-zwischen-USA-und-Iran/!6165963
 (DIR) [2] /Trumps-Winden-im-Irankrieg/!6161575
 (DIR) [3] /Nachrichten-im-Irankrieg/!6166107
 (DIR) [4] /Neue-Personalie-in-Iran/!6166120
 (DIR) [5] /Immer-mehr-Hinrichtungen-in-Iran/!6126949
 (DIR) [6] /Massaker-in-Iran/!6152368
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ali Sadrzadeh
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Teheran
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Iranische Revolutionsgarden
 (DIR) Protestanten
 (DIR) Protest
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Kulturkolumnen
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Mögliche Gespräche im Iran-Krieg: Der Briefträger aus Islamabad
       
       Pakistan spielt eine zentrale Rolle bei potenziellen Gesprächen zwischen
       Washington und Teheran. Zunächst agiert es aber als Überbringer von
       Forderungen.
       
 (DIR) Kosten des Kriegs mit Iran: Der Preis des Wegsehens
       
       Der Krieg gegen Iran ist gefährlich. Ebenso hat die jahrelange
       Zurückhaltung gegenüber dem islamistischen Regime einen hohen Preis.
       
 (DIR) +++ Nachrichten im Irankrieg +++: Ukraine besiegelt mit Golfstaaten Luftverteidigungskooperation
       
       Pakistans Premier telefoniert mit dem Präsidenten des Iran, das AKW
       Buschehr ist erneut Ziel von Luftangriffen geworden, und erstmals hat auch
       die jemenitische Huthi-Miliz eine Rakete auf Israel abgefeuert.
       
 (DIR) Verhandlungen zwischen USA und Iran: Der Mann mit den vielen Gesichtern
       
       Könnte er der Ansprechpartner bei möglichen Verhandlungen über ein
       Kriegsende sein? Irans Parlamentspräsident Ghalibaf gilt als pragmatisch –
       und brutal.
       
 (DIR) Intervention in Iran: Kampf der reinen Macht
       
       Die militärische Intervention der USA und Israels in Iran lässt sich nicht
       in moralischen Kategorien denken. Dass das Regime dadurch beseitigt wird,
       ist zweifelhaft.
       
 (DIR) Irans Kriegsstrategie: „Feuert nach Belieben“, wie schon der alte Chamenei empfahl
       
       Nach der Tötung der iranischen Führung durch Israel und die USA sind die
       neuen Machthaber noch radikaler. Sie setzen auf Ausweitung des Krieges.