# taz.de -- Konflikt am Golf: Das Pokerspiel von Hormus
> Im Ringen zwischen USA und Iran bleibt die Lage unübersichtlich.
> Waffenruhe und Drohungen um die Straße von Hormus wechseln sich ab.
(IMG) Bild: Zum Ankern verdammt: Öltanker in der Straße von Hormus vor der Küste der Insel Qeschm
Wenn die letzten Stunden eines bewiesen haben, dann, wie fragil die Lage am
Golf und im Nahen Osten ist und wie sehr alles im Fluss ist. Es wirkt fast
wie ein Pflücken der Gänseblümchenblüte: Die Straße von Hormus ist zu, die
Meerenge ist offen, der strategische Wasserweg ist doch zu. Die einzige
gegenwärtige Konstante ist, dass der Waffenstillstand zwischen den USA und
dem Iran noch bis Mittwoch gilt. Drumherum gibt es mehrere Optionen, wie es
weitergeht:
Die gegenwärtige unsichere Warteschleife könnte noch eine Weile andauern.
Ein Zustand, der keiner Seite nutzt und der die Weltwirtschaft noch mehr
mit sich reißt.
Die andere Möglichkeit wäre die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen. Eine
Option, die ebenfalls keiner Seite nutzt und an der weder der Iran noch die
USA Interesse haben. Obwohl sie sich gegenseitig mit der Bekundung drohen,
notfalls dafür bereit zu sein.
Die dritte Option wäre, dass man sich nun doch auf ein Grundsatzpapier für
weitere Verhandlungen in Pakistan einigt. Etwas, das nicht so einfach ist
und das Zeit braucht. Und dabei sprechen wir nicht von den Verhandlungen
selbst. Die letzten Atomverhandlungen zwischen dem Iran und den USA, damals
noch unter der Führung des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, hatten
über 20 Monate in Anspruch genommen, bis es zu einem Abschluss kam.
Unterdessen spielen die USA und der Iran miteinander Pingpong, machen
Zugeständnisse, die sie dann wieder zurückziehen. Alles begann mit einem
Tauziehen darum, ob der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran auch
mit einer Waffenpause im Libanon verbunden ist. US-Präsident Donald Trump
hatte zunächst erklärt, dass ein Waffenstillstand im Libanon kein Teil der
Abmachung sei, obwohl sowohl die Iraner als auch die pakistanischen
Vermittler öffentlich betont haben, dass beides als Voraussetzung für
weitere Gespräche miteinander verknüpft wäre. Da die Iraner weiterhin auf
dieser Forderung pochten, verkündete der israelische Premier Benjamin
Netanjahu unter starkem Druck aus Washington dann doch noch eine
Waffenpause im Libanon.
Die Iraner, deren Vorbedingung für weitere Verhandlungen nun offensichtlich
erfüllt war, gingen dann ebenfalls in Vorleistung. Irans Außenminister
Abbas Araghchi erklärte [1][am Freitag, dass die Straße von Hormus
„vollkommen offen für alle Handelsschiffe ist], in Folge des
Waffenstillstands im Libanon“. Mit dem ging ein Social-Media-Post Trumps
einher, in dem dieser am Freitag schrieb: „Israel wird den Libanon nicht
mehr bombardieren. Das wird ihnen von den USA verboten. Genug ist genug!“
Mit beiden Seiten in Vorleistung standen die Zeichen auf Entspannung. Ein
Waffenstillstand im Libanon für eine Öffnung der Straße von Hormus. Mit der
Verbindung beider Dinge, erhöhte sich auch der Druck auf den israelischen
Premier Benjamin Netanjahu, sich wirklich an die Feuerpause zu halten. Denn
der israelische Premier hat ihr nur mit Widerwillen zugestimmt, sieht er
sich in seinem Land doch zugleich mit einer öffentlichen Meinung
konfrontiert, die den Krieg im Libanon gegen die Hisbollah als „unfinished
business“ ansieht. Aber indem die Öffnung von Hormus damit verknüpft ist,
schwindet auch Netanjahus Manövriermasse. Außer, er will die Verhandlungen
zwischen Trump und den Iranern gefährden. Dann hält er die
Spielverderber-Karte in der Hand.
Alles deutete bisher in Richtung weiterer Gespräche in Pakistan und auf
eine damit verbundene Verlängerung des Waffenstillstands zwischen den USA
und dem Iran. Wäre da nicht die Verlautbarung Trumps dazugekommen, dass die
US-Blockade gegen Schiffe aus iranischen Häfen weiter aufrechterhalten
bleibt. Was Trumps Motiv ist, diesen Stolperstein in den Weg zu
Verhandlungen zu behalten, ist unklar. Möglicherweise will er zeigen, dass
er das letzte Wort hat. Trump sucht immer noch nach einem Ausweg aus dem
Krieg, den er als Sieg verkaufen kann.
Die Antwort aus dem Iran kam prompt von dem Marine-Kommando der
Revolutionsgarden: „Solange die Schiffsbewegungen von und zu iranischen
Häfen bedroht sind, gilt der frühere Status der Meerenge von Hormus.“
Sprich: Die Meerenge ist wieder von Seiten des Iran geschlossen.
Entsprechend groß war die Verwirrung für die Schifffahrt selbst. Ein
Dutzend Schiffe hatte sich schon auf den Weg gemacht. Ein Teil kam durch,
ein anderer drehte um, zwei Schiffe wurden von der iranischen Seite
beschossen.
Was das Bild, dass sich gegenwärtig fast stündlich verändert, zeigt, ist,
dass wir uns mitten in einem Prozess des Aushandelns der Bedingungen für
weitere Verhandlungen befinden. Das Hormus-Pokerspiel ist in vollem Gang.
Der Iran zeigt, dass er weiterhin die Fähigkeit besitzt, die Meerenge von
Hormus nach Gutdünken zu öffnen und auch wieder zu schließen. Dem gegenüber
steht die US-Blockade für Schiffe von und zu iranischen Häfen und die
Frage, ob der Waffenstillstand im Libanon hält.
18 Apr 2026
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(DIR) Karim El-Gawhary
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