# taz.de -- Blockade der Straße von Hormus: Teherans Nadelöhr und Washingtons Lösung
> Derzeit entscheidet Iran, welche Schiffe die Meerenge passieren dürfen –
> und nutzt dafür mehrere Inseln. Werden diese bald Ziel einer US-Invasion?
(IMG) Bild: Noch hat der Iran hier die Kontrolle: ein brennendes Frachtschiff in der Straße von Hormus
Die Straße von Hormus ist schmal – teils nur etwa 33 Kilometer an Wasser
trennen dort Oman und Iran. Es gibt dort deshalb auch keine internationalen
Gewässer – die Hoheitsgewässer eines Landes umfassen in der Regel ein
Gebiet von etwa zwölf Seemeilen ab Küste aufs Meer hinaus. Stattdessen
überlappen dort die Gewässer von Iran und Oman.
Trotz dieser theoretischen Kontrolle blieb die Straße von Hormus bislang
für den Schiffsverkehr im Regelfall frei zugänglich. Das ist nun – vorerst
– vorbei. Die Islamische Republik blockiert im Zuge des Kriegs mit den USA
und Israel die Meerenge. Das tut sie nicht physisch, sondern mit der
Drohung, Schiffe zu beschießen, die versuchen, die Straße zu passieren.
[1][Doch es gibt einen Ausweg für Reedereien – gegen Geld, versteht sich.]
Seit über zwei Wochen existiert ein bestätigter Korridor, durch den Schiffe
passieren dürfen. Er führt zwischen den beiden iranischen Inseln Qeshm und
Larak hindurch. Zwischen ihnen liegen etwa neuen Kilometer Wasser. Wer die
beiden Inseln kontrolliert, beherrscht – stark vereinfacht gesprochen – die
Straße von Hormus.
Das hat die Islamische Republik schon lange erkannt – und auf Qeshm
Infrastruktur geschaffen, um die Passage der Meerenge bei Bedarf
unterbinden zu können. Experten beschreiben sie als „unsinkbaren
Flugzeugträger“. Nach Berichten etwa von Al Jazeera existiert auf der Insel
eine ausgedehnte unterirdische „Raketenstadt“. An der Insel liegt außerdem
eine große Zahl von Schnellboote, die die Revolutionsgarden im Arabischen
Golf nutzen.
## Das Nadelöhr im Nadelöhr
Ihre strategische Lage machte Qeshm immer zu einem beliebten Objekt. Nur
ein Beispiel: Im 16. und 17. Jahrhundert kontrollierte zeitweise Portugal
die Insel; die Ruinen eines Forts zeugen bis heute davon. Die Insel lag an
der wichtigen Handelsroute zwischen Ost und West. Vertrieben wurden die
Portugiesen schließlich durch eine monatelange Blockade des safawidischen
Gouverneurs der Region mit britischer Unterstützung.
Durch das Nadelöhr – die Passage zwischen Qeshm und Larak – im Nadelöhr –
der Straße von Hormus – müssen nun also auf Geheiß Irans alle passierenden
Schiffe. Nach Angabe des Marineindustrie-Newsportals Lloyd's List hatten
bis zum 18. März bereits neun Schiffe den Korridor durchfahren.
Verschiedene Regierungen – etwa Indien, Pakistan, Irak und China – seien
[2][im Gespräch mit den Revolutionsgarden], um Frachter für die Passage
registrieren zu lassen. Wohl alle Schiffe, die bislang passieren durften,
sind mit Ländern, die Iran aktuell nicht zu seinen Feinden zählt,
verbunden.
Der Prozess wird derzeit seitens der Garden formalisiert: Schiffe müssen
sich mit Angaben zum Meldeland, der Ladung und dem Zielort registrieren,
dann sollen die Schiffe überprüft werden. Fällt diese Prüfung positiv aus,
sollen sie gegen eine noch unbekannte Summe passieren dürfen. In mindestens
einem Fall, berichtet Lloyd's List, sei eine Gebühr an Iran für das
Passieren des Seewegs gezahlt worden: Zwei Millionen US-Dollar.
## Geschlossen für Irans „Feinde“
Während Schiffe, die diesen neuen iranischen Bedingungen nicht nachkommen
wollen, im Arabischen Golf festsitzen, nutzt Iran die Straße von Hormus
auch selbst. Ewa für den Export von Getreide. Außenminister Abbas
Araghtschi selbst erklärte: Die Straße von Hormus sei nicht tatsächlich
geschlossen – nur für Irans „Feinde“.
Die De-facto-Blockade seitens Iran macht sich jedenfalls auf den Märkten
deutlich bemerkbar. Etwa 25 Prozent des weltweiten Öltransports passierten
laut der Internationalen Energieagentur vor dem Krieg die Straße von
Hormus. Hinzu kommen etwa 20 Prozent des globalen Transports von flüssigem
Erdgas (LNG). Der Preis für Rohöl pro Barrel notiert derzeit [3][bei knapp
100 US-Dollar, zuvor schwankte er um etwa 60 US-Dollar.] Der Preis für TTF
Gas – also in Europa genutztem Erdgas – hat sich seit Beginn des Krieges
etwa verdoppelt.
## Kommt die US-Bodeninvasion in Iran?
Was sollen die sogenannten Feinde – Israel, die USA, [4][die arabischen
Golfstaaten] – nun tun?
Eine Option, die von Experten diskutiert wird, ist etwa die Einnahme
iranischer Inseln in der Straße von Hormus durch das US-Militär. Primäre
Kandidaten sind dabei sicherlich Qeschm und Larak. So könnte die Kontrolle
Irans über die Seestraße zumindest teilweise gebrochen werden. Das Regime
könnte noch immer Schiffe attackieren, etwa mit Drohnen. Doch einer seiner
direktesten Zugänge könnte so gekappt werden.
Gegenüber den Inseln liegt die Stadt Bandar Abbas, wo bei einem Luftangriff
jüngst Alireza Tangsiri, Kommandeur der Marine der Revolutionsgarden,
getötet wurde.
Außerdem wäre die Einnahme der drei kleinen Inseln Abu Musa, Lesser Tunb
und Greater Tunb möglich. Sie liegen quasi am westlichen Eingang der Straße
von Hormus.
Ihre Zugehörigkeit ist umstritten. Iran hatte sie – noch vor der
Islamischen Revolution – im Jahr 1971 eingenommen. Damals zog sich
Großbritannien aus der Region zurück. Und die bis dahin unter britischem
Protektorat stehenden Emiraten Abu Dhabi, Ajman, Dubai, Fujairah, Sharjah,
Umm Al Quwain und später auch Ras Al-Khaimah wurden [5][die Vereinigten
Arabischen Emirate]. Die Emirate Ras al-Khaimah und Sharjah beanspruchen
die drei Inseln für sich. Unter dem aktuellen iranischen Regime werden die
Inseln auch von den Revolutionsgarden genutzt.
## Insgesamt 7.000 Soldaten werden verlegt
Eine weitere Option, die diskutiert wird, ist [6][die Einnahme der Insel
Kharg]. Sie liegt weit entfernt von der Straße von Hormus, am westlichen
Ende des Arabischen Golfs. Von Kharg aus exportiert Iran einen Großteil
seiner fossilen Rohstoffe. Die USA und Israel haben sie – wie auch andere
Inseln – bereits mehrfach bombardiert. Kharg einzunehmen löst zwar nicht
das Problem der Blockade, würde aber die Fähigkeit des Iran, noch irgendwie
ausländische Devisen einzunehmen, weiter kappen.
Dass bald eine Bodenoperation kommen könnte, ist durchaus möglich.
[7][Derzeit verlegt das US-Militär Truppen in die Region]: 2.000 Soldaten
der 82nd Airborne Division und zwei Divisionen der Marine Expeditionary
Units. Diese sind unter anderem für maritime Landeoperationen – also den
Angriff mit Truppen auf ein Gebiet von See aus – trainiert. Insgesamt
werden wohl etwa 7.000 Mann verlegt.
27 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lisa Schneider
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