# taz.de -- Nato-Leistungsschau 2025: Bericht der bitteren Superlative
> Die Nato rühmt sich in ihrem Jahresbericht, Rekordsummen für Verteidigung
> ausgegeben zu haben. Laut ICAN sind knapp 10.000 Atomwaffen
> einsatzbereit.
(IMG) Bild: Verteidigungsminister Pistorius bei der Nato-Übung „Steadfast Dart 26“ auf der Ostsee im Februar 2026
Dieser Bericht liest sich wie eine grandiose Leistungsschau.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte sparte am Donnerstag bei der Vorstellung
des [1][Jahresberichts] des Militärbündnisses nicht mit Superlativen: nie
da gewesene Investitionen, mehr Zusammenhalt, auf dem Weg in die
Unabhängigkeit. Rutte sprach von einem historischen Ereignis[2][, als die
Nato-Mitgliedsstaaten sich beim Gipfel 2025 in Den Haag] auf das
5-Prozent-Ziel einigten, also auf die Zusage, 5 Prozent des jeweiligen
Bruttoinlandprodukts zukünftig in Verteidigung zu investieren.
Diese historische Zusage schlug sich 2025 auch gleich in einer ersten
Etappe nieder. Deutschland und die anderen Nato-Partner der USA steigerten
ihre Militärausgaben um eine Rekordsumme. Und zwar um 19,6 Prozent auf 574
Milliarden US-Dollar (498 Mrd. Euro). Das Plus lag damit noch etwas höher
als 2024, als eine Steigerung von rund 19,4 Prozent registriert wurde.
[3][Deutschland steigerte seine Ausgaben] nach den Zahlen im Bericht sogar
um rund 20 Prozent auf 88,8 Milliarden Euro. Nicht um Inflations- und
Wechselkurseffekte bereinigt waren es sogar 106,9 Milliarden Euro. Der
Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt betrug rund 2,4
Prozent.
Zu den Spitzenreitern bei den Ausgaben zählen Polen mit 4,3 Prozent,
Litauen mit 4 Prozent und Lettland mit rund 3,8 Prozent. Dies überrascht
wenig, sind es doch genau diese Staaten, die die höchste Bedrohungslage mit
Blick auf die russische Vollinvasion in der Ukraine spüren.
## Rutte hat Trump noch nicht abgeschrieben
US-Präsident Donald Trump hatte seit seinem zweiten Amtsantritt immer
wieder Druck auf die Nato-Staaten gemacht, mehr in ihre Verteidigung und
damit in das Bündnis zu investieren. Trump ist nicht der erste
US-Präsident, der das fordert, aber sein Druck kam offenbar an. Insgesamt
gaben die 32 Nato-Länder 2025 laut Bericht rund 1,41 Billionen Euro für
Verteidigung aus.
Und Rutte lobte die nach wie vor hohe Bereitschaft, die Ukraine militärisch
zu unterstützen, wie auch humanitäre Hilfe zu leisten und sich für die
Zukunft der Ukraine innerhalb der Nato und der EU einzusetzen. Elegant
übertönte der Nato-Generalsekretär, dass es doch vor allem Bündnisse im
Bündnis sind, konkret eine Koalition der Willigen, die sich für das Land im
Jahr 5 des Krieges einsetzen. Darunter vor allem Großbritannien,
Frankreich, Deutschland – und natürlich die Niederlande, Ruttes Heimatland.
Die USA – konkret Donald Trump – sind nach wie vor der „Elefant im Raum“.
Rutte, der auch schon mal Trump-Flüsterer genannt wurde, sucht den Dialog,
glaubt an das transatlantische Bündnis, aber eben auch an die Hausaufgaben
der Europäer, die nun zu erledigen wären. Essenzielles Kriegsgerät werde
nach wie vor in die Ukraine geliefert, auch solches, das aus den USA kommt.
„Das ist gut“, so Rutte in Brüssel. „Wir sind stolz darauf, was wir tun.“
Russland sei nach wie vor die größte Bedrohung, sowohl [4][im Luftraum,
über Sabotage- und Cyberattacken.]
## Irritation wegen Zusagen im Irankrieg
Seit Ende Februar müssen sich die Nato-Staaten allerdings mit einem
weiteren Krieg beschäftigen. Trotz diverser Ultimaten ist ein Ende der
Bombardierungen seitens der USA, Israel und Iran nicht abzusehen. Da
Energietransporte durch die Straße von Hormus blockiert werden, sind die
wirtschaftlichen Folgen dieses Krieges international und unmittelbar zu
spüren. Rutte erwähnte in diesem Zusammenhang auch den versuchten Angriff
auf die britische Airbase Diego Garcia. Iran habe nun offenbar die
Fähigkeiten, auch Nato-Gebiet anzugreifen, so der Nato-Generalsekretär.
Ebenso elegant wie in Sachen Ukraine wich Rutte Fragen zu seinen
umstrittenen Aussagen aus, dass die Nato-Partner doch in irgendeiner Form
Hilfe bei der Öffnung der Straße von Hormus anbieten werden. Hintergrund
ist der Aufruf Trumps zum Einsatz von Marinekräften. Laut Financial Times
hat dies die Spannungen innerhalb der Nato mit Blick auf die USA
verschärft, dem wichtigsten Mitglied des Militärbündnisses.
Mitten in der Leistungsschau wurde ein weiterer Bericht veröffentlicht, der
eigentlich für mehr Aufregung sorgen sollte. Weltweit sind laut der
Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) heute knapp 10.000
Atomwaffen einsatzbereit, die zusammen eine Sprengkraft wie 135.000
Hiroshima-Bomben haben. Gut 40 Prozent seien auf ballistischen Raketen in
Silos, auf mobilen Abschussrampen oder U-Booten sowie auf
Bomberstützpunkten montiert. Der Rest werde in Reserve gehalten.
Zu den montierten Atomsprengköpfen besäßen die neun Atommächte weitere
knapp 2.500, die ausgemustert seien und demontiert werden müssten, hieß es
weiter. China, Indien, Nordkorea, Pakistan und Russland bauten ihre
Arsenale aus, Frankreich und die USA hätten ähnliche Pläne. Zu den
Atommächten gehören auch Großbritannien und Israel.
26 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.nato.int/en/about-us/official-texts-and-resources/secretary-generals-annual-report/secretary-generals-annual-report-2025
(DIR) [2] /EU-Gipfel-/!6096678
(DIR) [3] /Deutsche-Ruestungsexporte-Im-Schatten-der-Ukraine-Hilfen-geht-eine-andere-Zahl-unter/!6139310
(DIR) [4] /Sicherheit-im-Baltikum/!6142906
## AUTOREN
(DIR) Tanja Tricarico
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