# taz.de -- Wohnungsbautag 2026: Zu viert in einer Einzimmerwohnung
       
       > Die Wohnungssuche wird immer schwerer, viele Familien leben beengt. Das
       > Bündnis Wohnungsbau fordert, einfacher zu bauen. Ist das die Lösung?
       
 (IMG) Bild: Reicht nicht, um den Wohnungsmarkt aufzutauen: Neubau von Sozialwohnungen in Berlin
       
       Wer in die Wohnung von Paul Chouta kommt, kann etwa einen Schritt gehen,
       dann liegt dort eine Matratze auf dem Boden. Seine beiden Kinder im
       Grundschulalter spielen darauf mit Plüschtieren. Und ein paar Schritte
       weiter bereitet seine Frau gerade das Abendessen vor. „Wir brauchen
       dringend eine neue Wohnung“, sagt Chouta. Der investigative Journalist aus
       Kamerun, der wegen seiner Arbeit bedroht und verfolgt wurde, floh 2023 nach
       Deutschland. Er bekam Asyl und holte seine Familie nach – in eine
       Einzimmerwohnung in Berlin-Schöneberg. Schlafen, kochen, essen, lernen,
       alles findet auf 31 Quadratmetern statt. Niemand hat einen Rückzugsort.
       Vier Personen in einem Raum, das gilt offiziell als überbelegt.
       
       9,9 Millionen Menschen leben in viel zu kleinen Wohnungen, Tendenz
       steigend. „Fast jedes fünfte Kind in Deutschland wächst in einer zu kleinen
       Wohnung auf“, erklärt auch Arnt von Bodelschwingh vom Forschungsinstitut
       Regio-Kontext und weist darauf hin, wie negativ beengte Wohnverhältnisse
       auf die psychische Gesundheit wirken.
       
       Seit Jahren ist bekannt: Es fehlen Sozialwohnungen und bezahlbare Wohnungen
       für die Mittelschicht. Familien haben es besonders schwer. Aber die
       Ausgangsbedingungen werden nicht leichter: Der Bedarf an Wohnungen wächst,
       die Mieten steigen, die Baukosten auch. Nach Schätzung der Baubranche
       werden in diesem Jahr weniger als 200.000 neue Wohnungen entstehen. Und die
       Folgen des Irankriegs werden sich vermutlich auch in den Preisen bemerkbar
       machen.
       
       Zum 17. Mal, aus Anlass des sogenannten jährlichen Wohnungsbautags, warnt
       ein Verbändebündnis aus der Bau- und Wohnungswirtschaft vor der wachsenden
       Not. Der Wohnungsmarkt sei „wie eingefroren“, beklagt [1][Melanie
       Moritz-Weber, die Präsidentin des Deutschen Mieterbunds]. Und Dietmar
       Walberg vom Bauforschungsinstitut Arge aus Kiel sagt: „Der Wohnungsmarkt
       muss aufgetaut werden.“
       
       Laut einer neuen Studie von Arge mit dem Forschungsinstitut Regio-Kontext
       sind die Baukosten gestiegen. Im Schnitt koste der Quadratmeter Wohnfläche
       in Großstädten und Metropolregionen jetzt mehr als 4.630 Euro. Rechne man
       die Grundstückskosten mit ein, seien es sogar 5.400 Euro. Bei solchen
       Preisen müsse man „Minimum 18 Euro Kaltmiete“ nehmen. Das sei „zu teuer für
       jeden Durchschnittsverdiener“, sagt Walberg.
       
       ## Schnelle und einfache Lösungen hat niemand im Angebot
       
       Walberg und das Verbändebündnis wollen deshalb kostengünstiger bauen und
       auf kostspielige Extras verzichten, etwa Kellerbauten. Schleswig-Holstein
       gelänge es, bezahlbare Wohnungen mit Baukosten von unter 3.500 Euro pro
       Quadratmeter zu bauen. Die Lösung liege im [2][„Gebäude-Typ E“]. Den hat
       Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) immerhin schon in Planung.
       
       Doch nicht alle sind vom Neubaumantra überzeugt, das auch die schwarz-rote
       Bundesregierung unter anderem [3][mit ihrem Bauturbo verfolgt.] Ein anderes
       Verbändebündnis, zu dem unter anderem Architects for Future und die
       Deutsche Umwelthilfe gehören, fordert, mehr umzubauen und den Fokus auf den
       Bestand zu richten. „Neubau im hochpreisigen Segment schafft keine
       Entlastung, ein Sickereffekt bleibt aus“, erklärt Elisabeth Broermann von
       Architects for Future. Stattdessen brauche es „Gesetze und Förderungen, die
       Umbau und Umnutzung priorisieren, Leerstand aktivieren, Zweckentfremdung
       wirksam unterbinden und bestehende Wohnraumreserven heben“.
       
       Ähnlich sieht es Bundestagsabgeordnete Hanna Steinmüller von den Grünen.
       „Wir brauchen weniger möblierte Wohnungen mit maximalen Renditen und
       stattdessen mehr Gemeinwohlorientierung auf dem Wohnungsmarkt“, sagt sie.
       Linkenchef Jan van Aken forderte die Bundesregierung auf, „ein
       Investitionsprogramm vorzulegen, um soziale und gemeinnützige Wohnungen zu
       bauen.“ Nur so könnten Mieten bezahlbar bleiben.
       
       Schnelle und einfache Lösungen hat niemand im Angebot. Dem Journalisten
       Paul Chouta bleibt nichts anderes übrig, als weiterzusuchen. „Ich habe in
       dieser Woche sechs Besichtigungstermine“, sagt er. Am liebsten würde er in
       der Wohngegend bleiben. Die Kinder seien gut in der Schule angekommen, aber
       viel Hoffnung macht er sich nicht. Er sucht im gesamten Berliner
       Stadtgebiet. Doch bislang war er nicht erfolgreich – trotz
       Wohnberechtigungsscheins, mit dem seine Familie eigentlich eine
       Sozialwohnung beziehen könnte. Aber auch die sind knapp.
       
       26 Mar 2026
       
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