# taz.de -- Wohnungspolitik der Bundesregierung: Der Bau-Fetisch löst nicht das eigentliche Problem
       
       > Die Antwort, die Schwarz-Rot für den Wohnungsmangel parat hat, lautet:
       > Mehr bauen. So entstehen zwar Wohnungen, aber keine bezahlbaren.
       
 (IMG) Bild: Zu wenig und zu teuer: Wohnungsneubau in Leipzig
       
       Was tun gegen den Mangel an bezahlbaren Wohnraum? Die Antwort auf dem
       diesjährigen Wohnungsbau-Tag – einem Kongress von Immobilienbranche,
       Bauwirtschaft und Mieterbund – ist wenig überraschend: [1][Mehr bauen,
       billiger bauen und schneller bauen.]
       
       Dieser fetischhafte Fokus auf Neubau lässt den größten Hebel für die Lösung
       der Wohnungskrise außer Acht: Problematischer als der Mangel an Wohnraum
       ist dessen ungerechte Verteilung. Schwarz-Rot kündigte bei
       Regierungsantritt an, jährlich 400.000 Wohnungen bauen zu wollen. Dass es
       im vergangenen Jahr nicht einmal 240.000 Wohnungen waren, wird viel
       kritisiert.
       
       Wer diese Wohnungen baut und ob sie überhaupt für die bezahlbar sind, die
       sie am nötigsten brauchen, scheint hingegen kaum jemanden überhaupt zu
       interessieren. In Großstädten wie Berlin stehen ganze Wohntürme leer, weil
       Bauherren bei den aktuellen Baukosten selten unter 20 Euro-Netto kalt
       vermieten können. Über drei Viertel aller Neubauten in Deutschland
       entstehen durch private Investor:innen.
       
       Das Viertel an öffentlichen und damit noch bezahlbaren Wohnraum, der
       entsteht, [2][ist viel zu wenig]. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es
       schlicht nicht unendlich Flächen gibt, die bebaut werden können. Für jedes
       Neubaugebiet müssen wertvolle Biotope, Ackerflächen oder alternative
       Freiräume weichen. Doch dass so wenig neu gebaut werden sollte wie nötig,
       ist noch nicht im politischen Diskurs angekommen. Es gab noch nie mehr
       Wohnfläche in Deutschland als heute, obwohl die Bevölkerungszahl nur leicht
       steigt.
       
       ## Größere Wohnung statt Mieterhöhung
       
       [3][Gerecht verteilt ist dieser Wohnraum nicht]. Das Bündnis merkt an, dass
       9,9 Millionen Menschen in beengten Wohnverhältnissen leben. Während sich
       Gutverdiener eine Zweitwohnung leisten, zwängt sich eine vierköpfige
       Mittelschichtsfamilie in eine Zweizimmerwohnung. Viele ältere Menschen
       leben allein in riesigen Wohnungen, weil eine Verkleinerung nur mit einer
       Mieterhöhung einhergehen würde.
       
       Klar ist: Der Markt ist komplett ungeeignet für die Aufgabe,
       Wohnraumversorgung bedarfsgerecht zu organisieren. Was es braucht, um
       wirksame Maßnahmen umzusetzen? Deutlich mehr Wohnungen in öffentlicher
       Hand. So ließen sich viele Ideen für eine gerechte Wohnraumverteilung erst
       umsetzen. Wuchermieten? Einfach deckeln! Wohnungstausch? Kein Problem, da
       die Mieten flächendeckend günstig sind.
       
       Eine Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen, wie es etwa die
       Berliner Kampagne DW enteignen fordert, wäre da ein erster Schritt.
       Parallel sollte sich die Politik nicht davor scheuen, private Vermieter
       stärker in die Pflicht zu nehmen: etwa durch eine Sozialwohnungsquote, die
       Eigentümer verpflichtet, einen bestimmten Anteil der Wohnungen Menschen mit
       geringen Einkommen zur Verfügung zu stellen.
       
       26 Mar 2026
       
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