# taz.de -- Wohnungsbau wird vereinfacht: Hamburger Senat zündet den Bau-Turbo
       
       > Die Behörden haben mit den neuen Instrumenten in vier Monaten 750
       > Wohnungen genehmigt. Kritiker sehen Umwelt und Beteiligungsrechte
       > beschädigt.
       
 (IMG) Bild: Krempelt die Ärmel hoch: Bundesbauministerin Verena Hubertz auf einer Baustelle mit Finanzminister Lars Klingbeil (beide SPD)
       
       Der „Bau-Turbo“, mit dem die Bundesregierung den Wohnungsbau beschleunigen
       will, zeigt in Hamburg Wirkung. 750 Wohnungen haben die hiesigen
       Bezirksämter seit dem vergangenen Oktober mithilfe der neuen Regeln
       genehmigt. Weitere 1.100 werden geprüft. „Der überwiegende Teil dieser
       Wohnungen wäre nach altem Recht nicht oder nur durch ein langwieriges
       Bebauungsplanverfahren genehmigungsfähig gewesen“, erklärte
       Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD).
       
       Während der Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) die
       Handlungsbereitschaft des rot-grünen Senats lobte, monierte der Bund für
       Umwelt und Naturschutz (BUND) „fehlende ökologische Leitplanken“.
       
       [1][Hinter dem Begriff Bau-Turbo verbirgt sich ein Bundesgesetz], das den
       Wohnungsbau vereinfachen soll. Es ist am 30. Oktober vergangenen Jahres in
       Kraft getreten. Befristet bis Ende 2030 gilt die Regel, dass Kommunen
       Wohnbauten genehmigen können, ohne dafür einen Bebauungsplan aufstellen
       oder ändern zu müssen. Steht etwa seit ewigen Zeiten eine Schule im
       Bebauungsplan, die aber gar nicht gebraucht wird, kann die Kommune
       entscheiden, an dieser Stelle Wohnungen zu genehmigen.
       
       Unbefristet gilt überdies, dass die Vorgaben eines existierenden
       Bebauungsplanes überschritten werden können, etwa indem Wohngebäude
       aufgestockt oder erweitert werden. Dazu kommt die Möglichkeit, ohne
       entsprechendes Planrecht Wohnungen in Innenhöfen oder in zweiter Reihe zu
       genehmigen. Grenzen haben die Bauerleichterungen beim Fachrecht, etwa dem
       Natur-, Denkmal- oder Immissionsschutz.
       
       ## Linke fordert Schlüssel für Sozialwohnungen
       
       Ob das vereinfachte Verfahren in einem Gebiet grundsätzlich infrage kommt,
       entscheiden [2][im Stadtstaat Hamburg] die sieben Bezirke mit ihren
       gewählten Bezirksversammlungen. Votieren diese für das vereinfachte
       Verfahren, hat die Verwaltung drei Monate Zeit, einen Bauantrag zu
       genehmigen oder abzulehnen. Entscheidet sie in dieser Zeit nicht, gilt der
       Antrag als genehmigt.
       
       Der Branchenverband VNW berichtete über gute Erfahrungen in der
       Zusammenarbeit mit den Bezirksämtern. „So wurden in einer Reihe von Fällen
       Anträge, die aus rechtlichen Gründen in der Vergangenheit abgelehnt wurden,
       erneut geprüft und genehmigt“, erklärte Verbandschef Andreas Breitner.
       Allerdings bräuchten die Bezirksämter wohl mehr Personal, um nicht zum
       Nadelöhr zu werden.
       
       Die Linke forderte den Senat auf, bei größeren Turbo-Vorhaben regelhaft die
       Öffentlichkeit zu beteiligen, was die Stadtentwicklungssenatorin keineswegs
       ausschloss. Zudem forderte die Linke einen festen [3][Schlüssel für
       Sozialwohnungen]: 50 Prozent bei privaten, 100 Prozent bei öffentlichen
       Projekten.
       
       Auch der BUND monierte, dass eine Beteiligung der Öffentlichkeit nicht
       verpflichtend sei, sondern im Ermessen des Bezirksamtes liege. Bisher seien
       Bebauungspläne das zentrale Instrument, um [4][ökologische Belange zu
       sichern]. Verträge mit Bauträgern böten nicht die gleiche Verbindlichkeit
       und Transparenz.
       
       Besonders bedenklich sei die automatische Genehmigung nach drei Monaten.
       „Das birgt das große Risiko, dass Vorhaben ohne ausreichende Prüfung
       Baurecht erhalten“, warnte die Landesvorsitzende Sabine Sommer.
       
       24 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bau-Turbo-Gesetz-tritt-in-Kraft/!6122694
 (DIR) [2] https://www.hamburg.de/resource/blob/1152472/28f54756dbd82e8e0aece3474927dde5/handreichung-zur-anwendung-von-246e-baugb-data.pdf
 (DIR) [3] /Bundestag-beschliesst-Bauturbo/!6118713
 (DIR) [4] /Deutsche-Umwelthilfe-ueber-Bauturbo/!6118706
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Sozialer Wohnungsbau
 (DIR) Wohnungsbau
 (DIR) Baurecht
 (DIR) Hamburg
 (DIR) Stadtentwicklung
 (DIR) Wohnen
 (DIR) Wohnungsbau
 (DIR) Bauen
 (DIR) Wohnraum
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Wohnungsbautag 2026: Zu viert in einer Einzimmerwohnung
       
       Die Wohnungssuche wird immer schwerer, viele Familien leben beengt. Das
       Bündnis Wohnungsbau fordert, einfacher zu bauen. Ist das die Lösung?
       
 (DIR) Zweite Baugesetznovelle auf dem Weg: Enteignungspläne für Schrottimmobilien
       
       Bauministerin Hubertz plant umfassende Änderungen am Baugesetzbuch. Neben
       Enteignung bei Schrottimmobilien soll auch Wohnungsbau priorisiert werden
       können.
       
 (DIR) Austausch über neues Baugesetz: Bauturbo in der Praxis
       
       Der Bauturbo wird begleitet von einem Umsetzungslabor. Kommunen und
       Zivilgesellschaft sollen sich über Probleme in der Praxis austauschen
       können.
       
 (DIR) „Bau-Turbo“-Gesetz tritt in Kraft: Wohnraum um jeden Preis
       
       Das „Bau-Turbo“-Gesetz ist in Kraft. Wohnungen sollen schneller gebaut
       werden. Im Zweifel auch gegen das Interesse von Bürger:innen und Umwelt.