# taz.de -- Die Haushaltspläne von Verena Hubertz: Das Wohngeld zu kürzen, wäre ein fatales Signal
       
       > Steigende Mieten, weniger Sozialwohnungen, steigende Armut, und die SPD
       > will beim Wohngeld sparen. Ihr Misserfolg sollte die Partei nicht
       > wundern.
       
 (IMG) Bild: Mietwohnungen in Schwerin: Das Wohngeld wird wahrscheinlich neustrukturiert und damit gekürzt
       
       Über Kanzler Friedrich Merz würde sich niemand wundern, wenn er die nächste
       sozialpolitische Gemeinheit verkündet. Aber dass ausgerechnet eine
       sozialdemokratische Ministerin [1][am Wohngeld sparen möchte], ist schwer
       nachzuvollziehen. [2][Verena Hubertz] stellt damit jene Reform wieder zur
       Disposition, die die SPD vor nicht allzu langer Zeit als historischen
       Erfolg gefeiert hat.
       
       Das Wohngeld wurde in der Ampelregierung unter der Bauministerin Klara
       Geywitz (SPD) [3][umfassend reformiert.] Seit 2023 können nicht nur mehr
       Menschen Wohngeld beziehen, es wurde auch eine Komponente eingebaut, die
       gestiegene Energiepreise und Kosten nach energetischen Sanierungen
       berücksichtigt.
       
       Nun vermeidet das derzeitige Bauministerium bewusst das Wort Kürzung und
       spricht stattdessen von einer „Neustrukturierung“. Ob Leistungen gemindert
       oder der Empfängerkreis wieder eingeschränkt werden soll, wollte es aber
       nicht beantworten. Zur Einordnung: In diesem Jahr [4][verfügt das
       Bauministerium über 7,7 Milliarden Euro], das sind nur 1,5 Prozent des
       Gesamthaushalts. 2,4 Milliarden davon sind für das Wohngeld eingeplant.
       
       Wer nun für das kommende Jahr eine Einsparung von 1 Milliarde Euro
       ankündigt und nicht verrät, was genau darunter zu verstehen ist, spielt
       bewusst mit der Angst. Es ist jedenfalls schwer vorstellbar, dass die
       Einsparung allein durch eine Vereinfachung von Leistungsauszahlungen
       zustande kommt. Derzeit gibt es Überlegungen, das Wohngeld, die
       Grundsicherung und den Kinderzuschlag in ein einheitliches System zu
       überführen.
       
       ## Das Wohngeld hilft vielen Menschen konkret
       
       Richtig ist: Wohngeld bleibt letztlich eine Subvention für Vermieter*innen.
       Aus linker Perspektive wäre es natürlich besser, mehr Sozialwohnungen zu
       schaffen, als immer mehr staatliche Gelder für steigende Mieten auszugeben.
       Daraus darf man aber jetzt nicht schließen, das Wohngeld einzudampfen. Denn
       es hilft vielen Menschen sehr konkret.
       
       1,2 Millionen Haushalte in Deutschland [5][nahmen Ende 2024 Wohngeld in
       Anspruch] – in mehr als der Hälfte dieser Haushalte lebten Rentner*innen.
       In den ostdeutschen Bundesländern wird die staatliche Leistung häufiger
       abgerufen als in westdeutschen – was angesichts der Vermögensverteilung
       nicht verwunderlich ist. Diese Menschen beziehen Wohngeld, weil sie mit
       kleinem Einkommen hohe Wohnkosten stemmen müssen.
       
       Die Ursachen dafür, etwa die jahrzehntelange chronische Vernachlässigung
       einer gemeinnützigen Wohnungspolitik, haben sie nicht zu verantworten. Sie
       mit den Folgen alleinzulassen, wäre falsch. Die Mieten und Energiepreise
       steigen, die [6][Zahl der Sozialwohnungen sinkt], die Altersarmut nimmt zu,
       und die SPD will beim Wohngeld sparen. Falls die Sozialdemokraten noch
       Fehleranalyse betreiben, wäre das ein Ansatz.
       
       In dieser Situation das Wohngeld kürzen zu wollen, ist ein fatales Signal.
       Viel naheliegender wäre: mehr Kontrolle und Deckelung von überhöhten
       Mieten. Das würde nämlich den Menschen und dem Haushalt zugutekommen.
       
       9 May 2026
       
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