# taz.de -- Angriff auf Journalisten in Thüringen: Rechtsextreme schlagen erneut in Fretterode zu
> Vor dem Haus des Neonazis Thorsten Heise wurden drei Journalisten von
> Spiegel TV attackiert. Das erinnert an einen Vorfall von vor acht Jahren.
(IMG) Bild: Die Polizei durchsucht das Haus von Thorsten Heise, vor dem mutmaßlich Journalisten angegriffen wurden, 25.3.2026
Zwei Männer haben am Mittwochabend mutmaßlich ein Team von Spiegel TV
angegriffen. Die drei Journalisten befanden sich am Mittwochabend wegen
einer Recherche im thüringischen Fretterode vor dem Haus von [1][Thorsten
Heise, dem 56-Jährigen stellvertretenden Vorsitzenden der Neonazi-Partei
„Heimat“].
Die Polizei durchsuchte im Anschluss mit einem Großaufgebot das Anwesen von
Heise und nahm die Tatverdächtigen kurzzeitig fest. Die Staatsanwaltschaft
ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das
Waffengesetz.
Laut den Ermittlungsbehörden handelt es sich bei den Tatverdächtigen um
einen 56-Jährigen und seinen 22-jährigen Sohn. Nach Informationen der taz
sollen das Thorsten Heise und sein jüngster Sohn sein. Die
Staatsanwaltschaft Mühlhausen äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Namen.
Weil keine Haftgründe vorlagen, seien sie noch in der Nacht wieder
freigelassen worden.
Eine Sprecherin des Spiegel-Verlags bestätigte, dass zwei Mitarbeiter eines
dreiköpfigen Spiegel-TV-Teams am Mittwoch durch „den Einsatz von
Pfefferspray und durch Schläge“ verletzt wurden. Sie seien im Krankenhaus
medizinisch versorgt und inzwischen wieder entlassen worden. Durch den
Angriff sei zudem Ausrüstung beschädigt worden. Der Spiegel habe Anzeige
erstattet.
Bei der Razzia im Haus von Heise suchte die Polizei laut Benedikt
Ballhausen von der Staatsanwaltschaft Mühlhausen nach Beweismitteln für den
Pfefferspray-Angriff. Dabei habe sie zufällig Gegenstände gefunden, bei
denen ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorliegen könnte. Ballhausen war
als Bereitschaftsstaatsanwalt am Mittwochabend selbst vor Ort, beobachtete
den Einsatz, der von der Bereitschaftspolizei unterstützt wurde.
## Angriff Fretterode 2018
Es ist das zweite Mal, das [2][Journalisten vor dem Grundstück von Thorsten
Heise] angegriffen werden. Schon 2018 griffen Neonazis zwei Journalisten
während einer Recherche an und verletzten sie. Einer von ihnen war damals
Merlin M. Im Gespräch mit der taz erzählt er am Donnerstagmorgen, er sei am
Mittwoch kurz vor dem Angriff ebenfalls in Fretterode gewesen.
Bei den Dreharbeiten mit Spiegel TV sei es darum gegangen, den Angriff von
2018 zu rekapitulieren. Der ist rechtlich noch nicht abgeschlossen. Der
Gerichtsprozess läuft fast acht Jahre danach immer noch, [3][mittlerweile
im zweiten Anlauf].
Laut Anklage haben die beiden Neonazis Gianluca K. und Nordulf H., ein
anderer Sohn von Thorsten Heise, zwei Journalisten verletzt, als sie vor
dem Anwesen von Thorsten Heise Fotos machten. Sie jagten sie unter anderem
mit einem Baseballschläger, einem Messer und Pfefferspray.
2022 sprach das Landgericht die Neonazis schuldig, doch die Strafen wurden
bundesweit als zu gering kritisiert. Wenig später hob der Bundesgerichtshof
das Urteil des Landgerichts Mühlhausen wegen Rechtsfehler auf. Nun
verhandelt eine andere Kammer den Fall erneut.
## Wischiwaschi-Einsatz
Der erneute Vorfall am Mittwoch sei für M. aufwühlend. Aktuell gehe es
noch. „Aber ich weiß, dass die nächsten Tage für mich sehr anstrengend
werden“, berichtet der Journalist.
Am Mittwoch seien Merlin M. und sein damals ebenfalls betroffener Kollege
gerade aufgebrochen und mit dem Auto zwei Dörfer entfernt gewesen, als sie
von der erneuten Attacke hörten. Daraufhin seien sie zurückgekehrt und
hätten den Polizeieinsatz beobachtet. Von der Arbeit der lokalen
Streifenpolizei scheint M. dabei nicht besonders überzeugt. „Wäre die
Bereitschaftspolizei nicht da gewesen, hätte es erneut einen
Wischiwaschi-Einsatz gegeben“, so sein Eindruck.
Die Journalist:innen-Gewerkschaft DJU sieht den erneuten Angriff im
Zusammenhang mit der juristischen Aufarbeitung des letzten Angriffs. „Für
viele Medienschaffende steht der Ort seit Jahren symbolhaft für
Pressefeindlichkeit und die weitgehend straflose Gewalt gegen
Medienschaffende“, erklärt DJU-Bundesgeschäftsführerin Danica Bensmail.
„Wenn Angriffe auf Journalist*innen über Jahre nicht abschließend
geahndet werden, entfaltet das keine abschreckende Wirkung – im Gegenteil.“
Das mache der erneute Angriff deutlich.
26 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) David Muschenich
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