# taz.de -- Rechtsextremismus in Niedersachsen: Neonazis wollen nicht, dass man über sie spricht
       
       > In Springe tauchten bei einem Vortrag über Rechtsextremismus am Mittwoch
       > Neonazis auf. Schon vorher hatten sie versucht, die Veranstaltung zu
       > verhindern.
       
 (IMG) Bild: Wollten die Veranstaltung stören, aber wurden nicht reingelassen: Mutmaßliche Rechtsextreme in Springe
       
       Am Mittwochabend haben mehrere Neonazis versucht, sich Zugang zu einem
       Vortrag der [1][Journalistin Andrea Röpke] in Springe (Region Hannover) zu
       verschaffen. Mit dabei waren mehrere Personen, gegen die die Zentralstelle
       Terrorismusbekämpfung wegen der Bildung einer rechtsradikalen, bewaffneten
       Gruppe ermittelt.
       
       Der Vortrag in der örtlichen Grundschule fand an diesem Abend unter dem
       Titel „Was kann die Zivilgesellschaft gegen Rechtsextremismus tun?“ statt.
       Die Fachjournalistin Andrea Röpke berichtete über [2][die rechtsextreme
       Szene in der Region] und ein Mitarbeiter der Mobilen Beratung
       Rechtsextremismus sprach über die Herausforderungen des
       zivilgesellschaftlichen Engagements gegen Rechtsextremismus. Organisiert
       wurde die Veranstaltung vom Sozialverband, der Gewerkschaft Verdi, den
       Grünen und den Linken.
       
       Am 16. September 2025 hatten das Landeskriminalamt Niedersachsen und die
       Generalstaatsanwaltschaft Celle Objekte in Niedersachsen,
       Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg durchsucht. Den insgesamt acht
       Beschuldigten wird vorgeworfen, [3][eine rechtsradikale, bewaffnete Gruppe
       mit dem Namen „Nordbund“] gegründet zu haben. Der Schwerpunkt der
       Durchsuchungen lag damals im Ortsteil Altenhagen I der Stadt Springe.
       
       Hier wohnt unter anderem Johannes K., der als einer der Strippenzieher der
       im Jahr 2000 [4][verbotenen Neonazi-Vereinigung „Blood & Honour“] gilt.
       International vertreibt die Organisation bis heute Rechtsrockmusik,
       Merchandise-Artikel und veranstaltet Neonazi-Konzerte. 2008 wurde K. wegen
       der Fortführung von „Blood & Honour“ zu einer Geldstrafe verurteilt.
       
       ## „Nordbund“-Beschuldigte wollten Vortrag verhindern
       
       Bei der Durchsuchung im September fanden die Ermittler*innen scharfe
       Kurz- und Langwaffen, Munition unterschiedlichen Kalibers sowie Bargeld und
       „mögliche Sprengmittel“. Zu den Beschuldigten zählen auch zwei aktive und
       zwei ehemalige Soldaten sowie ein Bundespolizist. Antifaschist*innen
       hatten in einer Broschüre die Verbindungen und Strukturen des „Nordbundes“
       veröffentlicht und die Ermittlungen damit ins Rollen gebracht.
       
       Am Mittwochabend in Springe versammelte sich die Gruppe um die in dem
       Verfahren beschuldigten Johannes K. und Alexander S. auf einem
       nahegelegenen Parkplatz und lief in Kleingruppen zum Schulgebäude. Die
       Veranstalter*innen machten am Eingang von ihrem Hausrecht Gebrauch und
       schlossen die Gruppe von der Veranstaltung aus. Johannes K. hielt sich
       bewusst im Hintergrund und postierte sich außerhalb des Schulhofgeländes.
       
       Die Mobile Beratung erklärte im Nachgang, die „betont männlich und
       bedrohlich auftretende Personengruppe“ habe versucht, sich Zugang zur
       Veranstaltung zu verschaffen, Fotos von Teilnehmenden zu machen und eine
       Anwesenheitsliste zu entwenden. Der Vorfall habe gezeigt, „in was für einer
       gesellschaftlichen Situation wir uns inzwischen befinden und welche Gefahr
       von der extremen Rechten auch für Engagierte vor Ort ausgeht“. Es sei daher
       wichtig, „sich von solchen Inszenierungen nicht einschüchtern zu lassen“
       und „als demokratische Zivilgesellschaft zusammenzustehen“.
       
       Schon im Vorfeld hatte der Hannoveraner Anwalt Marcus Bartscht versucht,
       die Veranstaltung gerichtlich zu verhindern. In einem Schreiben forderte er
       die Veranstalter*innen auf, seinen Mandanten Alexander S. nicht als
       Neonazi oder Teil einer Neonazizelle zu bezeichnen. Bartscht behauptete,
       beim „Nordbund“ habe es sich „zu keiner Zeit um eine politisch motivierte
       Gruppierung gehandelt“ und die Gruppe existiere seit sechs Jahren nicht
       mehr.
       
       ## Polizei wusste von nichts
       
       Auch auf dem Grundstück von Alexander S., der mittlerweile in Hummersen bei
       Lügde wohnt, fanden im September polizeiliche Durchsuchungen statt. Sein
       Anwalt Bartscht hatte vorher versucht, den Vortrag von Andrea Röpke per
       einstweiliger Verfügung zu verhindern. Das zuständige Landgericht Hannover
       lehnte den Eilantrag mit der Begründung ab, es sei nicht ersichtlich, dass
       Alexander S. im Rahmen der Veranstaltung namentlich genannt werde. Die
       Niederlage vor Gericht wollte S. offenbar nicht auf sich sitzen lassen und
       kam selbst zum Vortrag.
       
       Jan Orbach, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Hannover-Heide-Weser, sagt
       der taz nach der Veranstaltung: „Wer uns und unsere Mitglieder mit
       anwaltlichen Schreiben oder auch durch Gruppen von Nazi-Schlägern vor
       unserer Abendveranstaltung bedrohen oder einschüchtern will, der legt sich
       mit der gesamten Gewerkschaft an.“ Zwar lebe eine demokratische
       Gesellschaft auch durch Unterschiede und Widersprüche, Nazis seien jedoch
       weiterhin weder auf Veranstaltungen von Verdi noch in der Gewerkschaft
       willkommen.
       
       Die zuständige Polizeidirektion Hannover bestätigte der taz den Einsatz an
       der Grundschule in Springe. Die Beamt*innen seien zur Durchsetzung des
       Hausrechts hinzugezogen worden und „erteilten den betroffenen Personen
       Platzverweise“, denen die Gruppe nachkam. Im Vorfeld hätten keine Hinweise
       auf eine Störung der Veranstaltung erlangt werden können.
       
       19 Mar 2026
       
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