# taz.de -- Wirtschaftliche Folgen des Irankriegs: Ökonomen fordern mehr Investitionen gegen Spritschock
> Der Irankrieg treibt die Inflation derzeit nach oben. Doch die Folgen für
> die Wirtschaft könnten begrenzt bleiben, wenn die Politik richtig
> handelt.
(IMG) Bild: Fahren oder gehen? Tankstelle an der A45 bei Freudenberg am 21. März
Angesichts der Folgen des [1][Irankriegs] für die deutsche Wirtschaft
fordern Ökonom*innen verstärkte Investitionen in die öffentliche
Infrastruktur. Die Politik solle unbedingt sicherstellen, dass die Mittel
aus dem Sondervermögen wirklich in zusätzliche Investitionen fließen,
teilte am Donnerstag das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung
(IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung mit. In der Diskussion
befindliche Reformvorschläge wie die Erhöhung der Mehrwertsteuer oder
Einschnitte bei der Sozialversicherung sehen die Ökonom*innen allerdings
kritisch.
Dass IMK geht in seiner aktuellen Prognose davon aus, dass die deutsche
Wirtschaft trotz der gestiegenen Spritpreise dieses Jahr noch um 0,9
Prozent wächst. 2027 könnten sogar 1,6 Prozent Wachstum drin sein.
Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Irankrieg nicht über den Sommer
hinaus andauert, die Energielieferungen durch die Straße von Hormus dann
wieder ungehindert laufen und die Öl- und Gas-Infrastruktur der arabischen
Golfstaaten nicht substanziell beschädigt wird. Dann würden die
Energiepreise sich bis Jahresende wieder normalisieren. Die Inflationsrate
steigt in diesem Szenario auf noch relativ moderate 2,4 Prozent.
Voraussetzung für diese positive Einschätzung ist unter anderem aber auch
„eine aktive Wirtschaftspolitik der Bundesregierung, die transformative
Investitionen vorantreibt und gegebenenfalls einen Beitrag zur Sicherung
der Preisstabilität leistet“, schreibt das IMK. Dabei erntete die
Bundesregierung in den letzten Tagen insbesondere wegen fehlender
Investitionen erhebliche Kritik von Ökonom*innen.
Das Münchner Ifo-Institut und das arbeitgebernahe Institut der deutschen
Wirtschaft (IW) hatten Schwarz-Rot in zwei Studien vorgeworfen, die Mittel
aus dem [2][500 Milliarden schweren Sondervermögen (SVIK)] nicht wie
eigentlich vorgesehen für zusätzliche Investitionen zu nutzen, sondern
damit Haushaltslöcher zu stopfen. Laut Ifo-Institut trifft dies auf 95
Prozent der Mittel aus dem Sondervermögen zu. Das IW geht von 86 Prozent
aus.
## 60 Prozent zweckentfremdet
Zwar sieht das IMK methodische Mängel bei den Studien ihrer Kolleg*innen,
doch teilt es deren Kritik an der Bundesregierung. Gegenüber dem Niveau von
2024 seien vergangenes Jahr kaum zusätzliche Investitionen getätigt worden,
während die Kreditaufnahme des SVIK 24,3 Milliarden Euro betrug, schreibt
das IMK. Zwar sind laut dem IMK davon 8,3 Milliarden Euro noch nicht
verwendet, also auch noch nicht zweckentfremdet. Doch warnt auch das IMK,
dass rund 60 Prozent der Mittel zweckentfremdet werden könnten – etwa für
die Reform der Körperschaftssteuer, die Absenkung der Umsatzsteuer in der
Gastronomie oder die Mütterrente.
Kürzungen im sozialen Bereich oder eine Reform des Arbeitsrechts lehnt das
IMK indes ab. „Wenn der Irankrieg die Energiepreise hochtreibt oder die
amerikanische und die chinesische Regierung durch Zollbarrieren,
Subventionen oder gezielte Abwertung ihrer Währungen Exporte aus Europa
ausbremsen, hilft es nichts, im Inland mit Druck auf Löhne, Deregulierung
bei der Arbeitszeit oder aktionistischen Einschnitten bei der sozialen
Sicherung zu reagieren“, warnt IMK-Chef [3][Sebastian Dullien]. Stattdessen
werde durch solche Reformen sogar der private Konsum als „aktuell besonders
wichtiger Stabilitätsfaktor“ geschwächt.
26 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Simon Poelchau
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