# taz.de -- Ölpreisschock in Deutschland: Energie verteuert sich im März um 7,2 Prozent
> Der Iran-Krieg treibt schon jetzt die Inflation. Es ist nur eine Frage
> der Zeit, bis auch die Zinsen steigen. Würgt das die aufkeimende
> Konjunktur ab?
(IMG) Bild: Der Iran-Krieg treibt die Inflation nach oben, die Preise steigen nicht nur bei Gas, Öl und Benzin
Jetzt ist es amtlich: Die Inflationsrate in Deutschland ist im März wegen
der Folgen des Iran-Kriegs kräftig gestiegen. Ähnlich wird es in der
gesamten Euro-Zone aussehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte
deshalb die Leitzinsen erhöhen. Höhere Preise und höhere Zinsen sind keine
guten Aussichten für die [1][deutsche Wirtschaft, die gerade angefangen
hatte, sich zu erholen]. Und es könnte noch schlimmer kommen.
Die Preise stiegen im Schnitt um 2,7 Prozent, wie das Statistische
Bundesamt am Montag auf Basis vorläufiger Zahlen berichtete. Energie
verteuerte sich demnach im Schnitt um 7,2 Prozent im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum. Im Februar hatte die Inflationsrate noch 1,9 Prozent
betragen. Die Bundesbank rechnete zuletzt mit bis zu 3 Prozent Inflation.
Auch für die Euro-Zone wird ein deutliches Plus bei der Teuerung erwartet.
Diese Zahl ist wichtig, weil sie für die EZB die Basis bildet, auf der über
die Leitzinsen entschieden wird.
Israel und die USA hatten am 28. Februar Iran angegriffen. Was wohl als
schneller Militäreinsatz der beiden Verbündeten gedacht war, dehnt sich
inzwischen. Iran jedenfalls blockiert seither die Straße von Hormus, eine
wichtige Meerenge im Golf von Persien. Die Anrainerstaaten Bahrain, Irak,
Kuwait, Oman, Saudi-Arabien, Qatar und die Vereinigten Arabischen Emirate
sind wie Iran wichtige Öl- und Gaslieferanten. Durch die Meerenge wird
nicht nur rund ein Fünftel allen Öls weltweit transportiert, sondern auch
[2][75 Prozent der Gase, die Grundstoff für Waschmittel und Dünger sind].
## Kaskade von Preiserhöhungen
Im Zuge des Krieges ist vor allem der Preis der Ölsorte Brent von gut 72
US-Dollar Ende Februar auf zeitweise weit über 100 Dollar je Fass
gestiegen. Weil Öl zum Weltmarktpreis gehandelt wird, müssen auch Länder,
die kaum etwas aus dem Nahen Osten beziehen, die höheren Preise bezahlen.
Auch Frachtraten für Schiffe verteuerten sich.
Dass vor allem Energie teurer wird, trifft die deutsche Wirtschaft
besonders, die ohnehin schon mehr bezahlt als andere Industriestaaten.
Zusätzlich ist [3][Gas ein wichtiger Rohstoff für die chemische Industrie]
– eine der großen deutschen Branchen. Die Unternehmen werden versuchen,
höhere Kosten an die Kunden weiterzugeben und die Preise anzuheben. Das
legt eine [4][Umfrage des Münchener Ifo-Instituts] von vergangener Woche
nahe. Das bedeutet: Auch Waren und Dienstleistungen für den Verbraucher
werden in den nächsten Wochen und Monaten teurer, zum Beispiel Obst oder
andere Lebensmittel.
## EZB in Wartestellung
Wenn die Inflationsrate steigt, wird auch die EZB eingreifen. Sie hält
einen Wert von um die 2 Prozent für wirtschaftlich richtig. 2025 war die
Inflationsrate gefallen, die EZB hatte den wichtigsten Zins auf 2 Prozent
halbiert. Damit ist es jetzt wohl vorbei. Experten der Deutschen Bank
rechnen mit mindestens zwei Zinserhöhungen noch in diesem Jahr. Höhere
Zinsen bedeuten, dass es teurer wird, an Geld zu kommen. Das wiederum
bremst Investitionen, die Unternehmen zum Teil per Kredit finanzieren.
Dass alles noch schlimmer kommen könnte, deutete EZB-Chefin Christine
Lagarde in einem Interview mit dem britischen Magazin Economist an. Der
Ölschock sei wahrscheinlich größer, als wir uns gerade vorstellen könnten,
sagte die oberste Währungshüterin. Die Finanzmärkte seien vielleicht etwas
zu optimistisch, dass alles wieder normal werde, wenn der Krieg ende.
Technikexperten sagten dagegen anderes: Zu viele Anlagen seien inzwischen
zerstört worden. Sie können nicht in Monaten wiederhergestellt werden.
Manche sprechen von Jahren. So hat [5][Iran in Katar die größte Anlage der
Welt für Flüssiggas] beschossen und Ölanlagen in Saudi-Arabien und Kuwait.
Israel wiederum zerstört Ölinfrastruktur in Iran.
30 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Björn Hartmann
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