# taz.de -- Folgen des Irankriegs: Abwarten und keinen Tee trinken
> Der Krieg im Nahen Osten stoppt den Export des wichtigsten Handelsguts
> von Kenia. Und auch der Anbau wird erschwert. Birgt die Krise trotzdem
> Chancen?
(IMG) Bild: Die Teefelder Kenias geraten unter Druck durch den Irankrieg
An Kenias Hafen in der Küstenstadt Mombasa stapeln sich die Säcke
meterhoch. Über 8 Millionen Kilogramm Tee können derzeit nicht exportiert
werden. Der Irankrieg mache es unmöglich, die frisch geernteten und
getrockneten Teeblätter zu exportieren, klagt George Omuga, Vorsitzender
des Verbands der ostafrikanischen Teehändler: „Unsere Abnehmer hatten
bereits vor Kriegsbeginn bei den Exporteuren Tee bestellt, doch dieser Tee
konnte aufgrund der [1][Unterbrechung der Schifffahrtswege] den Hafen von
Mombasa nicht verlassen“, erklärt er.
In Mombasa findet wöchentlich die weltweit größte Teeauktion statt. Händler
vor allem aus den arabischen Ländern sind vor Ort, um sich neue Lieferungen
zu sichern. Kenia ist das weltweit führende Anbauland für Schwarztee.
Seit Kriegsbeginn Anfang März seien jede Woche 20 Prozent des kenianischen
Tees, der normalerweise in die Länder des Nahen Ostens exportiert werde, in
Mombasa liegen geblieben, so Omuga: „In den letzten zwei bis drei Wochen
haben wir insgesamt 24 Millionen US-Dollar an Exporterlösen verloren.“ Wenn
der Krieg noch lange anhält, könne dies zu einem „völligen Zusammenbruch“
des Teesektors führen.
Kenias Hauptexportland ist mit rund 40 Prozent des Marktanteils Pakistan,
gefolgt von Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien.
„Wir suchen derzeit nach alternativen Absatzmärkten in China, Ägypten und
Großbritannien“, erklärte vergangene Woche Paul Ronoh, Staatssekretär im
Ministerium für Landwirtschaft in Kenia.
## Hoffnung auf innerafrikanischen Handel
Floice Mukabana, Direktorin von Kenias Teeexportverband, sieht in der
Exportkrise auch eine Chance: „Für uns als Kenianer und kenianische
Exporteure bedeutet das, dass wir nach neuen Märkten suchen müssen,
insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent.“ Das 2021 in Kraft getretene
[2][Afrikanische Freihandelsabkommen] mache es möglich, Tee auf dem
afrikanischen Kontinent ohne Export- und Importsteuer zu vermarkten.
Teeblätter sind das wichtigste Exportprodukt Kenias. Mit einem Anteil von
16 Prozent an allen Ausfuhren sind sie wesentlich für Deviseneinnahmen.
Laut dem kenianischen Tea Board, wo sich sämtliche Teebauern, Händler und
Exporteure registrieren lassen müssen, machte der gesamte Sektor 2024 einen
Umsatz von umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro. Rund sieben Millionen
Menschen leben landesweit vom Teegeschäft, ein Großteil davon Kleinbauern,
die nicht viele Möglichkeiten haben, Verluste auszugleichen.
Neben dem Export ist auch der Teeanbau vom Irankrieg betroffen. Denn die
Teebauern importieren Düngemittel aus Saudi-Arabien und Marokko. Diese
Ladungen müssen ebenso durch die Straße von Hormus, die von Iran blockiert
wird.
Kenias Regierung hält derzeit täglich Krisensitzungen ab, um die
Auswirkungen des Irankrieges auf die Wirtschaft und die Währung zu
analysieren. Die größte Sorge bereiten den Kenianern [3][die steigenden
Benzinpreise], die zusätzlich zum reduzierten Teeexport die Wirtschaft und
die Kleinbauern belasten. Denn steigende Transportkosten bedeuten
automatisch [4][steigende Preise für landwirtschaftliche Produkte], was
sich im Geldbeutel jeder Familie niederschlägt. Kenias Regierung hat unter
Führung des Vizepräsidenten eine hochrangige Delegation nach China
entsandt, um dort einen steuerfreien Exporttarif für Kenias Tee
auszuhandeln, um „den Schock des Kriegs abzufedern“, so Handelsminister Lee
Kinyanjui.
31 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
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