# taz.de -- Rheinmetall-Chef: Hausfrauen an die Lötkolben!
       
       > Arroganz gegen Realität: Rheinmetall-Chef verspottet ukrainische Drohnen
       > und verkennt damit den Wandel des Kriegs.
       
 (IMG) Bild: Testflug einer ukrainischen FPV-Drohne mit Glasfaseranbindung
       
       Bei ukrainischen Drohnen handle es sich um ein Legospiel und bei den beiden
       großen Drohnenproduzenten Fire Point und Skyfall um „ukrainische
       Hausfrauen“. „Sie haben 3D-Drucker in der Küche und produzieren Teile für
       Drohnen, das ist keine Innovation.“ Diese respektlosen Aussagen des
       [1][Rheinmetall]-CEOs Armin Papperger, die er gegenüber Simon Shuster vom
       Magazin The Atlantic tätigte, ließen den Journalisten verblüfft zurück. Er
       hatte sich erhofft, etwas darüber zu erfahren, wie die deutsche
       [2][Rüstungsindustrie] mit den neuesten Entwicklungen an der Front
       mithalten möchte.
       
       Die Worte des Rheinmetall-CEOs sind nicht nur arrogant, sie zeugen davon,
       dass er offenbar die [3][Drohnenrevolution] der vergangenen Jahre
       verschlafen hat. Kein anderer Partner verfügt derzeit über so viel Wissen
       in moderner Kriegsführung wie die Ukraine. Gemeinsame Übungen mit
       ukrainischen Soldaten haben veranschaulicht, wie stark moderne Drohnen den
       Gefechtsverlauf beeinflussen können– etwa bei der Übung „Hedgehog 2025“,
       als ukrainische Spezialisten zeigten, dass westliche Truppen ungenügend auf
       die aktuellen Kriegsbedingungen vorbereitet sind.
       
       Die Ukraine verfügt seit dem verstärkten [4][Einsatz von Drohnen] durch
       Russland – des Bautyps, der nun auch vom Iran im Nahen Osten eingesetzt
       wird – über umfangreiche Erfahrung in deren kostengünstiger Abwehr, etwa
       durch kleine raketenförmige Drohnen.
       
       Den Himmel über der sogenannten Kill Zone, die sich über Kilometer auf
       beiden Seiten der Nulllinie erstreckt, dominieren kleine
       Kurzstreckendrohnen. Eine Front im eigentlichen Sinne gibt es nicht mehr,
       denn auch zehn Kilometer von der Nulllinie entfernt kann man leicht zum
       Ziel dieser Killerdrohnen werden.
       
       ## Billige Drohnen können Panzer zerstören
       
       Sie sind nicht nur unkompliziert zu fertigen – es handelt sich im Grunde um
       gepimpte Hobbyfluggeräte, die mit einem Sprengsatz ausgestattet werden -,
       sondern sind auch extrem billig. Eine 300 Euro teure Drohne kann so
       millionenteure Militärtechnik zerstören – auch Panzer von Rheinmetall.
       
       In der Ukraine gibt es neben zahlreichen kleinen und großen
       Drohnenunternehmen unzählige Initiativen, bei denen Freiwillige auf
       Spendenbasis Drohnen fertigen und an die Front schicken – wer nicht selbst
       werkelt, spendet Geld für die Bauteile. Der Drohnenbau ist zu einem
       gesellschaftlichen Massenphänomen geworden, an dem sich übrigens auch
       Menschen im Ausland beteiligen.
       
       Am vergangenen Wochenende habe ich die Freiwilligen von der Prager
       Initiative Solidrones besucht, die nicht etwa Hausfrauen sind, sondern nach
       ihrem Day Job noch Drohnen löten, testen und in die Ukraine verschicken.
       
       Wie zu erwarten, kamen die Worte des deutschen Rüstungs-CEOs in der Ukraine
       überhaupt nicht gut an. Selenskyjs strategischer Berater Alexander Kamyshin
       schrieb auf X: „Ich besuche jährlich über 200 Rüstungsfabriken. Oft sehe
       ich dort ukrainische Frauen, die Seite an Seite mit Männern arbeiten und
       ihnen in nichts nachstehen. Sie sind wunderbare Hausfrauen, müssen aber
       dennoch hart in den Rüstungsfabriken arbeiten.“
       
       ## Der CEO lenkt ein
       
       Nun versucht sich der deutsche CEO nach seiner Blamage wohl in
       Schadensbegrenzung. Rheinmetall antwortete auf den Post Kamyshins, man habe
       den größten Respekt vor den enormen Anstrengungen des ukrainischen Volkes
       bei seiner Verteidigung gegen den russischen Angriff. „Es spricht besonders
       für die Ukraine, dass sie selbst mit begrenzten Mitteln äußerst effektiv
       kämpft. Die Innovationskraft und der Kampfgeist des ukrainischen Volkes
       sind für uns eine Inspiration.“ Setzt hier wirklich ein Umdenken ein? Man
       will es doch sehr hoffen.
       
       Wenn wir hier in Deutschland nämlich weiter stur Panzer bauen und auf die
       „ukrainischen Hausfrauen“ herabblicken, während Russland und seine Partner
       Iran und Nordkorea unter realen Kampfbedingungen ihre Drohnentechnologie
       perfektionieren, sind wir verloren. In dem Sinne: An die Lötkolben!
       
       30 Mar 2026
       
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