# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Selenskyj verkauft Drohnen an die Golfstaaten
> Die Ukraine schließt Abkommen für die Rüstungsindustrie in der
> Golfregion. Die Vereinbarungen sind auch eine Folge der schwierigen
> US-Beziehungen.
(IMG) Bild: Machen Geschäfte: Der ukrainische Präsident Selenskyj (l.) und der Emir von Katar, Scheich al-Thani am Samstag in Doha
Wenn Präsident Wolodymyr Selenskyj von seiner mehrtägigen Reise in die
Golfregion nach Kyjiw zurückkehrt, dürfte er gut gefüllte Auftragsbücher
für die ukrainische Rüstungsindustrie im Gepäck haben. Während seines
Besuchs in Katar am Samstag vereinbarten die beiden Länder eine
langfristige Zusammenarbeit im Bereich der Militärtechnologie. Eine
Partnerschaft, die nach Angaben Selenskyjs auf mindestens zehn Jahre
angelegt ist.
Bei seinem Besuch in Katar hatten die Generalstabschefs der beiden Staaten
ein Abkommen unterzeichnet, das unter anderem gemeinsame Projekte in der
Rüstungsindustrie, den Aufbau gemeinsamer Produktionsstätten sowie
technologische Partnerschaften vorsehe. Wenige Tage zuvor hatte die Ukraine
ein entsprechendes Abkommen mit Saudi-Arabien geschlossen. Eine weitere
Vereinbarung mit den Vereinigten Arabischen Emiraten soll in den kommenden
Tagen folgen.
Elf Länder, darunter Nachbarstaaten Irans, europäische Staaten und auch die
USA, hätten sich an die Ukraine mit der Bitte gewandt, sie bei der Abwehr
insbesondere iranischer Drohnen, zu unterstützen, zitiert das
öffentlich-rechtliche Portal „Suspilne“ Präsident Selenskyj. Offensichtlich
sind auch schon ukrainische Militärs vor Ort. 228 ukrainische Fachleute
seien aktuell im Nahen Osten, um die Machthaber dort in Sachen Luftabwehr
und der Abwehr iranischer Drohnen zu beraten, heißt es weiter.
Neu ist die Idee, den Krieg zum Ausbau der Zusammenarbeit mit der
internationalen Rüstungsindustrie zu nutzen, nicht. Zu Beginn des
russischen Angriffskrieges hatte der damalige ukrainische
Verteidigungsminister Alexej Resnikow internationale Partner in die Ukraine
eingeladen, [1][„moderne Systeme im Kampf gegen den Feind zu testen“.]
## Auf der Suche nach neuen Partnern
Möglicherweise, so analysiert Serhi Jagodsinski, Prorektor der Europäischen
Universität in Kyjiw, könnte es bei den Gesprächen in der Golfregion neben
Rüstungsfragen auch um andere Themen gegangen sein. Gerade jetzt, wo die
USA kaum noch eine Rolle in der Vermittlung zwischen Russland und der
Ukraine spielen, müsse sich die Ukraine nach neuen Partnern umsehen. Da die
Golfstaaten gute Beziehungen zu Russland unterhielten, gleichzeitig aber
neutral seien, ließen sich möglicherweise über diese Staaten alternative
Kommunikationskanäle nach Russland aufbauen. Angesichts des augenblicklich
schwierigen Verhältnisses zu den USA sei eine Diversifizierung
internationaler Beziehungen wichtig.
Nahezu zeitgleich mit den Kaufverhandlungen [2][griff Russland die Ukraine
erneut an]. In der Nacht zu Sonntag wurden rund 440 Drohnen, etliche
gelenkte Bomben und eine Kinschal-Rakete gezählt. In den Regionen Kyjiw und
Mykolajiw wurden infolge der Drohnenangriffe mehrere Menschen verletzt.
Zudem wurden Explosionen in der Region Chmelnyzkyj gemeldet. Auch aus
Krywyj Rih wurden Explosionen gemeldet. Besonders schwer betroffen war die
Region Mykolajiw: in der Ortschaft Woskressenska wurden acht Menschen
verletzt, darunter sieben Kinder. In der Region Kyjiw wurde im Bezirk
Browary ein Wohnhaus durch Drohnentrümmer beschädigt. Ein Mann erlitt
Verletzungen durch Glassplitter. Am Sonntagmorgen musste der Zug
Kyjiw–Krywyj Rih wegen Drohnengefahr drei Mal evakuiert werden.
## Neue Details zum Angriff auf den Hafen Ust-Luga
Unterdessen werden neue Details [3][des ukrainischen Angriffs auf den bei
St. Petersburg liegenden Hafen Ust-Luga] bekannt, bei dem mehrere
Treibstofftanks vernichtet wurden. Tatsächlich sei die Region St.
Petersburg drei Nächte hintereinander von ukrainischen Drohnen angegriffen
worden, berichtet das ukrainische Portal „tsn.ua“. Unter Berufung auf eine
Nachricht des russischen Gouverneurs der Region, Georgi Filimonow,
berichtet „tsn.ua“ von ukrainischen Drohnenangriffen auf die Chemiefabrik
„Apatit“, eine Tochter der Gruppe PhosAgro in Tscherepowez. Auf dem
Werksgelände sei infolge des Angriffs ein Feuer ausgebrochen.
Das Unternehmen „Apatit“ gilt als der größte Hersteller von
phosphorhaltigen Düngemitteln in Europa sowie von Phosphor- und
Schwefelsäure, so „tsn.ua“. Der ukrainische Drohnenangriff auf die Region
St. Petersburg war offensichtlich nur möglich, weil Polen und baltische
Staaten ihren Luftraum freigegeben haben.
29 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://war.obozrevatel.com/reznikov-predlozhil-zapadu-testirovat-novoe-vooruzhenie-na-okkupantah-v-ukraine-horoshij-shans.htm
(DIR) [2] /Angriff-auf-Lwiw/!6162882
(DIR) [3] /Russischer-Angriffskrieg/!6165724
## AUTOREN
(DIR) Bernhard Clasen
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