# taz.de -- Mutmaßliche Vergewaltigung in Neukölln: Schützte der Jugendclub doch die Täter?
> Ein neues Dokument soll nun doch belegen, dass das Jugendamt
> Vergewaltigungsvorwürfe vertuschen wollte. Stadträtin Nagel kündigt ein
> Maßnahmenpaket an.
(IMG) Bild: Das Jugendzentrum Wutzkyallee in Neukölln – derzeit bleibt es geschlossen
Neuköllns Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linke) will die Meldeketten und das
Krisenmanagement im Jugendamt des Bezirks überarbeiten. Das kündigte sie am
Mittwoch an. Sie wolle damit auch auf den Umstand reagieren, dass
Informationen über eine [1][mutmaßliche Vergewaltigung, sexualisierte
Übergriffe und Gewalt in einem Jugendclub in der Wutzkyallee nicht bei ihr
ankamen]. Nagel hatte demnach erst am 2. März von den Vorfällen erfahren,
das Jugendamt hatte schon deutlich früher Kenntnisse.
Im Raum [2][steht dabei weiterhin, dass Mitarbeiter*innen des
Jugendamts untätig geblieben sein] sollen, weil sie keine Marginalisierung
und Stigmatisierung der Jugendlichen Täter befeuern wollten. Die Behörde
ist Träger der Einrichtung.
Die [3][Stadträtin hatte diesen Vorwurf bisher zurückgewiesen]. Am Dienstag
hatten Mitarbeiter*innen des Mädchenzentrums neben dem Jugendclub aber
[4][eine eidesstattliche Versicherung an das Bezirksamt und den
Jugendhilfeausschuss verschickt, aus der der Tagesspiegel zitierte] und die
dieser Darstellung widerspricht.
Demnach hätten Mitarbeiter*innen des Mädchenzentrums bereits Ende
Januar das Jugendamt informiert und auf eine Strafanzeige gedrängt. Eine
Mitarbeiterin des Jugendamts aber soll demnach gesagt haben, dass die
muslimischen Jungen bereits genug im Visier der Polizei stünden. Sie soll
auch eingeräumt haben, dass es für den Jugendclub in der Wutzkyallee kein
Schutzkonzept gebe, und „übergriffige Situationen während der
Öffnungszeiten“ bestätigt haben.
Laut Tagesspiegel geht aus der Erklärung auch hervor, dass eine
Jugendamtsmitarbeiter*in Ende Januar sowie auch noch mal Mitte
Februar erklärt habe, dass die Leiterin der Behörde „vollumfänglich“ über
die Vorfälle informiert sei. Ein Jugendlicher soll demnach ein 16-jähriges
Mädchen im November 2025 an einem Abend im Garten des Jugendclubs
vergewaltigt haben. Er habe die Tat auch gefilmt und die Jugendliche mit
dem Video erpresst, heißt es. Mitte Januar sollen acht Jugendliche die
16-Jährige außerdem im Jugendclub sexuell bedrängt und angefasst haben.
## Eine Probe für den Ernstfall
Sarah Nagel erklärte am Mittwoch auch, alle Schutzkonzepte in den
bezirklichen Einrichtungen und den institutionellen Kinderschutz zu
überprüfen. Dafür werde sie teils auch externe Unterstützung heranziehen.
Es solle dazu Schulungen für alle Mitarbeiter*innen geben. „Mir ist
aber klar, dass es nicht nur darauf ankommt, dass es Konzepte und
Meldeketten gibt. Wichtig ist auch, dass diese gelebt werden“, sagte Nagel.
„Wir werden daher im April eine Probe für den Ernstfall durchführen und
solche Simulationen dann regelmäßig wiederholen“, kündigte die Stadträtin
an.
[5][Aufarbeitung und Aufklärung der offensichtlichen Versäumnisse] und
mutmaßlich auch Vertuschungen im Jugendamt wird eine unabhängige
Expert*innenkommission begleiten. „Denn eine Behörde sollte ihre
Fehler nicht selbst aufarbeiten“, stellte Nagel klar. In der Kommission
sollen die Senatsverwaltung für Bildung vertreten sein und
Vertreter*innen aus der Wissenschaft, außerdem Fachberatungsstellen aus
den Bereichen Jugendhilfe und sexualisierte Gewalt. Die Kommission werde
einen Bericht verfassen und wohl auch Empfehlungen formulieren, sagte
Nagel, erste Zwischenergebnisse erhofft sie sich schon für Ende Mai.
Das [6][Jugendzentrum in der Wutzkyallee wird weiterhin geschlossen]
bleiben. Es könne nur „unter anderen Bedingungen und mit einem neuen
pädagogischen Konzept“ wieder eröffnen, das sei wohl erst gegen Sommer
möglich. „Es soll ein sicherer Ort sein, an dem sich alle wohlfühlen
können“, sagt Nagel.
25 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Sexualisierte-Gewalt-in-einem-Jugendclub/!6164338
(DIR) [2] /Sexualisierte-Gewalt-in-einem-Jugendclub/!6164338
(DIR) [3] /Mutmassliche-Vergewaltigung-in-Jugendklub/!6163070
(DIR) [4] https://www.tagesspiegel.de/berlin/mutmassliche-vergewaltigung-in-neukollner-jugendklub-das-dokument-das-vertuschung-und-rucksichtnahme-auf-verdachtige-belegt-15396549.html
(DIR) [5] /Sexualisierte-Gewalt-in-einem-Jugendclub/!6164338
(DIR) [6] https://www.wutzkyallee.de/
## AUTOREN
(DIR) Uta Schleiermacher
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