# taz.de -- CDU im Abgeordnetenhaus: In die Osterpause gerettet
> Das Landesparlament beschließt die Ausbildungsplatzumlage und erlebt
> einen reuigen Regierungschef – und eine Bildungssenatorin im
> Angriffsmodus.
(IMG) Bild: Regierungschef Kai Wegner (CDU) war im Abgeordnetenhaus erneut unter Druck wegen seines Verhaltens beim Stromausfall im Januar
Es wird dann doch nicht knapp. Als Kai Wegner am späten Vormittag von einer
Besprechung mit den anderen ostdeutschen Ministerpräsidenten in den
Plenarsaal kommt, hat die Fragestunde des Landesparlaments noch nicht
einmal angefangen. Nicht da zu sein, wenn die Grünen den Regierungschef von
der CDU dort zu mehr Klarheit zu seinem Verhalten [1][beim Stromausfall im
Januar] drängen würden, wäre schon in Richtung Missachtung des Parlaments
gegangen.
Aber es klappt eben, kein Stau hält Wegner in einer Pause beim Austausch
mit seinen Amtskollegen zwischen Rotem Rathaus und Parlament auf, und auch
mit der Rückfahrt klappt es zeitlich – um halb eins ist vor dem Rathaus der
dazu stoßende Bundeskanzler zu begrüßen. Neues bringt Wegners so möglich
werdende Antwort auf das Drängen des Grünen-Abgeordneten Vasili Franco
allerdings nicht. Wegner macht im Plenarsaal, was er [2][via B.Z. schon am
Dienstag tat]: Er räumt Fehler bei der Kommunikation ein, für die er sich
entschuldigt.
Dann berichtet Wegner auf eine zweite Frage Francos noch, außer zu jenem
von ihm anfangs verschwiegenen Tennisspiel noch mit dem Hund vor der Tür,
aber sonst durchweg zu Hause gewesen zu sein. Ein gewisses Glucksen ist im
Saal zu vernehmen, als Wegner bei seiner Aufzählung, wer bei der
Bewältigung des Stromausfalls alles eingebunden gewesen ist, auch die
Bildungssenatorin erwähnt – sie war Wegners Tennispartnerin bei jener
einstündigen Auszeit, die er erst nicht erwähnte.
Eben jene Bildungssenatorin – Wegners Parteifreundin Katharina
Günther-Wünsch – übt ebenfalls in der Fragestunde heftige Kritik am Umgang
mit [3][mutmaßlicher sexueller Gewalt im Neuköllner Jugendclub in der
Wutzkyallee]. „Es reicht nicht, Betroffenheit zu bekunden“, sagt sie über
die Jugendstadträtin des Bezirks, die Linkspartei-Politikerin Sarah Nagel.
Gegen die gibt es laut Günther-Wünsch „ein Verfahren wegen Strafvereitelung
im Amt“.
## Senatorin kritisiert auch Neuköllns SPD-Bürgermeister
Die Senatorin attackiert zudem Nagels Parteifreundin Elif Eralp, [4][die
Linken-Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl]. Die hat zu
Sitzungsbeginn in einer Debatte zu sexualisierter Gewalt und digitalen
Übergriffen geredet – und hätte aus Günther-Wünschs Sicht die gegenwärtig
viel diskutierten Vorgänge im Jugendklub erwähnen müssen. Das taten bis auf
die AfD aber auch alle anderen am Mikrofon nicht, inklusive der
CDU-Rednerin. Günther-Wünsch kritisiert auch den Bezirksbürgermeister
Martin Hikel (SPD): „Kein einziges Wort zu diesem Fall, keine Übernahme von
Verantwortung.“
Nachdem Wegner die Fragestunde überstanden hat, folgt für die CDU wenig
später die zweite Herausforderung des Tages: dem von allen führenden
Stimmen aus der Wirtschaft abgelehnten Gesetz zu einer
Ausbildungsplatzumlage zuzustimmen. Dort hatte es zwar gegenüber dem
ursprünglichen Entwurf [5][deutliche Änderungen gegeben] – die aber unter
anderem der Industrie- und Handelskammer oder dem regionalen Spitzenverband
UVB überhaupt nicht reichten. Dem Vernehmen nach hat es am Dienstag in der
CDU-Fraktion zahlreiche Gegenstimmen gegeben.
Wie um diese CDU-internen Kritiker zu veranlassen, auch öffentlich dagegen
zu stimmen, kündigen Grüne und Linkspartei an, dem Entwurf zuzustimmen –
offiziell, um zumindest kleine erkennbare Schritte zu unterstützen. Damit
würde die Ausbildungsplatzumlage auch ohne CDU-Stimmen eine Mehrheit haben
– die schwarz-rote Koalition allerdings ihren gemeinsamen Grund verlieren.
Tatsächlich aber gibt es in namentlicher Abstimmung nur 16 Gegenstimmen und
5 Enthaltungen – über 16 Stimmen verfügt allein die AfD-Fraktion, die
Ablehnung angekündigt hatte.
Und so rettet sich die CDU irgendwie in die Osterpause – das
Abgeordnetenhaus tagt erst in vier Wochen wieder. Nur noch sieben Sitzungen
sind es danach noch bis zur Berlin-Wahl am 20. September. Stünde die schon
diesen Sonntag an, wäre es mit Schwarz-Rot mutmaßlich vorbei: In Umfragen
hat die Koalition [6][schon seit gut zwei Jahren keine Mehrheit mehr].
26 Mar 2026
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(DIR) [6] https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/berlin.htm
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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