# taz.de -- Sexualisierte Gewalt in einem Jugendclub: Neuköllner Jugendamt weiter im Fokus
       
       > Nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung und Übergriffen mehren sich
       > Forderungen nach Konsequenzen. Die Stadträtin prüft, steht aber selbst in
       > der Kritik.
       
 (IMG) Bild: Der Jugendclub in der Wutzkyallee in Neukölln bleibt erst mal geschlossen
       
       Neuköllns Jugendstadträtin Sarah Nagel hat die Forderung von
       Jugendsenatorin Katharina Günther-Wünsch nach personellen Konsequenzen im
       Zusammenhang mit Vergewaltigungsvorwürfen in einem Jugendzentrum in dem
       Bezirk kritisiert. „Die Senatorin sollte wissen, dass es für
       disziplinarrechtliche Verfahren hohe Hürden gibt“, sagte Nagel dem
       Tagesspiegel-Newsletter „Checkpoint“.
       
       „Eine Jugendamtsdirektorin ist keine politische Beamtin in einem
       Senatsleitungsstab, sondern ordentliche Beamtin im bezirklichen
       Regelbetrieb“, argumentierte Nagel. „Ich prüfe in alle Richtungen, aber ich
       halte mich an das Beamtenrecht. Und das sieht keine willkürlichen
       Freistellungen vor“, sagte Nagel (Linke). „Wenn im Laufe der Untersuchungen
       Anhaltspunkte bestehen, dann werde ich auch personelle Konsequenzen
       ziehen.“
       
       Günther-Wünsch (CDU) hatte am Donnerstag im Bildungsausschuss erklärt, die
       Leiterin und Mitarbeiter des Jugendamtes müssten aus ihrer Sicht bis zur
       Aufklärung der Vorgänge freigestellt werden. Sie forderte Nagel auf, dies
       zu veranlassen.
       
       ## Grüne fordern Aufarbeitung
       
       Auch im Jugendhilfeausschuss der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung
       [1][ging es am Donnerstagabend um die mutmaßlichen Übergriffe]. Berichten
       zufolge bestätigte Stadträtin Nagel dabei, dass das Jugendamt bereits
       Anfang 2025 erste Meldungen über sexuelle Übergriffe auf Mädchen
       erreichten. Im Nachhinein hätte das Jugendamt aus ihrer Sicht „früher und
       konsequenter eingreifen“ müssen, sagte Nagel demnach. Die Träger der
       involvierten Jugendclubs hätten „zu viel Verantwortung übernehmen müssen“.
       
       Doch auch Nagel selbst steht weiter in der Kritik. „Im Jugendhilfeausschuss
       ist sehr deutlich geworden, dass es seitens des Jugendamts Fehler gegeben
       hat. Die gilt es jetzt aufzuklären“, sagte Tjado Stemmermann (Grüne).
       Stemmermann ist Bezirksverordneter in Neukölln und dort auch Mitglied im
       Jugendhilfeausschuss. Die Jugendstadträtin habe von den Vorfällen viel zu
       spät erfahren, erklärt er. „Mir stellt sich die Frage, ob sie ihre
       Einrichtung gut genug kennt und ob das Vertrauensverhältnis zwischen
       Stadträtin und Jugendamt hoch genug ist“, sagte er.
       
       ## Jugendclub inzwischen geschlossen
       
       Der Jugendclub in der Wutzkyallee ist seit Freitag vergangener Woche nach
       Angaben des Bezirks geschlossen. Dort soll eine 16-Jährige von Jugendlichen
       Ende 2025 vergewaltigt und später erneut bedrängt worden sein – die Polizei
       erfuhr davon erst am 23. Januar durch die Anzeige des Vaters. Weder die
       Einrichtung noch später das zuständige Jugendamt des Bezirks Neukölln
       erstatten zunächst Anzeige. Inzwischen ermitteln Landeskriminalamt und
       Staatsanwaltschaft Berlin zu dem Vorfall.
       
       Nach Angaben des Bezirks wurde das Jugendamt am 28. Januar über die
       Vorfälle informiert. Die Bezirksstadträtin für Jugend, Nagel habe am 2.
       März davon erfahren, hieß es. Nach Nagels Angaben hat das Jugendamt
       zunächst entschieden, nur dann eine Strafanzeige zu stellen, wenn das
       Einverständnis des Opfers vorliegt. Dies sei eine [2][übliche
       Vorgehensweise in Fällen von Kindeswohlgefährdung bei Jugendlichen, sofern
       keine akute Gefahr bestehe, hatte Nagel der taz] dazu gesagt.
       
       Auch von Beratungsstellen für Betroffene sexualisierter Gewalt hieß es,
       dies sei gängig im Umgang mit sexualisierter Gewalt und diene dem
       Opferschutz. Es mit sei wichtig, dass nichts ohne das Einverständnis der
       betroffenen Person passiere. Laut Nagels Schilderung wurde die Betroffene
       „im gegenseitigen Einverständnis durch einen qualifizierten Träger der
       Mädchenarbeit betreut, der das Vertrauen des Opfers hat“.
       
       Nagel hatte außerdem betont, dass der Hintergrund der Täter „zu keinem
       Zeitpunkt eine Rolle für den Umgang mit den Vorfällen“ gepielt habe, wie
       dies in diversen Medienberichten behauptet worden sei. Im
       Jugendhilfeausschuss erklärte sie laut Tagesspiegel, dass es zunächst
       durchaus Vorbehalte gegeben habe, dass alle männlichen Besucher des
       Jugendclubs – unabhängig von ihrer Herkunft – stigmatisiert und „unter
       Generalverdacht gestellt“ werden könnten, da die Identität des Täters erst
       später bekannt geworden sei. (mit dpa)
       
       20 Mar 2026
       
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 (DIR) Uta Schleiermacher
       
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