# taz.de -- Mutmaßliche Vergewaltigung in Jugendklub: Neuköllns Jugendstadträtin weist Vertuschungsvorwürfe zurück
       
       > Nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung in einem Jugendklub äußert sich
       > die Stadträtin. Man habe nicht die Täter, sondern die Betroffene schützen
       > wollen.
       
 (IMG) Bild: Neuköllns Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linke)
       
       Nach einer [1][mutmaßlichen Vergewaltigung in einem Jugendklub] in
       Gropiusstadt weist Neuköllns Jugendstadträtin Sarah Nagel Anschuldigungen
       zurück, die Tat sei verheimlicht worden. „Es gab keinerlei Versuch, die
       Vorwürfe zu vertuschen“, erklärte die Linken-Politikerin am Montag in einem
       Statement.
       
       „Die Mitarbeitenden der Einrichtung sowie die zuständigen Mitarbeitenden im
       Jugendamt haben mehrfach über die Vorfälle in der Einrichtung und den
       richtigen Umgang damit gesprochen“, sagte Nagel. Dabei seien auch die
       Kinderschutzkoordination des Bezirksamtes sowie Einrichtungen zur Beratung
       im Umgang mit sexueller Gewalt einbezogen worden.
       
       Vergangene Woche war bekannt geworden, dass es im kommunalen Neuköllner
       Jugendzentrum in der Wutzkyallee offenbar mehrfach sexuelle Übergriffe
       gegeben hat. Unter anderem soll eine 16-Jährige bereits im November
       vergewaltigt worden sein. Obwohl die Vorfälle dem Jugendklub und dem
       Jugendamt bekannt waren, hatten sie die Polizei zunächst nicht informiert.
       
       Erst als sich die betroffene Schülerin einer Polizistin anvertraute und ihr
       Vater gleichzeitig Anzeige gegen den mutmaßlichen Täter sowie die
       Verantwortlichen in der Einrichtung und den Behörden erstattete, erfuhr die
       Polizei offenbar von dem Fall. Inzwischen wird gegen acht Jugendliche im
       Alter von 15 bis 19 Jahren ermittelt.
       
       ## Vorwurf des Täterschutzes
       
       Seitdem steht das Neuköllner Jugendamt in der Kritik. Die Bild-Zeitung
       behauptet, der Fall sei absichtlich vertuscht worden, um die mutmaßlichen
       Täter – muslimische Jugendliche – zu schützen. Auch der [2][Tagesspiegel]
       schreibt, eine „interne Sprachregelung“ habe besagt, „dass die jungen
       arabischstämmigen Verdächtigen sonst stigmatisiert würden“.
       
       Auf Nachfrage der taz widerspricht Stadträtin Nagel vehement: „Aus den mir
       bisher bekannten Dokumenten geht nicht hervor, dass es eine solche
       Sprachregelung gegeben hat.“ Der Hintergrund der Täter habe zu keinem
       Zeitpunkt eine Rolle für den Umgang mit den Vorfällen gespielt. Vielmehr
       habe das Jugendamt entschieden, nur dann eine Strafanzeige zu erstatten,
       wenn die Betroffene damit einverstanden sei.
       
       „Dies entspricht einer üblichen Vorgehensweise im Umgang mit
       Kindeswohlgefährdung bei Jugendlichen, sofern keine akute Gefahr besteht“,
       erklärte Nagel. Die Betroffene sei zudem „im gegenseitigen Einverständnis“
       von einem Träger der Mädchenarbeit betreut worden, der ihr Vertrauen habe.
       
       ## Nichts ohne die Betroffenen entscheiden
       
       Mehrere Beratungsstellen für Betroffene sexualisierter Gewalt betonten am
       Montag gegenüber der taz, nach entsprechenden Vorfällen sei wichtig, dass
       nichts ohne das Einverständnis der betroffenen Person passiere. Das
       betreffe auch die Strafanzeige, sagte etwa eine Beraterin von der
       [3][Fachstelle „Lara“], die anonym bleiben möchte.
       
       „Sexualisierte Gewalt bedeutet einen enormen Kontroll- und Machtverlust für
       die Betroffenen“, berichtete die Beraterin. Deshalb gehe es danach darum,
       „das Sicherheitsempfinden der betroffenen Person wiederherzustellen und
       wieder eigene Handlungsmacht zu spüren“. Das Justizsystem sei nicht
       traumasensibel gestaltet. Die Menschen sollten informiert und „ohne Druck
       von außen“ entscheiden dürfen, ob sie Anzeige erstatten.
       
       Doch selbst wenn diese Überlegungen zum Opferschutz hinter dem langen
       Stillhalten des Neuköllner Jugendamts stehen – dass Sarah Nagel nach
       eigenen Angaben erst am 2. März von den Vorfällen im Jugendklub erfahren
       hat, wirft Fragen auf. Das Amt soll bereits am 28. Januar unterrichtet
       worden sein.
       
       „Ich hätte früher davon erfahren müssen“, räumt Nagel am Montag gegenüber
       der taz ein. Gleichzeitig kündigte sie an, die Vorfälle und den Umgang
       damit „sowohl transparent aufzuarbeiten als auch Konsequenzen daraus zu
       ziehen“. Der Jugendklub bleibe zunächst geschlossen. Man wolle nun unter
       anderem klären, ob die Rahmenbedingungen für den institutionellen
       Kinderschutz in der Einrichtung ausreichend waren.
       
       16 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Sexualisierte-Gewalt/!6162171
 (DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/vertuschung-nach-vergewaltigungsvorwurfen-in-neukolln-polizei-pruft-ermittlungen-gegen-mitarbeiter-von-jugendamt-und-jugendklub-15355690.html
 (DIR) [3] https://lara-berlin.de/home
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hanno Fleckenstein
       
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