# taz.de -- Mutmaßliche Vergewaltigung in Jugendklub: CDU Neukölln will Jugendstadträtin abwählen
       
       > Nach Fällen sexualisierter Gewalt in einem Jugendklub fordert die CDU die
       > Abwahl von Stadträtin Sarah Nagel (Linke). Eine Mehrheit für den Antrag
       > fehlt wohl.
       
 (IMG) Bild: Wohl keine Mehrheit für CDU-Antrag: Im Rathaus Neukölln tagt am Mittwoch die BVV
       
       Die CDU-Fraktion in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung (BVV)
       fordert die Abwahl von Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linke). Die Fraktion
       habe einen Antrag für die anstehende BVV-Sitzung am Mittwoch eingereicht,
       heißt es in einer Mitteilung von Dienstag.
       
       In dem Schreiben wirft die CDU Nagel „gravierende Versäumnisse“ im
       Zusammenhang mit [1][mutmaßlichen Fällen von sexualisierter Gewalt in einem
       Jugendclub in Gropiusstadt] vor. Die Fehler seien im Zuge der Sitzungen des
       Jugendhilfeausschusses sowie bei der Akteneinsicht durch Verordnete ans
       Licht gekommen. Konkreter wurde der CDU-Fraktionsvorsitzende Markus Oegel
       indes nicht.
       
       Anfang März war bekannt geworden, dass es im kommunalen Neuköllner
       Jugendzentrum in der Wutzkyallee offenbar mehrfach sexuelle Übergriffe
       gegeben hat. Unter anderem soll eine 16-Jährige bereits im November
       vergewaltigt worden sein. Obwohl die Vorfälle dem Jugendklub und dem
       Jugendamt bekannt waren, hatten diese die Polizei zunächst nicht
       informiert. Auch andere Mädchen hatten demnach bereits Monate zuvor von
       sexualisierter Gewalt berichtet, aber Amt und Amtsleiterin blieben
       tatenlos.
       
       Bereits in der vergangenen Woche hatte Bildungssenatorin Katharina
       Günther-Wünsch (CDU) [2][personelle Konsequenzen im Jugendamt gefordert].
       Fraktionschef Oegel will mit dem Abwahlantrag jetzt nach eigenen Worten
       „den Aufklärungsdruck erhöhen“ und „auf die gravierenden Verfehlungen der
       verantwortlichen Stadträtin reagieren“.
       
       Allerdings ist fraglich, ob der Antrag am Mittwoch überhaupt zur Abstimmung
       kommt. Die Frist zur Einreichung ist bereits abgelaufen. Um ihn doch noch
       dringlich auf die Tagesordnung setzen zu können, bräuchte die CDU-Fraktion
       in der BVV eine Zweidrittelmehrheit.
       
       Die ist jedoch nicht in Sicht. Die Grünen-Fraktion erklärte am Dienstag,
       dem nicht zuzustimmen. Man wolle zunächst eine Sondersitzung des
       Jugendhilfeausschusses am kommenden Montag abwarten. Dort werde man die
       Vorwürfe gegen Nagel noch einmal im Detail unter die Lupe nehmen.
       
       „Ein Abwahlantrag zum jetzigen Zeitpunkt nimmt das Ergebnis der
       Sondersitzung bereits vorweg“, betonten die Grünen-Bezirkspolitiker*innen
       Beate Bruker und Tjado Stemmermann, die auch dem Jugendhilfeausschuss
       angehören. „Offensichtlich geht es der CDU-Fraktion mehr um eine
       parteipolitische Inszenierung als um den Schutz der Neuköllner Kinder und
       Jugendlichen.“
       
       Die Grünen ließen unterdessen offen, im Anschluss an die Sondersitzung
       selbst die Abwahl von Sarah Nagel zu beantragen. Nagel habe „offensichtlich
       ein Vertrauensproblem in ihrem Amt, kennt ihre Jugendeinrichtungen nicht
       gut genug und hat uns bisher nicht davon überzeugt, dass sie schnell und
       konsequent genug gehandelt hat“, so Bruker und Stemmermann.
       
       Vergangene Woche [3][hatte Nagel Anschuldigungen zurückgewiesen] die Tat in
       dem Jugendzentrum sei verheimlicht worden. Zugleich räumte sie gegenüber
       der taz ein, sie hätte früher davon erfahren müssen, und kündigte an, die
       Vorfälle und den Umgang damit „sowohl transparent aufzuarbeiten als auch
       Konsequenzen daraus zu ziehen“.
       
       24 Mar 2026
       
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