# taz.de -- Mutmaßliche Vergewaltigung in Jugendklub: Missbilligungsantrag kommt nicht durch
       
       > Neuköllns Bezirksverordnete sprechen sich mehrheitlich gegen eine
       > Missbilligung von Stadträtin Nagel aus. Die Aufarbeitungskommission tagt
       > ab Montag.
       
 (IMG) Bild: Die Aufarbeitung sollte nicht bei Personaldebatten verharren, sagt ein Vertreter von Neuköllns Kinder- und Jugendparlament
       
       Ein Missbilligungsantrag gegen Neuköllns Jugendstadträtin Sarah Nagel hat
       am Mittwoch in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) keine Mehrheit
       erhalten. Die Fraktionen von CDU, Linken und der AfD stimmten dagegen. Mit
       dem Antrag wollte die Zählgemeinschaft aus SPD und Grünen auf Versäumnisse
       und Fehler der Stadträtin im Zusammenhang mit einer mutmaßlichen
       Vergewaltigung in einem Neuköllner Jugendklub hinweisen.
       
       Nagels verzögerte Kommunikation habe das Vertrauen in das Neuköllner
       Jugendamt und die Jugendeinrichtungen beschädigt. „Die
       Bezirksverordnetenversammlung Neukölln sollte mit der Missbilligung ein
       deutliches Zeichen setzen, dass sich eine solche Amtsführung nicht
       wiederholen darf“, hieß es in dem Antrag.
       
       Ein Antrag der CDU, Nagel abzuwählen, soll in der kommenden BVV-Sitzung im
       Mai erneut beraten werden. Eine Abwahl von Stadträt*innen ist erst nach
       zweimaliger Beratung möglich, allerdings gilt der Antrag als aussichtslos.
       Neben der CDU hat nur die AfD Unterstützung signalisiert.
       
       An Kritik an Nagel mangelte es trotzdem nicht. So wiederholten CDU, SPD und
       Grüne ihre Vorwürfe gegen die Stadträtin. Von den Grünen hieß es aber, eine
       Abwahl würde die Arbeit der nun eingesetzten Aufarbeitungskommission
       „chaotischer machen“. Die Kommission soll sich am Montag zum ersten Mal
       treffen. Vorsitzende soll Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch
       zufolge eine „erfahrene Pensionärin“ sein, die an der Aufarbeitung von
       Vorfällen in der Ballettschule des Landes beteiligt war.
       
       Die Linke verteidigte ihre Stadträtin. Der Vorwurf, sie habe „überfordert
       gewirkt“, entlarve zutiefst antifeministische Klischees der Kritiker*innen,
       sagte etwa das BVV-Mitglied Georg Frankl. Eine Anzeige sei auch nicht immer
       der beste Weg bei einer Vergewaltigung, hieß es ebenfalls von den Linken.
       
       ## Jugendparlament kritisiert Kürzungen
       
       Bei der Sitzung sprach auch ein [1][Mitglied des Neuköllner Kinder- und
       Jugendparlaments]. Was auf die Vergewaltigung gefolgt sei, sei ein
       „Totalversagen“ von fast allen Akteur*innen, sagte der Junge aus
       Gropiusstadt. Was es jetzt brauche, seien Konsequenzen. Doch personelle
       Konsequenzen seien da nur ein sehr kleiner Teil, sagte er. „Was vor diesen
       Vorfällen passiert ist, das waren eine Reihe von Kürzungen, vor allem im
       Mädchenbereich.“
       
       Der eine Träger, der das Opfer „durch diesen schrecklichen Prozess
       begleitet hat, der wurde kurz zuvor gekürzt“, sagte er. Ihm sei klar, dass
       die BVV wenig Einfluss darauf habe, wie viel Gelder das Land bereitstelle.
       „Doch die Verteilung der Gelder steht symptomatisch für eine Gesellschaft,
       die Frauen und Mädchen als weniger wert erachtet.“ Er plädierte dafür, den
       Vorfall „zum Anlass zu nehmen, einen Bezirk zu schaffen, in dem Frauen und
       Mädchen sicher leben können“.
       
       23 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://youtu.be/zMo-2vSGmPc?t=7490
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uta Schleiermacher
       
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