# taz.de -- Mutmaßliche Vergewaltigung in Jugendklub: Mitarbeiterin von Jugendamt Neukölln freigestellt
       
       > Nach sexualisierter Gewalt in einem Jugendklub ist die zuständige
       > Mitarbeiterin des Jugendamts freigestellt. Interne E-Mails werfen jedoch
       > Fragen auf.
       
 (IMG) Bild: Eingang zum Jugendklub in Gropiusstadt: Polizei nicht kontaktiert
       
       Der Schritt hatte sich abgezeichnet: Im Zusammenhang mit
       [1][Vergewaltigungsvorwürfen im Jugendzentrum Wutzkyallee] hat das
       Bezirksamt Neukölln die zuständige Mitarbeiterin des Jugendamts jetzt
       freigestellt, wie ein Sprecher am Dienstag bestätigte.
       
       Bislang hieß es, die Mitarbeiterin sei versetzt worden. Jugendstadträtin
       Sarah Nagel (Linke) hatte aber bereits angekündigt, weitere personelle
       Konsequenzen zu prüfen. Eine Freistellung [2][galt jedoch als rechtlich
       heikel].
       
       Gleichzeitig steht Nagel selbst seit Wochen in dem Fall in der Kritik. Die
       Neuköllner CDU hat [3][einen Abwahlantrag gegen sie gestellt], über den das
       Bezirksparlament voraussichtlich am 22. April beraten wird.
       
       In dem kommunalen Jugendklub im Ortsteil Gropiusstadt soll eine 16-jährige
       Schülerin von einem Jugendlichen Ende 2025 vergewaltigt und später von
       einer Gruppe bedrängt worden sein. Die Einrichtung und auch das Jugendamt
       wussten zwar von den Vorfällen, informierten zunächst jedoch nicht die
       Polizei. Zu den Gründen gibt es unterschiedliche Darstellungen. Ein Vorwurf
       lautet, der Fall [4][sei absichtlich vertuscht worden], um die mutmaßlichen
       Täter – muslimische Jugendliche – zu schützen.
       
       ## Keine Belege für Vertuschungsvorwürfe
       
       Demnach soll das benachbarte Mädchenzentrum, dem sich die betroffene
       Schülerin anvertraut hatte, darauf gedrängt haben, den Vorfall anzuzeigen.
       Die jetzt freigestellte Mitarbeiterin im Jugendamt habe das abgelehnt mit
       den Worten, sie wolle einen „Generalverdacht“ verhindern. Schließlich
       benachrichtigten die Mitarbeiterinnen des Mädchenzentrums die Eltern der
       Betroffenen und die Polizei.
       
       Wie nun allerdings aus E-Mails der Jugendamtsmitarbeiterin hervorgeht, aus
       denen [5][der Spiegel zitiert], hätte das Jugendamt eine Anzeige
       unterstützt, sofern die Betroffene das gewollt hätte. In einem Schreiben
       von Mitte Februar erkundigt sich die Mitarbeiterin demnach beim
       Mädchenzentrum, ob die Schülerin schon von der Gewaltschutzambulanz betreut
       werde. Die würde „auch bei Anzeigen usw. unterstützen und begleiten, falls
       [die Betroffene] das irgendwann einmal möchte“.
       
       Gleichzeitig widersetzte sich die Mitarbeiterin offenbar dem Vorschlag des
       Mädchenzentrums, Anzeige gegen unbekannt zu erstatten – aus Gründen des
       Opferschutzes: „Ohne den Täter oder das Opfer benennen zu können, macht das
       keinen Sinn – da im schlimmsten Fall versucht wird, das Opfer zu
       identifizieren“, so die Mitarbeiterin in der E-Mail. Wie aus einer weiteren
       E-Mail hervorgeht, befürchtete sie, dass alle männlichen Besucher des
       Jugendklubs verdächtigt werden könnten, solange der mutmaßliche Täter nicht
       bekannt ist.
       
       Von Täterschutz sei in den E-Mails nicht die Rede, schreibt der Spiegel.
       Die Leiterin des Jugendamts habe das Vorgehen der Mitarbeiterin unterstützt
       – das gehe aus ihrer Antwort hervor.
       
       Aus den E-Mails gehen jedoch auch Versäumnisse der nun suspendierten
       Mitarbeiterin hervor. Etwa hatte sie wohl angekündigt, einen Polizisten des
       örtlichen Abschnitts zu kontaktieren: „Er kennt auch einen Teil der
       Jugendlichen, ich denke, das ist ein guter Weg Richtung Polizei.“ Das sei
       aber nie geschehen, hat das Bezirksamt mittlerweile klargestellt.
       
       Unterdessen hat sich auch die Berliner Fachrunde gegen sexualisierte Gewalt
       in Kindheit und Jugend zu Wort gemeldet, ein Zusammenschluss von fünf
       Initiativen in dem Bereich. „Die häufig erhobene Forderung nach einer
       sofortigen Strafanzeige greift aus Kinderschutzperspektive zu kurz“, heißt
       es [6][in der Stellungnahme]. Eine Strafanzeige gewährleiste nicht die
       lückenlose Aufklärung der Geschehnisse und der damit verbundenen
       Verantwortlichkeiten.
       
       Der Jugendklub bleibt weiter geschlossen. Inzwischen ermitteln die
       Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt zu dem Vorfall. Laut Polizei
       wurden auch Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Strafvereitelung
       und der Strafvereitelung im Amt eingeleitet.
       
       8 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [4] /Mutmassliche-Vergewaltigung-in-Jugendklub/!6163070
 (DIR) [5] https://www.spiegel.de/panorama/justiz/berlin-neukoelln-nach-mutmasslicher-vergewaltigung-in-jugendclub-jugendamt-unterstuetzte-anzeige-a-2d390351-6547-4bf1-8043-ad20700be643
 (DIR) [6] https://berliner-fachrunde.de/wp-content/uploads/2026/04/Stellungnahme_Berliner-Fachrunde.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hanno Fleckenstein
       
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