# taz.de -- Ein Trick beim Sitzungsgeld: Der Friesoyther CDU wundersame Brotvermehrung
> Im niedersächsischen Friesoythe hat die CDU die Bezahlung von
> Kommunalpolitiker:innen mit einem Trick verbessert – aber nur die
> der eigenen.
(IMG) Bild: Hier war jahrelang nichts aufgefallen: Rathaus Friesoythe
Kommunalpolitik ist mühsam: wenig Gestaltungsspielraum, viele abendliche
Sitzungen. Und das Sitzungsgeld hat eher symbolischen Charakter.
50 Euro pro Fraktionssitzung sieht die Aufwandsentschädigungssatzung der
Stadt Friesoythe im [1][Oldenburger Münsterland] in Niedersachsen vor.
Ziemlich wenig für einen verlorenen Feierabend. Bei der CDU ist deswegen
jemand auf eine clevere Idee gekommen: Wenn man zwei Ratsausschüsse an
einem Abend vorbereitet, kann man doch einfach nach dem ersten Thema einen
Cut machen, die Sitzung beenden und eine neue eröffnen. Schon sind es
zweimal 50 Euro – und allmählich wird ein Schuh draus.
Ratsmitglieder von SPD und Grünen müssen sich mit der Hälfte begnügen.
Aufgeflogen war das kreative Abrechnungsmodell der Bürgerlichen einer neuen
Mitarbeiterin im Rathaus, als die CDU-/FDP-Fraktion den Bogen überspannte:
Sogar drei Sitzungen an einem Abend wollte sie abgehalten haben, macht also
150 Euro pro Nase.
Das verstieß so klar gegen die Satzung, dass das Rathaus das Geld nicht
ausgezahlt hat. Ob zwei Sitzungen an einem Abend erlaubt sind, ist dagegen
umstritten. „Wird die Sitzungsdauer von sechs Stunden überschritten, wird
ein weiteres Sitzungsgeld gewährt“, heißt es da. Und weiter: „Bei mehreren
Sitzungen an einem Tag dürfen nicht mehr als zwei Sitzungsgelder gewährt
werden.“
Nach Lesart der SPD sind die beiden Sätze zusammenzudenken: Nur wenn nach
sechs Stunden eine zweite Sitzung einberufen wird, gibt es ein zweites
Sitzungsgeld. „Das ist bei uns in den letzten 15 Jahren ein Mal
vorgekommen, an einem Wochenende“, sagt Fraktionschefin Renate Geuter.
## Die Sicht der CDU
Aus Sicht der CDU sind die sechs Stunden keine Voraussetzung für eine
zweite – oder gar dritte – Sitzung. Fraktionschef Lukas Reinken erhielt
sogar doppeltes Sitzungsgeld, also 200 Euro pro Abend. Nötig hätte er das
nun wirklich nicht. Als Landtagsabgeordneter stehen ihm monatlich 7.485
Euro Diät plus eine steuerfreie Aufwandsentschädigung von 1.526 Euro zu.
Äußern möchte sich der 30-Jährige nicht selbst, lässt stattdessen ein
Schreiben der [2][Kölner Medienrechtskanzlei Höcker] schicken. Die weist
vor allem darauf hin, was man alles nicht schreiben dürfe, und bekräftigt
ansonsten die Sichtweise der örtlichen CDU, alles sei im Einklang mit der
Satzung gewesen. Und schiebt dem Rathaus den Schwarzen Peter zu: „Auch die
Stadtverwaltung liest diese Vorschrift genau so“ und habe die
Entschädigungsanträge der Ratsmitglieder geprüft. Die CDU-/FDP-Fraktion
habe lediglich die Anwesenheitslisten ans Rathaus weitergereicht. Den
Vorsitzenden treffe demnach auch „kein Organisationsverschulden“. Warum die
CDU die Praxis dennoch 2025 eingestellt hat, schreiben die Anwälte nicht.
[3][Bürgermeister Sven Stratmann] kommt von der SPD und ist daher der
Kumpanei mit den Konservativen unverdächtig. Er bestätigt, die Abrechnung
von zwei Sitzungen an einem Tag sei „satzungskonform“, weswegen er auch
keine Rückforderungen erhoben habe.
Seine Parteifreundin Geuter sieht das anders. „Ich bin froh, dass die
Kommunalaufsicht das jetzt überprüft“, sagt sie. Sie sieht negative Folgen
für die Kommunalpolitik als solche: „Die Geschichte schadet uns allen – die
Menschen differenzieren nicht.“
Kritisch sehen beide Fraktionen die Rolle des Mannes, der die Affäre
öffentlich gemacht hat: Der Journalist Heinz-Josef Laing, langjähriger
Friesoyther Lokalchef und landespolitischer Korrespondent der
Nordwest-Zeitung, hatte einen Bericht auf Facebook gepostet. Der Rentner
ist Kreissprecher des BSW. Und im September ist in Niedersachsen
Kommunalwahl.
5 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Vechtaer-CDU-Ratsherr-verleumdet-SPDler/!6038056
(DIR) [2] /Ehemaliger-Chef-des-Verfassungsschutzes/!5746249
(DIR) [3] https://www.friesoythe.de/verwaltung-politik/stadtverwaltung/der-buergermeister/
## AUTOREN
(DIR) Jan Kahlcke
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