# taz.de -- Haushaltsstreit in Oldenburg: Fußballstadion entzweit Stadtrat
       
       > Am Haushaltsstreit über das Stadion in Oldenburg ist das Bündnis von
       > Grünen und SPD zerbrochen. Ausbaden müssen es soziale und kulturelle
       > Projekte.
       
 (IMG) Bild: Kann sich eine Stadt den Bau eines Stadions leisten? Und soll sie es? In Oldenburg ist an diesen Fragen das Ratsbündnis zerbrochen
       
       Das Ratsbündnis von SPD und Grünen im niedersächsischen Oldenburg ist
       Geschichte. Und das nur acht Monate vor der Kommunalwahl. Es ist der
       nächste Höhepunkt im [1][Konflikt um das neue Stadion für den Viertligisten
       VfB Oldenburg.]
       
       Nach jahrelanger Diskussion hatte der Stadtrat 2024 die Planung zum [2][Bau
       eines Fußballstadions] beschlossen. Finanziert werden soll das
       50-Millionen-Euro-Projekt komplett aus Steuermitteln. Zusätzlich rechnet
       die Stadt mit circa zwei Millionen Euro jährlichen Zuschusskosten. Schon
       damals konnte sich das grün-rote Ratsbündnis nicht einigen. Die SPD, allen
       voran Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, stimmte mit CDU, FDP und BSW für
       die Bauplanung. Die Grünen, größte Fraktion im Stadtrat, stellten sich
       dagegen.
       
       Für das momentan laufende Vergabeverfahren und den späteren Betrieb des
       Stadions hat die Stadt ein eigenes Unternehmen gegründet, das bereits im
       vergangenen Jahr 1,5 Millionen Euro aus dem Haushalt erhielt. In diesem
       Jahr werden planmäßig weitere 4,9 Millionen Euro fließen.
       
       Dem letzten Haushalt hatten die Grünen noch zugestimmt. Und zunächst gingen
       die Haushaltsberatungen zwischen den Grünen und der SPD auch dieses Mal
       inhaltlich gut voran. Doch Anfang Januar gab es noch immer einen
       Streitpunkt: das Stadion. Dahinter stehen die Fragen: Kann sich eine Stadt
       heute den Bau eines Fußballstadions leisten? Und soll sie das überhaupt?
       
       „Das Stadion ist angesichts der finanziellen Situation der Stadt nicht
       verantwortbar“, erklärte der grüne Ratsherr Kurt Bernhard vergangene Woche
       in der Haushaltsdebatte. Die Fraktion wolle diesen Posten nicht mehr
       mittragen, wenn nicht über die vollständige Finanzierung aus Steuermitteln
       diskutiert werde.
       
       Dass die 170.000-Einwohner-Stadt Oldenburg nach jahrelangen
       Haushaltsüberschüssen in diesem Jahr wird sparen müssen und in den nächsten
       Jahren trotz Rücklagen Hunderte Millionen Euro Defizite machen wird, hatte
       sich schon im vergangenen Jahr abgezeichnet. Die Gründe sind die Inflation,
       die wirtschaftliche Lage und steigende Sozialausgaben. Der Deutsche
       Städtetag [3][warnt] schon länger vor der „katastrophalen“ Lage der
       kommunalen Haushalte.
       
       ## Gelder für soziale und kulturelle Initiativen gekürzt
       
       Die Grünen hätten laut SPD-Fraktion in der Haushaltsdebatte vorgeschlagen,
       über die Stadiongelder gesondert abzustimmen, um ihre ablehnende Haltung
       deutlich zu machen. „Jedoch hat man uns kurz vor Toresschluss die Pistole
       auf die Brust gesetzt und das Bündnis 90/Die Grünen war nur noch unter der
       Bedingung, dass zur Kommunalwahl eine Einwohnerbefragung zur
       Stadionfinanzierung durchgeführt wird, bereit, einen gemeinsamen Haushalt
       mit uns zu beschließen“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende der
       SPD-Fraktion, Margrit Conty. „Wir betrachten das als Erpressung.“
       
       Die Gespräche scheiterten, das Ratsbündnis zerbrach und die SPD einigte
       sich stattdessen mit CDU und FDP auf einen Nothaushalt mit einem
       Rekordvolumen von 855 Millionen Euro und einem Defizit von 69 Millionen
       Euro.
       
       Die Kosten für das Stadion sind Teil der mit 127 Millionen Euro geplanten
       Investitionen. Geld für diverse soziale und kulturelle Initiativen wie den
       Ernährungsrat Oldenburg, die Antidiskriminierungsstelle des Vereins IBIS
       oder das Konzert „Rock gegen rechts“, die teils schon Förderzusagen hatten,
       wurden jedoch gekürzt.
       
       Oberbürgermeister Krogmann erklärte im Rat, dass Kritiker:innen der
       Stadionfinanzierung „keine Ahnung von Haushaltspolitik“ hätten. Da die
       Kosten nur „ein sehr kleiner Bruchteil“ der Investitionen ausmachten, seien
       die Millionenausgaben trotz angespannter Haushaltslage kein Problem.
       
       Gerade vor diesem Hintergrund treffen die Kürzungen im Sozial- und
       Kulturbereich, bei denen es sich jeweils lediglich um einige Tausend Euro
       handelt, bei den Betroffenen auf Unverständnis. „Das Problem ist, dass die
       Grünen diese Initiativen geopfert haben, um sich mit der Position gegen das
       Stadion politisch zu profilieren“, sagte Holger Onken vom BSW.
       
       Für die Kommunalwahlen im Oktober haben die Grünen bereits vor dem Bruch
       mit der SPD im Rat gemeinsam mit der CDU den parteilosen Jascha Rohr
       aufgestellt. Die SPD wiederum schickt den Landtagsabgeordneten Ulf Prange
       ins Rennen. Über den endgültigen Bau des Stadions werden aber
       voraussichtlich noch der jetzige Oberbürgermeister und der Rat im Sommer
       entscheiden.
       
       19 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Oldenburg-streitet-um-ein-neues-Stadion/!6133192
 (DIR) [2] /Oberbuergermeister-hilft-Fussballverein/!6000072
 (DIR) [3] https://www.staedtetag.de/presse/pressemeldungen/2025/historisches-rekorddefizit-zeigt-es-braucht-sofort-eine-neue-finanzverteilung
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Aljoscha Hoepfner
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Oldenburg
 (DIR) Kommunalpolitik
 (DIR) Stadtrat
 (DIR) SPD
 (DIR) Bündnis 90/Die Grünen
 (DIR) Oldenburg
 (DIR) wochentaz
 (DIR) Fußball und Politik
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Oldenburg streitet um ein neues Stadion: 1.000 Einwände gegen die Profi-Arena
       
       Soll die Stadt dem VfB Oldenburg ein Stadion bauen? Mit über 1.000
       Stellungnahmen versuchen Gegner*innen, das geplante 50-Millionen-Projek zu
       stoppen.
       
 (DIR) Oberbürgermeister hilft Fußballverein: Der Traum vom Aufstieg
       
       Sollen Städte Fußballstadien für ihre Profi-Vereine bauen, oder müssen die
       Vereine das selbst hinbekommen? In Oldenburg ist das die Frage.
       
 (DIR) Profifußball in der Provinz: Ein Stadion als Abstiegsgeschenk
       
       Oldenburg will dem Fußball-Drittligisten VfB ein neues Stadion bauen. Dabei
       steckt der Verein längst wieder im Abstiegskampf.