# taz.de -- Zustand des iranischen Fußballs: Solidarität und Angst
> Nach dem Tod von Irans Oberstem Führer müssen opponierende Fußballer
> besonders aufpassen. Das Nationalteam der Frauen zeigt dennoch stillen
> Protest.
(IMG) Bild: Schweigen zur Nationalhymne: Iranische Fußballerinnen beim Asian Cup in Australien vor der Partie gegen Südkorea
Vor knapp einer Woche verbreitete der iranische Torhüter Rashid Mazaheri
auf Instagram mehrere Fotos von Ali Chamenei. Darauf wurde das langjährige
religiöse Oberhaupt Irans als „Satan“ dargestellt. Mazaheri, der drei
Länderspiele bestritten hatte, schrieb dazu: „Deine Herrschaft über dieses
heilige Land ist beendet.“ Kurz darauf berichtete die staatliche
Nachrichtenagentur Fars, dass Mazaheri wegen eines mutmaßlichen Betruges
vorgeladen worden sei. Angeblich würde er „Lügen erfinden, um sich vor der
Begleichung seiner Schulden zu drücken“.
Die Ehefrau von Rashid Mazaheri schrieb in sozialen Medien von
konstruierten Vorwürfen des Regimes, um Kritiker zu diskreditieren. Drei
Tage nach dem Post des Fußballers [1][war die Herrschaft von Ali Chamenei
tatsächlich beendet], er wurde während eines israelisch-amerikanischen
Militärangriffs getötet. Rashid Mazaheri ist offenbar noch immer in Haft.
Das Regime will offenbar Kommentare von prominenten Stimmen unterbinden,
aus Sorge vor einer erneuten Protestwelle. Die iranischen Fußballerinnen
nehmen gerade in Australien an der Asienmeisterschaft teil. Vor ihrem
ersten Spiel gegen Südkorea wurde Nationaltrainerin Marziyeh Jafari auf
einer Pressekonferenz um einen Kommentar zur politischen Lage gefragt.
Wenige Wochen zuvor waren zwei Spielerinnen aus Protest gegen das Regime
zurückgetreten. Doch ein Vertreter des asiatischen Fußballverbandes AFC
forderte, den Fokus auf das Sportliche zu richten. Direkt vor den Anpfiff,
beim Abspielen der iranischen Nationalhymne, sang dann das ganze Team
demonstrativ nicht mit. Eine mutige Geste. Die Partie verlor Iran mit 0:3.
## Protest aus dem Exil
Fußballer, die ihre Karriere beendet haben und im Exil leben, können ihren
Protest einfacher ausdrücken, aber auch sie haben Konsequenzen zu fürchten.
[2][Ali Karimi zum Beispiel,] er hatte für Iran ab den späten Neunziger
Jahren 127 Länderspiele bestritten, zwischen 2005 und 2007 spielte er auch
für den FC Bayern. Karimi steht dem Regime seit Jahren kritisch gegenüber
und verließ Iran 2022, seither musste er seinen Wohnort aus
Sicherheitsgründen mehrfach wechseln. Nun, während des Krieges, verbreitet
Karimi [3][auf Instagram] täglich mehrere Fotos und Botschaften, er hat
fast 15 Millionen Follower.
Dabei erinnert er auch an die Fußballerinnen und Fußballer, die bei der
Niederschlagung der Proteste im Januar getötet worden sind. Zum Beispiel an
den Erstligatorwart Salar Behdari aus Arak, die Schiedsrichterassistentin
Saba Rashtian aus Isfahan oder den ehemaligen Profispieler Mojtaba Tarshiz
aus Andischeh. Mehr als 30.000 Menschen sollen während der Proteste getötet
worden sein, mindestens 20.000 wurden offenbar festgenommen.
Ali Karimi war es auch, der einen Ausschluss des iranischen Nationalteams
von internationalen Wettbewerben forderte. Im Januar formulierten er und 19
andere Fußball-Persönlichkeiten mit Verbindungen zu Iran einem offenen
Brief an die Fifa. Darin hieß er: „Der Fußball als das einflussreichste
soziale Phänomen der Welt darf angesichts von Hinrichtungen, Morden,
willkürlichen Verhaftungen und Drohungen gegen Sportler nicht schweigen.“
Damals und heute hält sich die Fifa mit einer klaren Positionierung zurück.
Eigentlich sollte das WM-Jahr 2026 ein wichtiges Jahr für den iranischen
Fußball werden. [4][Doch das Turnier findet ausgerechnet in den USA, Kanada
und Mexiko statt.] Schon in der ersten Amtszeit von Donald Trump hatte die
US-Regierung 2019 die iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation
eingestuft. Iraner, die den Revolutionsgarden nahestehen, dürfen nicht in
die USA einreisen. Das soll auch für Fußballfunktionäre gelten und
womöglich für Nationalspieler wie Kapitän Mehdi Taremi, die bei den
Revolutionsgarden ihren Wehrdienst absolviert haben.
Nach den Protesten im Januar ist scheinbar auch die Skepsis im iranischen
Fußballverband gewachsen. Zwei der drei Vorrundenspiele des iranischen
Teams sollen in Los Angeles stattfinden, wo die weltweit größte
Diaspora-Gemeinde von Iranern lebt. Proteste gegen das Regime wären
wahrscheinlich. Vor diesem Hintergrund sollen einige iranische Funktionäre
einen Ausschluss Irans von der WM begrüßen, berichtet „Iran-Wire“, ein
Medienportal im Exil.
## Eingestellter Spielbetrieb
Nun, während des Krieges, legen Aussagen den Eindruck nahe, dass der
iranische Verband sein Team selbst zurückziehen könnte. „Sicher ist, dass
wir nach diesem Angriff nicht mit Freude auf die WM blicken“, sagte
Verbandspräsident Mehdi Taj dem Sportportal „Varzesh3“. „Das US-Regime hat
unser Heimatland angegriffen, und das kann nicht unbeantwortet bleiben.“
Zum bislang letzten Mal hatte sich Indien 1950 von einer WM zurückgezogen,
damals wegen zu hoher Reisekosten.
Wegen der vierzigtägigen Staatstrauer für Ali Chamenei ruht in Iran der
Spielbetrieb. Die WM-Vorbereitungsspiele Irans gegen Nigeria und Costa
Rica, die für Ende März in Teheran geplant waren, werden womöglich
ausfallen oder in einem anderen Land stattfinden.
Während der Proteste im Januar solidarisierten sich etliche
Fußballpersönlichkeiten mit den Demonstrierenden. Die iranische
U-23-Nationalmannschaft verzichtete bei der Asienmeisterschaft in
Saudi-Arabien vor ihrem ersten Spiel auf das Singen der Nationalhymne. Ihr
Trainer Omid Ravankhah sagte auf einer Pressekonferenz: „Unter diesen
Umständen ist es meine gesellschaftliche Pflicht, mich an die Seite meines
Volkes zu stellen.“
Nach seiner Rückkehr wurde Ravankhah auf dem Flughafen von Teheran
festgesetzt und stundenlang befragt. Ebenfalls festgenommen wurde der
ehemalige Nationalspieler Vouria Ghafouri, der seine Cafés geschlossen
hatte und zum Protest aufrief.
Nach der Tötung von Ali Chamenei halten sich aktuelle
Fußballnationalspieler mit klaren Botschaften zurück. Andernfalls würden
sie womöglich ihre Familien und Freunde in Iran gefährden.
4 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ronny Blaschke
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