# taz.de -- Protest gegen Irankrieg der USA: Der Boykott ist zurück
       
       > Aus Protest gegen Trump boykottiert ein Berliner Kulturveranstalter
       > US-Waren. Ausnahme: US-Künstler*innen. Ist das Populismus, Marketing oder
       > richtig?
       
 (IMG) Bild: Wird nicht mehr ausgeschenkt: Whiskey aus den USA
       
       Die Welt ist schlecht. Sehr schlecht sogar, eigentlich unbeschreiblich
       schlimm, ein Jammertal geradezu. Und warum das alles: Trump und seine
       Regierung, die sind schuld! Wer denn sonst? Der amtierende US-Präsident ist
       der Mandarin allen Grundübels und sein Social-Media-Hofschrat in
       Personalunion.
       
       Gefühlt macht Trump alle paar Minuten einen Deal und zieht die Welt mit
       jeder Statusmeldung danach wieder ein Stück näher an den Abgrund. Man hat
       schon gar keinen Bock mehr, Nachrichten zu verfolgen. „Was ist denn jetzt
       schon wieder?“ Dann auch noch die Diskurslage im Netz: Mit einer
       Unmutsbekundung im Micky-Maus-Stil trefflich beschrieben.
       
       „Was können WIR tun? US-WAREN BOYKOTT“, steht in einem Aufruf, der es
       optisch mit der Großbuchstaben-Diplomatie des mächtigsten Mannes der Welt
       aufnimmt. Daneben schwitzt ein handgemaltes, schwarzes Dollarzeichen mit
       dicken Tränensäcken. Es ist mit roter Farbe durchgestrichen.
       
       So plakativ sieht sie also aus, die Aufmachung einer Ankündigung der
       Berliner Veranstaltungs-GmbH „Columbia-Halle und Columbia-Theater (Club)“.
       Amis raus aus Westberlin? Nicht ganz.
       
       „Die Sprache des ‚Deal-Makers‘ sind wirtschaftliche Konsequenzen. Deshalb
       ersetzen wir US-Marken konsequent durch non-US-Alternativen.“ Richtig
       gelesen, in der Columbiahalle und im Columbia Theater werden ab sofort
       keine US-Waren mehr bei Veranstaltungen angeboten.
       
       Wobei das Liedgut vom Klassenfeind weiterhin zu hören sein wird: Die
       Veranstalter „unterscheiden strikt zwischen US-Kapital und US-Kultur. Viele
       Künstler*innen sind selbst die lautesten Stimmen des Widerstands. Wir
       wollen ihnen weiterhin eine Bühne bieten – aber in einem Umfeld, das ihre
       demokratischen Werte aktiv verteidigt. Wir boykottieren die
       Milliarden-Konzerne, die das System stützen, nicht die Menschen oder ihre
       Kunst. Im Übrigen: Es würde einen Trump nicht interessieren, wenn wir
       US-Künstler*innen keine Bühne mehr geben.“
       
       ## Symbolpolitisches Bekennerschreiben
       
       Sprachlich ist der Boykottaufruf trotzdem ein bisschen wie ein
       Bekennerschreiben formuliert. Auf Nachfrage wird es dann aber konkret: „Der
       ausschlaggebende Punkt war die Erkenntnis – spätestens seit dem
       Weltwirtschaftsforum in Davos, dass Trump eine Achillesferse hat. Die
       Wirtschaft“ Der einzige Hebel, den der US-Präsident verstünde, sei
       „ökonomischer Druck“.
       
       Auch ich Refusenik habe es jetzt verstanden. Symbolpolitik ist inzwischen
       wahrscheinlich so, dass selbst aufrichtige US-Demokraten heute ein Stück
       weit anti-amerikanisch agieren müssen, um nicht durchzudrehen.
       
       Passenderweise residiert die Columbiahalle in einem Gebäudekomplex, der
       1951 ursprünglich als Turnhalle für US-Soldaten errichtet wurde, die in
       Westberlin stationiert waren. Die Halle und das kleinere Columbiakino
       (heute Theater oder auch Club genannt) liegen genau gegenüber des einstigen
       Naziflughafens Tempelhof an der Außengrenze vom Bezirk Kreuzberg.
       
       Ein heißer Ort, auch im Kalten Krieg nach 1945. Dort landeten und starteten
       während der Berlin-Blockade etwa die sogenannten „Rosinenbomber“.
       Transportflugzeuge der US- und der britischen Luftwaffe, die die
       abgeschnittene Bevölkerung Westberlins mit Nahrungsmitteln und Brennstoffen
       versorgten, nachdem die Rote Armee alle ebenerdigen Transportwege von und
       nach Berlin gekappt hatte.
       
       Und jetzt kappt also die Columbiahalle alle US-Waren: „Wir wollten nicht
       länger ohnmächtig zusehen, wie die Weltordnung und das Klima gefährdet
       werden. Jetzt ist der Moment, in dem wir als Branche zeigen müssen, dass
       wir bereit sind, unsere wirtschaftliche Kraft als politisches Statement
       einzusetzen“, schreibt jemand vom Orgateam der taz.
       
       Aber juckt das irgendjemanden, selbst in einer großen Stadt wie Berlin?
       Kriegen es viele vielleicht gar nicht mit? Genau deshalb „rufen die
       Columbiahalle und das Theater Kolleg*innen der gesamten Gastro- und
       Veranstaltungsbranche dazu auf, sich dieser Bewegung anzuschließen, bevor
       die Frage ‚Was tut IHR eigentlich?‘ von den Gästen gestellt wird.“ Auf die
       Barrikaden, Völker der Erde.
       
       ## Bald auch die Safranfäden?
       
       Boykott, Blockade. Das sind durchaus drastische Maßnahmen. Aktuell tobt in
       Nahost ein Krieg. Seit Kriegsbeginn im Februar blockiert die iranische
       Armee die Straße von Hormus. Durch die Meerenge werden Öl und viele andere
       Güter per Schiff transportiert. Dort wird ein Teil des Welthandels
       abgewickelt. Der iranische Boykott hat also weitreichende Konsequenzen.
       Nicht nur für die Anrainerstaaten. Unklar, ob US-Oberbefehlshaber Trump das
       überhaupt bedacht hatte.
       
       Aber was lässt sich in Berlin und in Deutschland dagegen tun? Als erster
       Schritt wird ein „Trump-freier“ Tresen durchgesetzt. Der sei „ein starkes
       Statement, das Besucher*innen als Impuls mit in ihren eigenen Alltag
       nehmen“. Symbolpolitik ist lästig, manchmal hohl. Müssten dann nicht auch
       iranische Safranfäden boykottiert werden? Und was ist eigentlich mit dem
       Rohöl? Gleicht man sich mit populistischen Maßnahmen wie einem Boykott
       eigentlich an die Gegenseite an, die Schiffe blockiert, Zölle auferlegt und
       andere Strafmaßnahmen?
       
       Die Columbiahalle sieht es so: „Ein Boykott trifft zwangsläufig bestehende
       Strukturen, aber Stillstand unterstützt nur den Status Quo. Wir geben
       bewusst regionalen und europäischen Firmen den Vorzug, die unsere Werte
       teilen. Damit stärken wir die heimische Wirtschaft und fördern Produkte aus
       Demokratien, die den Weltfrieden und das Klima schützen wollen. Die
       Logistikketten bleiben bestehen – sie liefern jetzt nur andere,
       wertebasierte Marken aus.“
       
       Der Boykott soll so lange in Kraft sein, „bis im Weißen Haus wieder eine
       Regierung agiert, die Menschlichkeit, Demokratie und Klima achtet.“ Der
       Satz ist übrigens gefettet. Ansonsten sei noch angefügt, dass die höheren
       Kosten, nicht auf Eintrittspreise abgewälzt werden sollen.
       
       2 Apr 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julian Weber
       
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