# taz.de -- Deutsche Presse-Agentur wird bestreikt: Die dpa hat kaum etwas zu melden
> Erstmals gibt es einen ganztägigen Warnstreik bei Deutschlands führender
> Nachrichtenagentur. Den Gewerkschaften ist das Arbeitgeberangebot zu
> niedrig.
(IMG) Bild: Verdi-Streik in der Zentralredaktion der Nachrichtenagentur dpa in Berlin am 20. März 2026
Normalerweise berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa) über alles, was
im Land so geschieht. Dazu zählen auch Meldungen über Warnstreiks, wie
derzeit [1][im öffentlichen Nahverkehr] in mehreren Bundesländern oder auch
[2][am Berliner Flughafen BER] am Donnerstag. In der Regel sind die
Kolleg:innen sehr fix. Mit der Meldung über einen bestimmten Warnstreik
hat sich die dpa jedoch einige Zeit gelassen. Das könnte daran liegen, dass
Deutschlands führende Nachrichtenagentur davon selbst betroffen ist.
Für diesen Freitag hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der
Deutsche Journalisten-Verband (DJV) die rund 800 Beschäftigten der dpa zum
Warnstreik aufgerufen. Der Streik begann bereits um Mitternacht und geht
den ganzen Tag bis 24 Uhr weiter. Bestreikt werden die Zentrale in Hamburg,
die dpa-Landesbüros, der Berliner Newsroom und die dortigen
Tochtergesellschaften wie beispielsweise die dpa infocom. Die dpa-Meldung
dazu kam am frühen Freitagmittag.
Mit ihrem Warnstreik wollen die Gewerkschaften Druck auf die ins Stocken
geratenen Tarifverhandlungen mit der dpa-Geschäftsführung machen. In
bislang vier Verhandlungsrunden ist es nicht zu einer Einigung gekommen.
Die Wirkungen des Ausstands sind deutlich spürbar: Am Freitagvormittag war
das Meldungsaufkommen der dpa, zu deren Kunden auch die taz gehört,
tatsächlich stark reduziert. Demgegenüber gab ein dpa-Sprecher an, es käme
nicht zu größeren Beeinträchtigungen.
„Der heutige Streiktag ist historisch“, sagt Verdi-Verhandlungsführer
Matthias von Fintel. Zuvor habe es nur 2019 eine kurze Arbeitsniederlegung
für zwei Stunden gegeben. „Es ist mutig, in der zentralen Nachrichtenquelle
des Landes einen ganzen Tag lang die Arbeit niederzulegen“, so
Gewerkschaftssekretär von Fintel. Das müsse sich in einem starken
Tarifergebnis auszahlen. Von einem „notwendigen Schuss vor den Bug“ spricht
DJV-Verhandlungsführer Christian Wienzeck.
## „In doppelter Hinsicht zu wenig“
Die Gewerkschaftsforderung sieht eine Erhöhung der Gehälter um einen
monatlichen Festbetrag von 250 Euro brutto für 2026 und für 2027 eine
Erhöhung um 2,5 Prozent vor. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll nach den
Vorstellungen von Verdi und DJV 18 Monate betragen. Die
dpa-Geschäftsführung bietet demgegenüber bisher einen Festbetrag in Höhe
von 110 Euro monatlich für 2026 und 2,5 Prozent ab Anfang 2027 bei einer
24-monatigen Laufzeit des Tarifvertrags an.
„Das ist in doppelter Hinsicht zu wenig“, sagt Wienzeck. „Zum einen wird
damit nicht die zu erwartende Preissteigerung gedeckt, zum anderen
entspricht eine so geringe Gehaltserhöhung nicht der gewaltigen
Arbeitsleistung der Journalistinnen und Journalisten bei der dpa“, so der
DJV-Vertreter.
Es brauche „mehr als das bisher angebotene Lohnplus, und es braucht eine
kürzere Laufzeit“, findet auch Verdi-Mann von Fintel. Schließlich
versorgten die dpa-Beschäftigten deutsche Medien rund um die Uhr und unter
Hochdruck mit hochwertigen und zuverlässigen Nachrichtenprodukten. „Das
sehen sie vom Arbeitgeber nicht ausreichend anerkannt“, so von Fintel.
Die dpa-Geschäftsführung betonte hingegen, dass ein Tarifabschluss den
wirtschaftlichen Möglichkeiten des Medienunternehmens entsprechen und
gleichzeitig zur Entwicklung seiner Möglichkeiten am Markt passen müsse.
„Die dpa muss weiterhin in der Lage sein, im Interesse ihrer Gesellschafter
und Kunden die langfristige Versorgung mit Inhalten zu marktverträglichen
Bedingungen sicherzustellen“, teilte die Unternehmensleitung mit.
Die fünfte Tarifverhandlungsrunde findet am Freitag kommender Woche in
Berlin statt. „Wir erwarten, dass die Tarifverhandlungen konstruktiv zu
einem befriedigenden Ergebnis führen“, sagt DJV-Mann Wienzeck.
Aktualisiert am 20. März 2026, 13.30 Uhr.
20 Mar 2026
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