# taz.de -- Warnstreik bei Vivantes-Kliniken: Gegen die Zwei-Klassen-Belegschaft
> Drei Tage lang streiken die Beschäftigten der
> Vivantes-Tochterunternehmen. Sie fordern ein Ende der Ungleichbehandlung
> in den Krankenhäusern.
(IMG) Bild: Im Notstand: Vivantes-Klinikum am Urban in Kreuzberg
Arbeitnehmer:innen mehrerer Vivantes-Tochterunternehmen streiken seit
dem frühen Mittwochmorgen. Drei Tage und Nächte wird die Belegschaft aus
Reinigung, Gastronomie und Logistik ihre Arbeit lediglich im Notdienst
wahrnehmen – so will die Gewerkschaft Verdi erheblichen Druck auf den
landeseigenen Klinikkonzern ausüben.
„Dieser Streik ist der stärkste Streik der Vivantes, jemals“, ruft eine
Streikführerin in gelber Warnweste. Sie steht auf der Bühne eines Saals
nahe dem Ostbahnhof, der als zentrales Streikbüro fungiert. Etwas mehr als
250 Streikende versammeln sich hier am Mittwoch, die Stimmung ist
ausgelassen: Aus den Lautsprechern scheppert deutscher Punk, die Leute
klatschen mit und blasen in ihre Trillerpfeifen.
Zur selben Zeit, in einem kleinen Seminarraum neben dem Saal, treffen sich
Sprecher:innen der einzelnen Tochterunternehmen. Sie sprechen von einer
„Zwei-Klassen-Belegschaft“ und [1][fordern die Einführung des Tarifvertrags
für den öffentlichen Dienst] (TVöD). Zusammen beschäftigen die Unternehmen
Vivaclean, VSG, SVL, Vivantes Reha und MVZ nach Angaben von Verdi über
circa 2.500 Mitarbeiter:innen in den acht Vivantes-Krankenhäusern.
2006 [2][unter Spardruck] aus dem Mutterkonzern ausgekoppelt, befinden sich
die Unternehmen nicht in öffentlicher Hand und fallen daher nicht unter den
TVöD. Die Angestellten der Vivantes-Töchter werden seither an die
Krankenhäuser verliehen. Ihre Gehälter [3][unterschreiten die Löhne der
Kolleg:innen], die direkt bei den Krankenhäusern angestellt sind. Verdi
fordert nun die Angleichung der Tarife sowie eine entsprechende Rente.
Die Sprecherin der Zentralsterilisation der Vivantes Service Gesellschaft,
Nancy Hoffmann, erklärt: „Ohne Steri keine OP, ohne OP kein Krankenhaus.“
Ihre Arbeit sei körperlich belastend und oft sehr stressig.
Kamila Weiss arbeitet seit 13 Jahren bei Vivaclean. Auch sie betont, wie
wichtig die Arbeit der Reinigungskräfte in Kliniken ist. Je nach Belegung
brauchten Räume unterschiedliche Reinigungsverfahren, um Keime abzutöten.
Zudem entstünde laut Weiss erheblicher Zeitdruck, um in den ausgelasteten
Kliniken Betten schnell wieder zur Verfügung stellen zu können, sobald
ein:e Patient:in verlegt wurde.
## Streiken ist ein Grundrecht
Neben dem Streikbüro betreibt Verdi in der Stadt mehrere
Koordinationsstellen in der Nähe der Krankenhäuser, um den fluktuierenden
Personalbedarf der Kliniken während der kommenden Tage zu decken.
Zur Aufrechterhaltung des Krankenhausbetriebs gibt es bei Streiks eine
sogenannte Notstandregelung zwischen Streikkomitee und Arbeitgeberin. Damit
soll der „Schutz von Leib und Leben“ der Patient:innen garantiert sein.
Nicht lebenswichtige Operationen müssen indes oft verschoben werden.
Doch ein anwesender Verdi-Verhandlungsführer spricht von „Missbrauch“
vonseiten der Vivantes. Das Unternehmen nutze die Notstandsregelung, um das
Streikrecht der Arbeitnehmenden zu beschneiden. Er fügt an: „Die Leute sind
sauer, dass ihr Grundrecht angegriffen wird.“ Vivantes selbst erklärt, man
habe kein Verständnis für den Streik in einer wirtschaftlich so
angespannten Lage.
25 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Berliner-Krankenhausbewegung/!6152603
(DIR) [2] /Krankenhausreform-in-Berlin-/!6109329
(DIR) [3] /Tarifkonflikt-bei-Charite-Tochter-CFM/!6092969
## AUTOREN
(DIR) Nathan Pulver
## TAGS
(DIR) Krankenhausreform
(DIR) Streik
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Berliner Krankenhausbewegung: Aufstand der Töchter
Die Beschäftigten der Vivantes-Töchter fordern schon lange eine Rückführung
in den landeseigenen Konzern. Mit einem Warnstreik erhöhen sie den Druck.
(DIR) Krankenhausreform in Berlin: Ohne die Millionen geht es nicht
Der Senat lasse Fördermittel des Bundes ungenutzt, kritisiert die Berliner
Krankenhausgesellschaft. Der Verband fordert eine Investitionsoffensive.
(DIR) Tarifkonflikt bei Charite-Tochter CFM: Streiken zahlt sich aus
Die CFM-Beschäftigten stimmen für den hart erkämpften Tarifvertrag. Ab 2030
sollen sie so viel kriegen wie ihre Kolleg:innen an der Charité.