# taz.de -- Warnstreiks im Nahverkehr: Auch am Samstag bleiben Busse und Bahnen im Depot
       
       > Verdi bestreikt seit Freitagfrüh den öffentlichen Nahverkehr in fast
       > allen Bundesländern. Laut den Arbeitgebern liegen „verhandelbare
       > Angebote“ vor. Der Gewerkschaft gehen die Tarifgespräche zu langsam
       > voran.
       
 (IMG) Bild: Am Samstag fährt keine einzige Tram durch Bremen
       
       dpa/afp | Am Samstag wird in den meisten Regionen Deutschlands weiterhin
       der Nahverkehr bestreikt. Busse, Trams und U-Bahnen fallen daher aller
       Voraussicht nach bis auf einzelne Fahrten aus.
       
       [1][Die koordinierte Warnstreik-Aktion begann am Freitagmorgen] und brachte
       den Nahverkehr in den meisten Bundesländern fast vollständig zum Erliegen.
       Der von der Gewerkschaft Verdi initiierte Arbeitskampf dauert in den
       meisten Regionen bis in die Nacht auf Sonntag an. Nicht an dem zweitägigen
       Arbeitskampf beteiligt sind die Bundesländer Niedersachsen und
       Baden-Württemberg.
       
       In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern größtenteils mit
       den kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Verdi
       insbesondere deutlich bessere Arbeitsbedingungen – etwa durch kürzere
       Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten, aber auch durch
       höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. In Bayern,
       Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird
       zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt.
       
       [2][In Berlin] gingen streikende Beschäftigte am Freitag mit Schildern und
       Gewerkschaftsfahnen auf die Straße. „Ohne Streik wird sich nichts
       verändern“, stand auf einem großen Banner der Demonstrierenden. Das Leben
       werde „immer teurer“, sagte der 45-jährige Busfahrer Thomas Wobke der
       Nachrichtenagentur AFP. Wenn immer mehr gearbeitet werden solle und es aber
       immer weniger Geld dafür gebe, sei es „schwierig, eine Arbeitsmotivation“
       zu schaffen.
       
       Die großangelegte Warnstreik-Aktion im Nahverkehr ist die zweite im
       laufenden Tarifkonflikt. Schon am 2. Februar legte Verdi auf diesem Weg den
       Nahverkehr bundesweit fast vollständig lahm.
       
       Die Arbeitgeber kritisieren diese Strategie immer wieder. „Verdi folgt mit
       diesem Streik einer bundesweiten Dramaturgie, ohne die Berliner Realität
       anzuerkennen“, teilten etwa die Berliner Verkehrsbetriebe, das größte
       Nahverkehrsunternehmen in Deutschland, mit. Und der Verband Deutscher
       Verkehrsunternehmen (VDV) pocht auf Kompromissbereitschaft der
       Gewerkschaften. Es lägen „verhandelbare Angebote auf dem Tisch“, sagte
       VDV-Präsident Ingo Wortmann der Rheinischen Post. Die Gewerkschaft müsse
       nun „die finanziellen Grenzen der Branche und der Kommunen“
       berücksichtigen.
       
       Der Verkehrsexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Christoph Ploß, warnte
       in der Zeitung vor den wirtschaftlichen Folgen der Arbeitsniederlegungen.
       Die permanenten Streiks würden nicht nur die Bürger nerven, „sondern sie
       belasten auch immer stärker die deutsche Volkswirtschaft“. Die
       Leidtragenden seien vor allem „Millionen Bürger, die auf den öffentlichen
       Personennahverkehr angewiesen sind“, sagte Ploß weiter. Er appellierte an
       die Gewerkschaften, „maßvoller vorzugehen“.
       
       Verdi wiederum kritisiert, dass die Gespräche zu langsam vorangehen.
       „Offenbar verstehen die Arbeitgeber immer noch nicht, dass es auf Dauer
       keine funktionierende ÖPNV-Daseinsvorsorge mehr geben kann, wenn wir jetzt
       nicht entscheidend die Arbeitsbedingungen verbessern“, sagte die
       stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle zum Warnstreik-Aufruf.
       „Die Kolleginnen und Kollegen brauchen dringend Entlastung – und die
       Arbeitgeber brauchen ein klares Signal, dass wir entschlossen sind, für
       unsere Forderungen zu kämpfen.“
       
       28 Feb 2026
       
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