# taz.de -- Kuba in tiefster Krise: Friedliche Übernahme oder Kapitulation?
> Donald Trump will Kuba in „irgendeiner Form übernehmen“. Für Kubas
> Staatschef Miguel Díaz-Canal ist kein Platz, wenn es nach den USA geht.
(IMG) Bild: Stromausfall in Havanna: Die kubanische Kraftwerks-Infrastruktur ist überaltert und komplett marode
Kein Strom, kompletter Blackout im ganzen Land, und das zum sechsten Mal in
18 Monaten. Für Experten ist das keine Überraschung, denn die kubanische
Kraftwerks-Infrastruktur ist überaltert, komplett marode und es fehlt
allerorten an Ersatzteilen und wahrscheinlich auch an Additiven, um das
schwere kubanische Öl zu verflüssigen, das vor der Küste von Varadero
gefördert wird.
Das ist nur eines der Probleme auf der Insel, die unter dem doppelten
Embargo der USA leidet: unter dem Handelsembargo, welches den kubanischen
Handel mit den USA und dem Rest der Welt seit dem Oktober 1960 erschwert
und massiv verteuert, und dem Erdöl-Embargo, welches seit dem 3. Januar
dieses Jahres dafür sorgt, dass kein Erdöl und schlimmer noch kein Benzin,
Diesel und Kerosin auf die Insel gelangen.
Ohne Treibstoff gelangen keine Lebensmittel vom Land in die Stadt. 7.000
Peso cubano, im allgemein gültigen Schwarzmarktkurs umgerechnet gut 13,60
US-Dollar, wird in Havanna für den Liter Benzin verlangt, berichtet Iván
García, unabhängiger Journalist in Havanna.
Der öffentliche Nahverkehr ist weitgehend zusammengebrochen, die
Lebensmittelpreise kennen nur einen Weg: sie steigen. 500 Peso kostet ein
Pfund Bohnen derzeit, 350-400 das Pfund Reis – bei einem
Durchschnittseinkommen von 6.000 Peso cubano. Das sind umgerechnet gut 10
Euro oder knapp 11,70 US-Dollar.
## USA und Kuba verhandeln im Geheimen
In Kuba wird gehungert. Und das trägt sicherlich dazu bei, dass am letzten
Samstag in Morón, einer Kleinstadt vor den Toren von Havanna, demonstriert
wurde. Ein Büro der Kommunistischen Partei (PCC), der einzigen zugelassenen
Partei, wurde verwüstet. Computer, Akten, Möbel gingen auf der Straße in
Flammen auf, und Rufe wie „Wir wollen keinen Strom, wir wollen Freiheit“,
waren auf den Videos zu hören, die in den sozialen Netzen zu sehen waren.
Kubas Zukunft hängt mehr denn je an Entscheidungen der Regierung in
Washington – und zwischen den beiden Seiten wird verhandelt, so haben es
beide bestätigt, laut [1][New York Times] sogar schon seit einigen Monaten.
Öffentlich hat US-Präsident Donald Trump jetzt angekündigt, offenbar falle
ihm die Ehre zu, Kuba zu übernehmen. Sicher sei, dass Kubas Staatschef
Miguel Díaz-Canel wegmüsse, auch die politischen Gefangenen sollten
freigelassen werden. Weiteres blieb unklar.
Wo aber wer genau eigentlich mit wem verhandelt, ist weitgehend unklar. Ein
Enkel von Raúl Castro soll mit US-Außenminister Marco Rubio gesprochen
haben, heißt es. Doch für den kritischen Schriftsteller und Oppositionellen
[2][Ángel Santiesteban] ist das abwegig. „Er könnte als Bote agiert haben,
einen Brief von Raúl Castro übergeben haben – sicher nicht mehr“.
Santiesteban will wie viele andere Oppositionelle einen friedlichen
Übergang zur Demokratie, keine [3][Übernahme nach US-Gusto], wie Donald
Trump angekündigt hat. Für den US-Präsidenten ist alles gewohnt einfach.
Die Übernahme Kubas als verspätete Umsetzung der Monroe-Doktrin scheint er
anzustreben und sieht dort wenig Widerstände.
## Kuba will private Investitionen von Exilkubanern zulassen
Mexiko, auch Brasilien haben kritisiert, dass die USA Kuba de facto
„aushungern“, in dem sie das Land vom Ölimport abschneiden. Humanitäre
Lieferungen von Erdöl aus Venezuela hat Donald Trump zwar vor etwa zwei
Wochen in Aussicht gestellt, de facto haben aber weder Venezuela noch
Mexiko grünes Licht für Lieferungen erhalten.
Hinter den Kulissen haben die USA zudem auf etliche Länder, darunter
Jamaika und Guatemala, erfolgreich Druck ausgeübt, die in den Ländern
arbeitenden kubanischen Ärztebrigaden zurückzuschicken beziehungsweise die
Verträge zu stornieren. Das sorgt dafür, dass Kuba noch weniger Mittel zur
Verfügung stehen – finanziell steht der Insel das Wasser bis zum Hals.
Auch ein Grund, weshalb die Regierung von Miguel Díaz Canel Reformen
verkündet hat, die der quasi paralysierten Wirtschaft des Landes wieder auf
die Beine helfen sollen: Investitionen aus dem Ausland in die
Infrastruktur, in die Landwirtschaft und auch in das Energiesystem sind
fortan erstmals möglich. Auch Joint Ventures zwischen staatlichen und
privaten Unternehmen sind fortan legal.
Das sind strukturelle Reformen, die Ökonomen wie Pavel Vidal oder Omar
Everleny Pérez die letzten zwanzig Jahre angemahnt haben. Nun kommen sie
und werden noch von einer Maßnahme getoppt, die am Montag vom
stellvertretenden Ministerpräsidenten Óscar Pérez-Oliva Fraga bekannt
gegeben wurden. Er rief die Exil-Kubaner dazu auf, in Unternehmen auf der
Insel zu investieren und Besitz zu erwerben. „Die Türen stehen offen“,
sagte er im Staatsfernsehen und erklärte, dass es von kubanischer Seite
keine Beschränkungen gebe.
Die Initiative könnte dazu führen, dass die ökonomisch potente Exilgemeinde
in die Neugestaltung der ökonomischen und politischen Zukunft der Insel
eingebunden wird. Ob das mit der anvisierten US-Übernahme Kubas kompatibel
ist, wird sich schnell zeigen.
17 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.nytimes.com/2026/03/16/world/americas/trump-cuba-president-diaz-canel.html
(DIR) [2] /Literatur-und-Zensur-in-Kuba/!5465160
(DIR) [3] /US-Eingriffe-in-Kuba/!6158815
## AUTOREN
(DIR) Knut Henkel
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