# taz.de -- Kuba in tiefster Krise: Regierung stoppt Diesel-Lieferung für US-Botschaft in Havanna
> Der Ölmangel in dem Inselstaat verschärft sich zusehends. Angesichts der
> katastrophalen Versorgungslage haben Aktivisten Schiffe mit Lebensmitteln
> und Medikamenten losgeschickt.
(IMG) Bild: Freiwillige aus Frankreich, Deutschland und Italien bereiten Boote für die Abfahrt von Isla Mujeres nach Havanna auf Kuba vor
Washington/Havanna/Mexiko-Stadt dpa/epd | Die Regierung der von einem
[1][US-Ölembargo betroffenen Karibikinsel Kuba] will einem Bericht zufolge
nicht dulden, dass die US-Botschaft in Havanna ihre Generatoren während der
anhaltenden Energiekrise mit importiertem Diesel speist. Das kubanische
Außenministerium habe der Botschaft eine Einfuhr des Treibstoffs verwehrt,
schreibt die Washington Post. Die diplomatische Vertretung nehme „schamlos“
ein Privileg für sich in Anspruch, das die USA dem kubanischen Volk
verwehrten, zitierte die Zeitung aus einer übersetzten Fassung des
Protestschreibens.
Die rund zehn Millionen Bewohner des sozialistisch regierten Inselstaats
leiden seit Jahrzehnten unter Misswirtschaft, Korruption und einem
Handelsembargo der USA. Die andauernde Wirtschaftskrise hat Kuba an den
Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs gebracht, die Infrastruktur ist
marode, das Elektrizitätsnetz veraltet – weshalb sich jene, die es können,
mit Generatoren gegen wiederkehrende Stromausfälle wappnen. Dazu zählt
offensichtlich auch das Personal der US-Botschaft in der Hauptstadt
Havanna.
## Krise hat sich unter Trump verschärft
Die Beziehungen zwischen den USA und Kuba sind seit der Revolution unter
Fidel Castros Führung 1959 angespannt und haben sich [2][nach dem
Amtsantritt von Präsident Donald Trump nochmals verschlechtert]. Der
Republikaner ließ die Insel [3][seit Dezember weitgehend vom Zugang zu
Erdöl abschneiden], indem er Zolldrohungen gegen Lieferanten aussprach und
Importen aus Kubas südamerikanischen Bruderstaat Venezuela einen Riegel
vorschob. Für die Stromversorgung ist das autoritär regierte Land aber auf
Öl angewiesen.
Laut der Washington Post wurden aus den USA nach Kuba verschiffte
Treibstoffcontainer für die US-Botschaft nach Ankunft im Hafen von Mariel
am Dienstag von den dortigen Behörden aufgehalten. Tags darauf habe die
Landesvertretung nach Washington gemeldet, dass sie ihr Personal bei
anhaltender Blockade in den kommenden Wochen reduzieren müsse. Schon jetzt
seien Botschaftsangestellte in Gruppen statt Einzelunterkünften
untergebracht und zur Arbeit im Homeoffice angehalten worden, um Energie zu
sparen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf eine anonyme Quelle.
## 30 Tonnen Hilfsgüter für die kubanische Bevölkerung
Schiffe mit Hilfsgütern sind am Freitag (Ortszeit) von Mexiko aus in
Richtung Kuba ausgelaufen. Die Aktion wird von der zivilgesellschaftlichen
Initiative „Nuestra América“ organisiert, wie die mexikanische Zeitung La
Jornada berichtete. An Bord eines Schiffes, das von der Halbinsel Yucatán
aus in See stach, befinden sich 30 Tonnen Hilfsgüter, darunter Medikamente
und Lebensmittel sowie Solarpanels. Zwei weitere, kleinere Schiffe
starteten von der Insel Isla Mujeres aus in Richtung Kuba.
Die Versorgungslage in Kuba ist derzeit verheerend. Die Wirtschaft leidet
vor allem unter dem Ölembargo, das US-Präsident Donald Trump Anfang des
Jahres verhängt hat. Vergangene Woche kam es in verschiedenen Städten Kubas
zu Protesten gegen die schlechte Versorgungslage.
## „Hoffnung und Widerstandskraft“
Der brasilianische Aktivist Thiago Ávila, der auch an der „Global
Sumud“-Flottille nach Gaza teilgenommen hatte, erklärte auf einer
Pressekonferenz, das Ziel des Solidaritätskonvois sei es, dass Kuba die
„Hoffnung und Widerstandskraft gegen die von der US-Regierung verhängte
kriminelle Blockade“ bewahre.
Ebenfalls am Freitag kündigte die mexikanische Präsidentin Claudia
Sheinbaum eine weitere Hilfslieferung der Marine an, um Kubas Bevölkerung
zu unterstützen. Insgesamt verschiffte die mexikanische Regierung seit
Februar rund 3.000 Tonnen Hilfsgüter nach Kuba. Zudem suche Mexiko
weiterhin nach Wegen, „wie wir den Kubanern Treibstoff liefern können, ohne
dass dies negative Auswirkungen auf Mexiko hat“, betonte Sheinbaum.
Die Insel hat seit dem 9. Januar kein Öl mehr importiert. An diesem Tag
erfolgte die letzte Lieferung aus Mexiko, bevor das Land unter dem Druck
Trumps seine Kraftstofflieferungen nach Kuba einstellte. Kuba verfügt zwar
als eines der wenigen karibischen Länder über eine eigene Erdölindustrie,
fördert jedoch nur rund 40 Prozent des Eigenbedarfs.
21 Mar 2026
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