# taz.de -- Kai Wegners Krisenmanagement: Ein Tag unter Strom
       
       > Berlins Regierender erinnert sich offenbar nicht mehr, wie der Tag des
       > Stromausfalls in Berlin ablief. Die taz hilft Kai Wegner auf die Sprünge.
       
 (IMG) Bild: Hilft jetzt nur noch weglaufen?
       
       3. Januar 2026, 7:30: In Kai Wegners Häuschen in Kladow klingelt der
       Wecker. „Mindset ist alles“, brüllt die motivierende Männerstimme. Der
       schlaftrunkene Bürgermeister rollt sich um, murmelt „noch fünf Minuten …“
       und versteckt sich hinter Katharina Günther-Wünsch (KGW) wie ein Politiker
       vor unangenehmen Fragen.
       
       8:07: Ping: Whatsapp-Nachricht von Senatskollegin Iris Spranger: „Gumo Kai,
       sorry, dass ich dich am Wochenende störe, aber wir haben ein sehr, sehr,
       sehr großes Problem. Es gibt einen sehr, sehr großen Stromausfall. Ich
       glaube, du musst sehr, sehr dringend was machen.“
       
       8:08: Wegner an Spranger: „Grüner Bezirk, keine Prio 1“
       
       8:09: Spranger: „Dachte, du bist so dicke mit den Grünen“
       
       8:09: Wegner: „Mal was anderes, hab gehört, dass du mit der
       Polizeipräsidentin zum Super Bowl fliegst. Würde da gerne auch dabei sein.
       Habt ihr noch ein Plätzchen für mich?“
       
       8:10: Spranger: „Nur, wenn du endlich deinen Widerstand gegen die Expo
       aufgibst“
       
       8:10: Wegner: „Ich lass mir das beim Tennis nachher mal durch den Kopf
       gehen. Eine ganz andere Sache: Was ist eigentlich der Stand beim Görli?“
       
       8:11: Spranger: „Sperrfrist“ (Kichersmiley)
       
       8:45: „Unglaublich, die Spranger! So unchristlich. Hat die noch nie was vom
       heiligen Wochenende gehört?!“, empört sich Wegner bei KGW, während diese
       ihm Waden und Ohrläppchen massiert.
       
       9:00: Wie immer bringt KGW Wegner um Punkt 9 Uhr das Frühstück ans Bett.
       Wahrend Robert Habeck in Krisenzeiten Müsli mit Wasser isst, gibts im Hause
       Wegner-Wünsch ein üppiges Büffet von Butter Lindner. Sonntags gibts für Kai
       sogar Nutella – und heimlich vegane Schinkenwurst.
       
       9:58: Der Postbote klingelt. Wegner reißt ihm das Paket aus der Hand: „Es
       ist das Lego-Modell einer Magnetschwebebahn!“, ruft er aufgeregt KGW zu.
       „Ich baue es sofort zusammen.“ Wegner zieht sich in sein Büro (Homeoffice)
       zurück. Seine Partnerin wundert sich: „Ist das nicht für Ute Bonde?“, aber
       Kai ist schon ganz vertieft und hört sie gar nicht. „Vergiss nicht, dass
       wir nachher Tennis spielen“, ruft sie ihm noch zu.
       
       10:04: 14 verpasste Anrufe vom Chef der Senatskanzlei.
       
       10:17: Wirtschaftssenatorin Giffey wegdrücken. Die Magnetschwebebahn
       braucht Kais volle Konzentration.
       
       11:33: Giffey wegdrücken.
       
       12:43: Was machen die alle so einen Terror an einem Samstag? Der Regierende
       nimmt einen Schluck Kaffee. „Aufgeben kannst du bei der Post“, steht auf
       seiner Lieblingstasse.
       
       12:45: Wegner wählt Giffeys Nummer, kommt aber nicht durch, da sie es
       parallel bei ihm versucht. Also Rückruf beim Chef der Senatskanzlei. „Sag
       Franzi, dass ich schon mit dem Krisenstab, dem Kanzleramt und Strom Berlin
       gesprochen habe“, ordnet Wegner an.
       
       13:00: Jetzt aber endlich den Kopf freikriegen: KGW und Wegner fahren im
       Regierungs-Cabrio zum Tennisspielen zum TC Blau-Weiß im Grunewald. Als der
       Wagen einem Fahrradfahrer die Vorfahrt nimmt, ruft Wegner: „Nochmal!“
       
       13:19: Während sich Wegner in seinen All-White-Fit zwängt, schallt aus dem
       Sonos-Surroundsound in der Umkleide Gigi D'Agostino. Hatten hier nicht
       Anfang letzten Jahres Jugendliche zu dem Track „Ausländer raus“-Parolen
       angestimmt?, erinnert sich Wegner vage. Bloß nicht entdeckt werden.
       
       13:30: Seine Rückhand sitzt heute nicht. Bloß nicht entdeckt werden, denkt
       er schon wieder. Aber an ihm kann es nicht liegen. Es muss der Schläger
       sein. KGW gewinnt in zwei Sätzen. Wegner muss stark sein, er lässt sich
       nichts anmerken, als ihm eine Träne die Wange runterkullert.
       
       14:04: 25 weitere verpasste Anrufe.
       
       15:05: Whatsapp von Spranger: „Kai, das ist wirklich sehr, sehr ernst!“
       
       15:06: Wegner: „Der Trip zum Super Bowl?“
       
       15.06: Spranger: „Nein! Der Stromausfall.“
       
       15:07: Wegner schickt GIF von einem Faultier, das einen Stecker in die
       Steckdose steckt.
       
       16:38: Zu Hause legt sich Wegner in die Badewanne. Das Licht ist aus, nur
       eine Kerze flackert im Bad. So schön kann Stromausfall sein, denkt er sich.
       
       18:01: Wegner gießt sich einen Whiskey on the rocks ein und wirft einen
       Blick aufs Handy. Auf Instagram inszeniert sich die Linke Elif Eralp als
       Heldin der Stromausfall-Betroffenen. Er besorgt sich von Parteikollegen die
       Zugangscodes für Troll-Accounts, loggt sich ein und kommentiert: „Es sind
       doch deine Zecken, die für den Stromausfall verantwortlich sind“, unter die
       Posts der Wannabe-Mamdani.
       
       20:15: Auf Sat.1 läuft „The Day After Tomorrow“, Wegners Lieblingsfilm. Was
       für ein schöner Tag!
       
       20:16: Verpasster Anruf von Spranger.
       
       20:49 Freundschaftsanfrage von Wolfram Weimer auf Facebook. Wegner nimmt an
       und entdeckt eine Nachricht von ihm: „Lieber Kai, ich gebe dir einen Rat:
       Notlügen sind nur kreative Interpretationen.“
       
       17 Mar 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lilly Schröder
 (DIR) Uwe Rada
 (DIR) Erik Peter
       
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