# taz.de -- Berlins Regierungschef in der Kritik: Tennis geht auch ohne Strom
> Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) ging am Samstag während des
> Stromausfalls zum Sport. Zunächst hatte er anderes behauptet.
(IMG) Bild: Hat verschwiegen, dass er Samstag zwischendurch auch Tennis spielen war: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU)
dpa | Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner steht wegen seines
Agierens im längsten Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte weiter
unter Druck. Der CDU-Politiker räumte am Mittwoch ein, dass er am Samstag
wenige Stunden nach Beginn des Blackouts im Berliner Südwesten Tennis
gespielt habe – während sich 100.000 Betroffene ohne Strom und Heizung,
Internet und Handyempfang mitten im Winter große Sorgen machten, vor Ort
eilig Notunterkünfte aufgebaut wurden und Hilfe anlief.
„Ich habe von 13 bis 14 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf
freikriegen wollte“, sagte Wegner bei Welt TV. „Ich war die ganze Zeit
erreichbar, auch als ich Tennis gespielt habe. Das Handy war auf laut
gestellt, bin danach sofort zurückgefahren und habe weitergearbeitet.“
Zuvor hatte [1][der RBB über das Thema berichtet]. Wegners Tennispartnerin
war dabei ein anderes Senatsmitglied: seine Lebensgefährtin,
Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU), wie die Senatssprecherin
bestätigte. Zuvor hatte [2][dies der Tagesspiegel berichtet].
Berlins früherer Regierender Bürgermeister Walter Momper übt deutliche
Kritik am Verhalten des jetzigen Regierungschefs Kai Wegner. „Er hat die
Dimension der ganzen Geschichte nicht erkannt“, sagte der Sozialdemokrat
Momper der Deutschen Presse-Agentur über den CDU-Politiker.
„Er wusste ja, dass inzwischen für Tausende von Haushalten der Strom
unterbrochen war, und ich nehme an, er wusste auch, wie lange das dauern
würde. Und da hat er nicht angemessen reagiert“, sagte der 80-jährige
Momper, der von März 1989 bis Ende Januar 1991 Regierender Bürgermeister
war. Es bedürfe nun der Aufklärung darüber, wie der Tag für Wegner
verlaufen sei und wie er sich angestellt habe. „Dass er zum Tennis gegangen
ist, das erscheint mir schon ein bisschen abwegig gewesen zu sein.“
## Kritik an Wegners Krisenmanagement
Der durch einen [3][mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag]
verursachte Stromausfall [4][wurde am Mittwochmittag behoben] und die
Versorgung komplett wieder hergestellt. Kurz danach kam Wegners
Eingeständnis und löste einen Sturm der Entrüstung aus. AfD- und
FDP-Politiker forderten seinen Rücktritt. Acht Monate vor der Wahl zum
Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September attackierten auch Linke und
Grüne Wegner hart, ebenso Spitzenkandidat Steffen Krach vom
Koalitionspartner SPD. Ihr Tenor: Wegner habe die betroffenen Menschen im
Stich gelassen, sei seiner Rolle als Regierungschef nicht gerecht geworden
und habe die Öffentlichkeit über seine Aktivitäten am ersten Tag des
Mega-Blackouts belogen.
Wegner stand wegen seines Krisenmanagements ohnehin bereits in der Kritik.
Vertreter anderer Parteien, aber auch Kommentatoren Berliner Medien
kreideten dem 53-Jährigen an, dass er nicht bereits am Samstag vor Ort in
den vom Stromausfall betroffenen Stadtteilen präsent war, sondern erst am
Sonntag. Er hatte das unter anderem damit begründet, dass er vor Ort im
Krisengebiet keine Möglichkeit gehabt habe, Telefonate zur Organisation von
Hilfe zu führen – es gab dort keinen Internet- und Handyempfang.
Linken-Landeschef Maximilian Schirmer erklärte: „Wer lieber Tennis spielt,
als in der größten Not bei den Menschen zu sein, sollte sich vielleicht
überlegen, ob dieser Job noch der richtige für ihn ist.“
SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach nannte Wegners Verhalten inakzeptabel und
eines Regierenden Bürgermeisters unwürdig. „Kai Wegner hat vermutlich nicht
daheim im verschlossenen Arbeitszimmer Tennis gespielt“, ätzte der
SPD-Politiker Krach.
Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf, der selbst ins Rote Rathaus einziehen
will, meinte, die Berlinerinnen und Berliner hätten „andere Ansprüche“ an
einen Regierenden Bürgermeister. Graf kritisierte, Wegner habe der
Bevölkerung „in einer dunklen Stunde dieser Stadt“ nicht die Wahrheit
gesagt. Eine Rücktrittsforderung vermieden Krach und Graf – sie kommen nach
der nächsten Wahl als potenzielle Koalitionspartner der CDU infrage. Die
AfD forderte Wegners umgehenden Rücktritt. Er habe die Stromkrise nicht
ernst genug genommen.
## Wegner am Sonntag: „War den ganzen Tag am Telefon“
Am Sonntag hatte Wegner dann nach einem Besuch in einer Notunterkunft auf
eine bissige Journalistenfrage geantwortet: „Ich habe mich gestern weder
gelangweilt noch die Füße hochgelegt, sondern ich war den ganzen Tag am
Telefon und habe versucht, zu koordinieren und mich bestmöglich zu
informieren, weil ich denke, das hilft den Menschen noch mehr.“ Er sei am
Samstag zu Hause gewesen und habe sich in sein Büro eingeschlossen, sagte
der CDU-Politiker weiter.
Nun räumte er ungeschicktes Verhalten ein. „Rückblickend hätte ich das am
Sonntag sagen sollen, was ich am Samstag gemacht habe, aber ich sage Ihnen
ganz ehrlich: Mein Fokus waren die 45. 000 Haushalte“, sagte Wegner im RBB.
Die Frage, ob er zurücktreten wolle, beantwortete Wegner im RBB am Abend
nicht mit Ja oder Nein. „Dass die Opposition das jetzt sagt, das kann ich
ja nicht verhindern“, sagte er.
## 100.000 Menschen von Stromausfall betroffen
Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf
waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und
2.200 Unternehmen ohne Strom. Insgesamt rund 100.000 Menschen waren
betroffen. In den vergangenen Tagen [5][wurde schrittweise ein Teil der
Kunden wieder angeschlossen]. Am fünften Tag gelang es dem landeseigenen
Netzbetreiber Stromnetz Berlin schließlich, alle Betroffenen wieder mit
Strom zu versorgen.
Eine Senatssprecherin sagte nach Wegners Äußerungen zum Tennismatch, der
Regierungschef habe am Samstag zunächst kurz nach 8 Uhr, als er über den
Stromausfall informiert worden sei, Telefonate geführt, unter anderem mit
dem Kanzleramt und dem Innenministerium und verschiedenen
Senatsverwaltungen. Ziel war es demnach, Hilfe zu organisieren – so hatte
es auch Wegner selbst in den vergangenen Tagen erläutert. Zudem hatten er
beziehungsweise sein Umfeld betont, dass ohne sein Engagement Hilfe vom
Bund, etwa durch die Bundeswehr, nicht so rasch gekommen wäre.
Im aufkommenden Wahlkampf für die auch bundesweit nicht unwichtige Wahl in
Berlin im September liefert Wegner mit seinem Agieren nun eine Steilvorlage
für die politische Konkurrenz. Die Chance, sich auch mit symbolhaften
Bildern als kraftvoller Krisenmanager zu inszenieren, wie etwa Kanzler
Gerhard Schröder (SPD) 2002 beim Elbehochwasser, hat der 53-Jährige wohl
verpasst.
Der Berliner Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Stephan
Weh, hält die Kritik am Verhalten des Regierenden Bürgermeisters Kai
Wegners während des Stromausfalls für überzogen. „Es hat für die
Bewältigung derartiger Einsatzlagen für Polizei und Feuerwehr keinerlei
Mehrwert, wenn Politiker draußen sind“, sagte er zu den Vorwürfen, dass
Wegner am ersten Tag des Stromausfalls Tennis spielen gegangen sei. „Den
Strom hätte er auch nicht wieder anstellen können.“
8 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/01/berlin-regierender-buergermeister-wegner-stromausfall-tennis.html
(DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/gemeinsam-mit-dem-regierenden-auch-berlins-bildungssenatorin-spielte-in-der-stromkrise-tennis-15113384.html
(DIR) [3] /Brandanschlag-auf-Stromnetz-in-Berlin/!6143455
(DIR) [4] /Berliner-Stromausfall/!6143442
(DIR) [5] /Blackout-im-Berliner-Suedwesten/!6143683
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