# taz.de -- Kai Wegners Krisenmanagement: Das Bild vom Regierungschef als Macher bröckelt
> Weiter ist nicht klar, was Kai Wegner am Tag des Berliner Blackouts
> wirklich gemacht hat. Schwäche zu zeigen fällt dem Politiker anscheinend
> schwer.
(IMG) Bild: Kai Wegner in Erklärungsnot
Er hat es getan. Schon wieder. Zum zweiten Mal hat Berlins Regierender
Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nicht die ganze Wahrheit über sein
Krisenmanagement während des [1][Berliner Blackouts Anfang des Jahres]
preisgegeben. Das geht aus neuen Details zum Tagesablauf Wegners hervor,
dessen Herausgabe der Tagesspiegel von der Senatskanzlei erzwungen hat.
Eigentlich sind es keine großen Dinger, wäre da nicht der Verdacht, dass
Wegner etwas vertuschen wollte. Er habe am Vormittag des 3. Januar – ein
Samstag – die ganze Zeit am Telefon gehangen, habe mit Krisenstäben, dem
Bundesinnenministerium, dem Kanzleramt sowie mit Stromnetz Berlin
telefoniert. Das hatte Wegner drei Tage nach dem Stromausfall in einem
Fernsehinterview behauptet – und damit gerechtfertigt, was zuvor der RBB
enthüllt hatte. Entgegen der allerersten Behauptung, er habe den ganzen Tag
von zu Hause aus Krisenmanagement betrieben, stellte sich heraus, dass
Wegner mit seiner Lebensgefährtin, der Berliner Schulsenatorin, von 13 bis
14 Uhr eine Stunde Tennis gespielt hatte.
Wie gesagt, kein großes Ding. Wenn es nicht eine Schutzbehauptung war. Denn
inzwischen stellt sich die Frage, ob nicht auch die Telefonate mit dem
Krisenstab, dem Kanzleramt und Stromnetz Berlin [2][bloße Behauptung
waren]. Was also treibt den Mann, der am 20. September bei den Berliner
Wahlen im Amt bestätigt werden will? Warum riskiert er – auf so plumpe Art
und Weise – seine Wiederwahl?
Vielleicht ist das der Moment, einen Schritt zurückzutreten. Das Bild zu
überprüfen, wie ein professionelles Krisenmanagement auszusehen hat. Auch
zu hinterfragen, ob ein Bundeskanzler in [3][Gummistiefeln beim Hochwasser]
an der Elbe 2002 mehr Symbolik ist als reale Unterstützung für die
Krisenkräfte vor Ort.
## Kontrolle als Botschaft
Alles unter Kontrolle, das ist wohl die Botschaft, die Politikerinnen und
Politiker in solchen Fällen vermitteln wollen. Wer nicht alles unter
Kontrolle hat – wie die grüne Familienministerin [4][Anne Spiegel im
Ahrtal] zwanzig Jahre nach Schröder – steht unter Beschuss.
Auch Kai Wegner wollte, nach allem, was wir wissen, diese Botschaft senden.
Das Bild vom Macher soll keine Kratzer bekommen. Deshalb hat er es getan.
Einmal. Und dann noch einmal. Nicht die ganze Wahrheit gesagt, um zu
verbergen, dass er an diesem Tag nicht der Macher war, der er sein wollte.
Oder den alle von ihm erwartet haben. Oder von dem er dachte, dass das alle
von ihm erwarten. Nun sind nicht nur die Kratzer da, sondern eine offene
Wunde. Und das mitten im Wahlkampf, der gerade begonnen hat.
Was wäre eigentlich gewesen, wenn Kai Wegner gesagt hätte: Sorry, es hat
etwas gedauert, bis ich auf Betriebstemperatur war. Deshalb erst mal Tennis
spielen. Und dann loslegen.
## Die Anteilnahme fehlte
Natürlich hätte er dann immer noch schlecht ausgesehen, weil er, im
Gegensatz zur SPD-Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, nicht vor Ort war.
Giffey ist eine Instinktpolitikerin, die sich nicht nur überall hinstellt,
wo sie eine Kamera vermutet. Sie kann auch Hände schütteln. Und
Händeschütteln, Anteilnahme haben viele an diesem 3. Januar im Berliner
Südwesten vermisst. Immerhin waren 45.000 Haushalte vom Stromausfall
infolge eines wohl linksradikalen Anschlags betroffen.
Aber Wegner hätte auch fragen können, ob Politiker tatsächlich immer alles
sofort und zu 100 Prozent unter Kontrolle haben müssen. Hätte eine Schwäche
zugeben und damit vielleicht an Stärke gewinnen können.
Nun muss er die Frage beantworten, warum er nicht die Wahrheit gesagt hat.
Und die Opposition fragt laut, wer einen Regierungschef will, der nicht die
Wahrheit sagt.
21 Mar 2026
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