# taz.de -- Der syrische Präsident in Berlin: Die Bundesregierung schafft neue Fluchtgründe
> Der Kanzler empfängt Ahmed al-Scharaa. Um Rückführungen syrischer
> Geflüchteter nicht zu gefährden, vermied es Merz, Menschenrechte
> anzusprechen.
(IMG) Bild: Eine Hand wäscht die andere: der syrische Präsident und Kanzler Friedrich Merz
Kanzler Friedrich Merz hat einmal mehr klargemacht, was sein wichtigstes
Ziel ist, wenn es um das kriegsgebeutelte und verelendete Syrien geht: Das
möglichst viele Syrer*innen aus Deutschland dorthin zurückgehen. Er
peile eine Rückkehrerquote von 80 Prozent in den nächsten drei Jahren an,
sagte Merz. Dabei stand er neben dem syrischen Präsidenten Ahmed
al-Scharaa, [1][der am Montag in Berlin weilte]. Dieses Ziel dominiert
offensichtlich alle Aspekte der deutschen Syrien-Politik. Auch die von Merz
angekündigten Hilfszahlungen an das Land dienen hauptsächlich dafür,
möglichst viele zum Gehen zu bewegen. Oder abschieben zu können, wie der
Kanzler quasi offen zugibt. Die Idee: Wenn die Lebensbedingungen in Syrien
besser sind, dann ließe sich Syrer*innen hier leicht ihr Schutztitel
entziehen.
Aber eine Politik, die krampfhaft darauf fokussiert ist, Syrien möglichst
schnell für sicher zu erklären, nur um Menschen dorthin zurückzuzwingen,
droht am Ende das Gegenteil zu erreichen. Bevor al-Scharaa Präsident wurde,
führte er die islamistische Miliz Al-Nusra-Front an. Damit haben
CDU-Politiker, die sonst schon beim Wort Islamismus Atemnot bekommen, aber
offensichtlich kein Problem. Plötzlich werden autoritär regierende
Ex-Islamisten hofiert, Hauptsache die Abschiebeflieger können bald
regelmäßig in Damaskus landen. Dient das der langfristigen Demokratisierung
und Stabilisierung Syriens?
Es ist eine merkwürdige Blindheit, die sich CDU und CSU in ihrer
Abschiebe-Obesession aufzwingen. Das ließ sich schon im Herbst 2025
beobachten, als Außenminister Johann Wadephul in Syrien die
Trümmerlandschaften besichtigte und sagte, hierhin könne man niemanden
abschieben. Ein großer Teil der Union war entrüstet über diese Aussage und
drosch wochenlang auf den Außenminister ein. Der hatte aber nur
ausgesprochen, was offensichtlich war.
Das gleiche Phänomen zeigt sich jetzt an Merz' Umgang mit al-Scharaa. Die
[2][Menschenrechtslage in Syrien] ist gelinde gesagt blamabel, doch Merz
sprach am Montag die Massaker durch regierungsnahe Milizen an Drus*innen
und Alawit*innen nur verklausuliert an. Alles andere hieße ja zuzugeben,
dass die Lage in Syrien eben doch nicht so richtig sicher ist. Besser
keinen Druck aufbauen, um das Narrativ nicht zu gefährden, dass eine
problemlose Rückkehr schon jetzt möglich sei.
Eine solche blinde Politik mag kurzfristig das gewünschte Ergebnis bringen.
Langfristig aber stärkt die Bundesregierung damit [3][Islamismus] und
Autoritarismus in Syrien – und schafft neue Fluchtgründe.
30 Mar 2026
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(DIR) Frederik Eikmanns
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