# taz.de -- Steigende Energiepreise wegen Iran-Krieg: Reiche kommt aus der Reserve
       
       > Die Wirtschaftsministerin legt sich fest: Es soll eine nationale
       > Gasreserve als Notfallinstrument geben. Grüne fordern zusätzliche
       > Winterreserve.
       
 (IMG) Bild: „Nationale Gasreserve als Notfallinstrument“, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)
       
       Wie sicher ist [1][die Gasversorgung in Deutschland] angesichts des
       Iran-Kriegs, der auch den globalen Handel mit Öl und Flüssiggas empfindlich
       stört? Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) reagierte nun, ihr
       Ministerium legte dem Wirtschaftsausschuss des Bundestags einen Bericht
       vor: Reiche plant demnach, „eine nationale Gasreserve als
       Notfallinstrument“ einzurichten. Nach den Überlegungen der letzten Wochen
       will die Ministerin jetzt ins Handeln kommen.
       
       Erdgas wird in vielen Hausheizungen verfeuert, es dient zur Stromproduktion
       in Kraftwerken, und die Industrie braucht es zur Produktion. So liegt der
       Gedanke nahe, einen Notvorrat anzulegen, den es bisher nicht gibt – im
       Gegensatz zur bereits existierenden Krisenvorsorge für Öl. Das neue
       Notfallinstrument ist ausdrücklich gedacht für „exogene Schocks“. Das sind
       Krisen mit Versorgungsengpässen, wie sie durch einen Krieg entstehen
       können.
       
       Zahlen zum Volumen der künftigen Gasreserve oder zu anderen Details sind in
       dem kurzen Bericht aus Reiches Ministerium nicht enthalten. Darin heißt es
       lediglich: „Die Reserve müsste klar vom Markt getrennt werden, um diesen
       nicht zu verzerren und die Wintervorsorge nicht zu hemmen.“ Und: „Auf
       staatliche Vorgaben und Markteingriffe zur Wintervorsorge sollte in Zukunft
       grundsätzlich verzichtet werden.“
       
       ## Reiche legt sich fest
       
       Damit legt sich Wirtschaftsministerin Reiche in zwei Diskussionen fest, die
       in den vergangenen Monaten stattfanden. Zunächst gab es Befürchtungen, dass
       die Gasmengen in den unterirdischen deutschen Gasspeichern nicht für den
       vergangenen Winter reichen könnten. Schließlich war aber doch genug
       Brennstoff vorhanden. So erklärt Reiche nun, mit der neuen Reserve auch
       keine künftige Wintervorsorge betreiben zu wollen. Dann griffen die USA und
       Israel den Iran an, woraufhin dieser [2][die Meerenge von Hormus mehr oder
       weniger blockiert] hat. Durch die Straße von Hormus werden rund ein Fünftel
       der weltweiten Öl- und Gasexporte abgewickelt. Das führte zu Forderungen,
       eine strategische Gasreserve einzurichten, um große Lieferausfälle zu
       überstehen.
       
       Zum Beispiel Klaus Müller, der Präsident der Bundesnetzagentur, trieb die
       Diskussion über die Notfallreserve voran. Sebastian Heinermann,
       Geschäftsführer der Organisation der Gasspeicher-Betreiber, sprach sich
       ebenfalls dafür aus. Und jetzt heißt es vom Bundesverband der
       Energiewirtschaft: „Der BDEW hält die Einrichtung einer strategischen
       Gasspeicherreserve zur Absicherung von akuten Krisenfällen und
       unvorhersehbaren Extremereignissen für ein sinnvolles Instrument.“
       
       ## Debatte über Winterreserve reißt nicht ab
       
       Trotzdem reißt auch die Debatte über den nächsten Winter nicht ab. „Der
       Aufbau einer Gasreserve für den Notfall kann nur ein Schritt sein“, sagt
       der Grüne Michael Kellner, „daneben brauchen wir einen neuen Mechanismus,
       um ausreichende Gasmengen für den kommenden Winter einzuspeichern –
       besonders jetzt angesichts des Kriegs im Nahen Osten.“
       
       Der ehemalige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium schlägt vor, eine
       „Lieferantenverpflichtung“ einzuführen. Das würde bedeuten: „Große
       Gashändler wie Sefe oder Uniper müssten ihre Lieferzusagen für den
       kommenden Winter an hiesige Kunden beispielsweise in Teilen mit
       eingespeicherten Gasmengen unterlegen.“ Die Bundesnetzagentur solle
       kontrollieren, dass das auch wirklich passiere.
       
       Kellner treibt die Sorge um, dass die hiesigen Gasspeicher augenblicklich
       außergewöhnlich leer sind. Der Füllstand beträgt nur gut 22 Prozent –
       Tendenz nur langsam steigend. Denn momentan haben die Gashändler wenig
       Interesse, große Mengen zu kaufen, um die Kavernen für den nächsten Winter
       auszustatten. Dafür sind die Preise auf den Weltgasmärkten derzeit zu hoch.
       Was tun, wenn das noch länger so bleibt und die Speicher über den Sommer
       nicht ausreichend befüllt werden? Treibt dann Deutschland im nächsten
       Winter doch auf einen Mangel oder zumindest eine Situation mit sehr hohen
       Preisen zu?
       
       Im Kalkül des grünen Energiepolitikers Kellner würde die
       Lieferantenverpflichtung dem entgegenwirken. Andererseits könnte sie aber
       auch einen lästigen Nebeneffekt verursachen: Zusätzliche Nachfrage wirkt
       preiserhöhend, sodass die staatlich regulierte Wintervorsorge für die
       Verbraucher:innen eventuell unnötig teuer würde. Der Energieverband
       BDEW lehnt Kellners Idee ab: Der Staat solle es den Unternehmen selbst
       überlassen, wie und wann sie die ihren Kunden zugesagten Mengen tatsächlich
       beschafften.
       
       Allerdings hängen beide Debatten und Lösungsansätze zusammen. Sollte der
       Aufbau der Gasreserve für den Notfall bald beginnen, nimmt schon dadurch
       die Befüllung der Speicher zu. Dieser Sockel wirkt auch als
       Sicherheitspuffer im Winter. Zur Not kann er ja angezapft werden – selbst
       wenn das nicht der primäre Zweck ist.
       
       29 Mar 2026
       
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