# taz.de -- Foodtrend aus Japan: Neuer Player im Cheesecake-Game
       
       > Es gibt viele Möglichkeiten, Käse oder Quark zu backen. Für den neuen
       > Japanese Cheesecake braucht man nicht mal einen Ofen, nur einen
       > Kühlschrank.
       
 (IMG) Bild: Der nächste Trend? Original Japanese Cheesecake
       
       Es gibt Momente, da zweifle ich hart an meiner Kompetenz als Foodkolumnist.
       So habe ich erst neulich kapiert, dass ein klassischer deutscher Käsekuchen
       mit [1][einem New York Cheesecake] ungefähr so viel zu tun hat wie [2][eine
       Tankstellenbulette] mit einem Steak-Tatare.
       
       Obwohl es doch so offensichtlich ist: Käsekuchen ist quarkbasiert, die
       Stücke sind ein wenig plump, ihr Inneres ist hellgelb und krümelig. New
       York Cheesecake hingegen ist filigraner und schneeweiß, man macht ihn aus
       Frischkäse, wodurch er cremiger schmeckt, fast ungebacken (was er aber
       nicht ist). Hätte man mir zwei Stücke auf einen Teller gestellt, ich hätte
       den Unterschied durchaus geschmeckt und gesehen. Aber unabhängig
       voneinander waren die Kuchen für mich schlicht gleich, es war eine Art
       kulinarische Gesichtsblindheit.
       
       Inzwischen weiß ich: Es gibt viele, wirklich viele Möglichkeiten, Käse oder
       Quark zu backen und mit einem – oder auch keinem – teigigen Boden zu
       kombinieren. Sogar die alten Römer sollen schon Käsekuchen verspeist haben,
       Jahrtausende vor Erfindung des Kühlschranks. Aktuell sticht aus dieser
       fluffig-sahnigen Masse der New York Cheesecake besonders heraus, in den
       vergangenen Jahren bekam er allerdings Konkurrenz [3][aus dem Baskenland],
       in Form des San Sebastian Cheesecake. Der ist äußerlich näher am deutschen
       Käsekuchen, im Innern aber Frischkäse-basiert und dank zahlreicher Eier
       fast schon puddinghaft. Zudem wird er ohne Boden gebacken, dafür so heiß,
       dass sich eine karamellisierte Kruste bildet.
       
       Nun ist ein neuer Player aufgetaucht. Seit einigen Monaten gibt es einen
       Tiktok-Trend namens „Japanese Cheesecake“. Er gehört innerhalb von FoodTok
       in die Kategorie „ein simpler Rezepte-Hack mit Aha-Effekt zum Nachmachen“
       (so wie einst die [4][Feta-Pasta]) und nicht zum „ein optisch krasses
       Produkt zum Nachkaufen“ (wie eins [5][die Dubai-Schokolade]).
       
       ## Das Ergebnis schmeckt ziemlich geil
       
       Dabei werden Kekse, idealerweise die karamelligen Biscoff-Kekse von Lotus –
       jeder kennt sie als einzeln in Plastik verpackte Beigaben zum Kaffee –, in
       griechischen Joghurt gesteckt und das Ganze über Nacht in den Kühlschrank
       gestellt. Die Kekse saugen so viel Feuchtigkeit auf, dass sie am nächsten
       Tag mit dem fettreichen Joghurt zu einer Creme verrührt werden können. Das
       Ergebnis schmeckt überraschenderweise ziemlich geil und tatsächlich nach
       Cheesecake, und zwar eher à la New York als à la Neu-Isenburg.
       
       Der Trend ist real. Selbst im osterzgebirgischen Dippoldiswalde waren
       Biscoff-Kekse in zwei Supermärkten ausverkauft. Was bei alldem allerdings
       hinten runterfällt: Es gab ja schon vorher einen Japanese Cheesecake, er
       ist wesentlich komplexer in der Herstellung, auch hier spielen Frischkäse
       und Eier eine Rolle. Auf Fotos sieht er aus wie eine Mischung aus einem
       Kissen und einer Wolke, man möchte sich reinlegen und ihn dann langsam
       einatmen.
       
       Ich hoffe, dieser wahre Japanese Cheesecake kommt auch irgendwann in
       Deutschland an. Dieses Mal bin ich bereit!
       
       27 Mar 2026
       
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