# taz.de -- Digitale Manipulation in der Memokratie: Onlinekultur und digitales Pathos
       
       > Der Wagenbach-Autor Wolfgang Ullrichs untersucht, wie Memes Demokratien
       > stören. Besuch einer Buchvorstellung und Debatte in Berlin.
       
 (IMG) Bild: Hat das Bedeutung? Ein „This is fine“-Hund: Meme
       
       Wenn man ein Meme aus dem Internet herausnimmt und es losgelöst vom Kontext
       sozialer Netzwerke einzeln betrachtet, sei es ein bisschen, wie ein
       Altarbild aus der Kirche zu nehmen: Seines Zwecks beraubt kann sich seine
       volle Wirkmacht nicht entfalten, sagte der Kunsthistoriker und Autor
       Wolfgang Ullrich am Mittwochabend im Berliner Publix bei seiner
       Buchvorstellung von „Memokratie. Soziale Medien und autoritäre
       Bildpolitik“.
       
       Eine Illustration diente anschaulich zur Entzauberung der These. Statt
       weiterzumutieren, starrte ein hartgezeichneter Elon Musk als eine der
       größten Ikonen der Onlinekultur in barocker KI-Rüstung blass projiziert in
       den Saal. Darunter die Worte: „Who controls the meme controls the world“.
       
       In diesem Moment schwer vorstellbar, dass die westliche Demokratie durch
       solch ekelig-alberne Abziehbildchen, produziert von sogenannten
       „Meme-Warriors“, Internet-Nerds und Anti-Kriegern, ernsthaft bedroht sei.
       
       Doch wie dies geschieht und wie tief die damit einhergehende Krise des
       dokumentarischen Bildes fortgeschritten ist, führte Ullrich eindringlich
       aus. Die Zeit, in der Fotografie als Tatsachenbeleg gelten konnte, ist
       vorbei.
       
       ## Bilder und Setzungen
       
       Neu ist das allerdings nur bedingt. Am interessantesten wurde es da, wo
       sich der Kunsthistoriker der Kunstgeschichte widmete und Kontinuitäten der
       Bildpolitik aufzeigte. Schon immer hätten sich herrschende Häuser
       beschönigender Bilder zur Geschichtsklitterung bedient.
       
       „Memokratie“ erscheint als Teil der Reihe „Kleine Kulturwissenschaftliche
       Bibliothek“ im Wagenbach Verlag, benannt in Anlehnung an Kunsthistoriker
       und Ikonograf Aby Warburg. Dessen Begriff der Pathosformel bezeichnet
       prägnante Ausdrucksgebärden, in denen körperliche Uraffekte wie Ekstase
       oder Schmerz künstlerisch formalisiert und dadurch über Raum und Zeit
       übertragbar werden, wie Memes wandernd, mutierend, sich neu aufladend.
       
       Ob Elon Musk in Rüstung, Pepe the Frog oder der „This is fine“-Hund: Memes
       als Pathosformeln der Digitalmoderne zu begreifen ließe die Bedeutungsfrage
       hinter sich.
       
       Was das gesellschaftliche Einverleiben dieser kollektiven Bilder nach sich
       zieht, macht Sorge. Gut, dass Ullrich sie entzaubert.
       
       30 Mar 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hilka Dirks
       
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