# taz.de -- Plenarsitzung im Abgeordnetenhaus: Eralp schon voll im Wahlkampfmodus
> Linke und Grünen kritisieren die CDU und drängen deren Koalitionspartner
> SPD, mit ihnen gemeinsam ein Gesetz für mehr bezahlbare Wohnungen zu
> beschließen.
(IMG) Bild: Linken-Spitzenkandidatin Eralp (hier bei einer früheren Rede) kündigte im Parlament „Law and Order gegen dreiste Vermieter“ an
Linkspartei-Spitzenkandidaten Elif Eralp hat mit einer kämpferischen Rede
im Abgeordnetenhaus ihre Ambitionen unterstrichen, nach der Wahl im
September [1][Regierende Bürgermeisterin zu werden]. Die 44-Jährige nutzte
dazu die erste Parlamentsdebatte über einen Gesetzentwurf ihrer Fraktion,
der zu mehr bezahlbarem Wohnraum führen soll und „hoffentlich spätestens
nach der Wahl Realität wird“.
In dem Entwurf schlägt die Linksfraktion vor, dass Vermieter je nach Anzahl
ihrer Wohnungen einen bestimmten Anteil davon zu „bezahlbaren Mieten“
anbieten müssen. Ab 50 Wohnungen soll das 30 Prozent aller frei werdenden
Wohnungen betreffen, von 501 bis 1.000 Wohnungen 40 Prozent und bei noch
mehr Wohnungen jede zweite.
Was „bezahlbar“ in Euro und Cent heißen soll, führt Eralp – die in der Rede
die einzige Spitzenkandidatin oder Fraktionschefin ist – nicht konkret aus.
[2][Auch der Entwurf des „Sicher-Wohnen-Gesetzes“ selbst] nennt keine
genaue Zahl. Die Spitzenkandidatin umschreibt die Miethöhe damit, dass am
Monatsende noch genug Geld für einen Kinobesuch mit den Kindern bleiben
müsse. Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen sollten nicht mehr als
ein Drittel davon für die Miete aufwenden müssen. Denn klar sei: Die Mieten
seien in Berlin „der Hauptarmutstreiber“.
Eralp richtet sich direkt an den Mann, denn sie im Roten Rathaus ablösen
möchte, der aber während ihrer Rede wie rund drei Viertel der CDU-Fraktion
nicht im Plenarsaal ist: Kai Wegner und sein Senat würden „die Mietenmafia
gewähren lassen“. Ihre Partei hingegen helfe den Mietern, [3][sich gegen
überhöhte Mieten zu wehren] und Geld vom Vermieter zurückzubekommen – „und
das, obwohl ich noch gar nicht im Amt bin“. Eralp macht sich dabei einen
Begriff zu eigen, den sonst die CDU für sich beansprucht: „Wir wollen Law
and Order (Recht und Ordnung; Anm. d. taz.) gegen dreiste Vermieter.“
## Eralp gedanklich schon im Roten Rathaus
Ab Tag eins im Roten Rathaus werde sie dieses Gesetz umsetzen, kündigt sie
an. Das wird zwar nicht gehen, weil ihre künftige Koalition den Entwurf,
dem Schwarz-Rot nicht zustimmen will, erst erneut ins Parlament einbringen
müsste. Aber das sind in diesem Moment Kleinigkeiten, so wie auch [4][das
von ihr angestrebte Amt], nicht, wie sie wiederholt sagt, „Bürgermeisterin“
heißt, sondern „Regierende Bürgermeisterin“.
Dem Noch-Amtsinhaber, „dieser Herr Wegner“, hält sie vor, der unbeliebteste
Bürgermeister zu sein, den nicht nur Berlin, sondern gleich ganz
Deutschland je hatte. Als ihr CDU-Gegenredner Erin Nas ihr vorhält, sie
höre sich erst als Spitzenkandidatin bei Mietern um, während er das seit
zehn Jahren mache, geht Eralp nochmal ans Mikro und kontert mit: „Da kann
ich nur lachen“ – schon vor Jahrzehnten sei sie gegen Gentrifizierung
unterwegs gewesen.
Auf einer Nahaufnahme in der Liveübertragung der Sitzung ist gut zu sehen,
dass Eralp dabei mehrfach ein Lächeln im Gesicht hat und dieses Wortgefecht
zu genießen scheint. Die SPD-Fraktion kann da wenig entgegenhalten, geht
auf den Kern des Gesetzentwurfs – die Belegungsvorgabe für Wohnungen – gar
nicht ein und lobt stattdessen den Entwurf des der SPD-geführten
Senatsbauverwaltung vorgelegten Wohnraumsicherungsgesetzes. Das sieht
[5][höhere Bußen für zu teuer vermietete Sozialwohnungen] vor.
Was würde nun Katrin Schmidberger von den Grünen sagen? Denn ihre Fraktion
hat gleichfalls schon im Herbst einen eigenen, durchaus ähnlichen
Gesetzentwurf vorgestellt, der nach Ostern ins Abgeordnetenhaus soll.
Schmidberger entscheidet sich, das Gemeinsame zu betonen und die SPD zu
drängen, mit ins Boot zu steigen – noch vor der Wahl, nach der viele eh
eine Koalition der drei Parteien erwarten. Denn die SPD-Abgeordneten
könnten sich doch nicht mit einem Wohnraumsicherungsgesetz abspeisen
lassen, „das seinen Namen nicht verdient“. Die Schnittstellen seien groß,
sagt Schmidberger und spricht direkt SPD-Fraktionschef Raed Saleh an: „Lass
uns gemeinsam ein wirksames Gesetz auf den Weg bringen.“
12 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Berliner-Linke/!6118929
(DIR) [2] https://www.parlament-berlin.de/adosservice/19/IIIPlen/vorgang/d19-3031.pdf
(DIR) [3] https://www.mietwucher.app/
(DIR) [4] https://elif-fuer-berlin.de/
(DIR) [5] /Gesetzesnovelle-beim-Wohnraumgesetz/!6087897
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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