# taz.de -- Regierungserklärung im Abgeordnetenhaus: Eralp gegen Wegner
       
       > Die Linksfraktion schickt im Parlament nicht ihre Vorsitzenden, sondern
       > die Spitzenkandidatin in die Rederunde mit dem Regierungschef von der
       > CDU.
       
 (IMG) Bild: Ist unter Druck und muss in der Parlamentssitzung punkten – auch bei seinen eigenen Leuten: Regierungschef Kai Wegner (CDU)
       
       Am Donnerstagmorgen kommt es im Abgeordnetenhaus zum direkten
       Aufeinandertreffen zwischen Regierungschef Kai Wegner (CDU) und seiner
       derzeit chancenreichsten Herausforderin bei der Berlin-Wahl am 20.
       September, Elif Eralp (Linkspartei). Der Anlass: Wegner hat für den Beginn
       der Sitzung eine Regierungserklärung zu Konsequenzen aus dem Anschlag auf
       das Stromnetz und dem folgenden tagelangen Blackout im Berliner Südwesten
       angekündigt, Eralp soll in der folgenden Rederunde dazu sprechen.
       
       Auf eine Regierungserklärung zu antworten, ist normalerweise Chef- oder
       Chefinnensache. Bei der Linkspartei wäre das deshalb Aufgabe der
       Vorsitzenden Anne Helm und Tobias Schulze – Eralp ist in der
       Fraktionsführung nur eine von zwei Stellvertreterinnen. Sie sprechen zu
       lassen, soll ihr, [1][seit Mitte November Spitzenkandidatin für die
       Abgeordnetenhauswahl], merklich auch im Parlament die Gelegenheit geben,
       sich gegen Wegner zu positionieren.
       
       Der Pressestelle der Linksfraktion hob das gleich im Titel einer
       Pressemitteilung zur Plenarsitzung heraus: „Eralp erwidert auf Wegner.“
       Bisher sind die beiden in Rederunden kaum aufeinandergetroffen: Eralp ist
       Fachsprecherin ihrer Fraktion für die Themen Migration, Partizipation und
       Antidiskriminierung, Wegner in der Parlamentshierarchie auf der Chefebene
       angesiedelt.
       
       Bei den Grünen ist es nicht nötig, dass die derzeitige Fraktionsspitze den
       prominenten Redeplatz mit Blick auf die Wahl frei macht: Die beiden
       Vorsitzenden [2][Werner Graf und Bettina Jarasch sind auch die beiden
       Co-Spitzenkandidaten] für den 20. September.
       
       Einer hingegen wird die Rederunde ab kurz nach zehn nicht als Podium nutzen
       können: SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach ist nicht Parlamentsmitglied und
       kann somit nicht die von Raed Saleh angeführte sozialdemokratische Fraktion
       am Mikro vertreten.
       
       ## Wegner ist noch nicht offiziell CDU-Spitzenkandidat
       
       Eine Formalie könnte noch bedeutsam werden: Während Eralp, Krach und die
       beiden Grünen bereits genauso von ihren Parteien zu Spitzenkandidaten
       gewählt worden sind wie die AfD-Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker, so
       steht das bei Wegner und der CDU noch aus. [3][Beim jüngsten
       Landesparteitag Ende September hieß es am Rand], das werde im Frühjahr
       geschehen.
       
       Damals aber kam die CDU in einer Umfrage noch auf 25 Prozent und lag damit
       6 Punkte vor Eralps Linkspartei. Im November schon waren es nur noch 22
       Prozent und 3 Punkte Vorsprung. Und wie viel die CDU die Debatte über
       Wegners Verhalten zu Beginn des Stromausfalls und sein zwischenzeitliches
       Tennisspiel gekostet hat, ist noch offen.
       
       Vor diesem Hintergrund bedeutet die vermeintliche Formalie: Falls die CDU
       nicht mit einem in ihren Augen möglicherweise dadurch zu sehr beschädigten
       Wegner an der Spitze in die Wahl gehen möchte, müsste sie dafür zumindest
       keinen Parteitagsbeschluss aufheben. Mutmaßlich muss Wegner deshalb am
       Donnerstagmorgen nicht nur die Öffentlichkeit von sich überzeugen: Genauso
       entscheidend könnte für ihn sein, mit seiner Rede die eigenen
       CDU-Abgeordneten – wieder – hinter sich zu bringen.
       
       15 Jan 2026
       
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