# taz.de -- Machtwechsel in Chile: José Antonio Kast, auf den Spuren Pinochets
> Chiles rechtsextremer Präsident hat sein Amt angetreten und eine „neue
> Ära“ angekündigt. Seine ersten Amtshandlungen richten sich gegen
> Migrant*innen.
(IMG) Bild: José Antonio Kast und seine Frau Maria Pia Adriasola bei der Amtseinführung in Santiago am Mittwochabend
[1][Der Rechtsextreme José Antonio Kast] hat das Amt als chilenischer
Präsident angetreten. Der Linke Gabriel Boric, der wie bei seinem Antritt
vor vier Jahren keine Krawatte trug, hängte seinem Nachfolger bei der
Zeremonie im Nationalkongress in Valparaíso am Mittwoch die
Präsidentenschärpe um.
Die Schärpe von Kast ist anders als die seiner Vorgänger mit dem
Nationalwappen bestickt – zuletzt hatte [2][Diktator Augusto Pinochet]
dieses Symbol getragen. Anwesend waren außerdem der rechtslibertäre
argentinische Präsident Javier Milei, der Kast herzlich umarmte, die
venezolanische Oppositionspolitikerin Corina María Machado und Flávio
Bolsonaro, der Sohn des brasilianischen rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair
Bolsonaro. Brasiliens amtierender linker Präsident Luiz Inácio Lula da
Silva sagte seine Teilnahme ab.
Es ist das erste Mal seit dem Ende der Militärdiktatur unter Augusto
Pinochet (1973–1990), dass ein Rechtsextremer das Präsidentschaftsamt in
Chile übernimmt. José Antonio Kast vereidigte im Rahmen der etwa
einstündigen Zeremonie im Kongress seine 24 Minister*innen. Kasts Kabinett
ist von rechten Schlüsselfiguren, Technokraten und wirtschaftsnahen
Persönlichkeiten geprägt.
Innenminister ist Claudio Alvarado, der schon unter dem früheren
Präsidenten Sebastián Piñera dem Kabinett angehörte. Finanzminister ist der
Ökonom Jorge Quiroz, der für Deregulierung und niedrigere
Unternehmensteuern steht. Das Ministerium für Justiz und Menschenrechte
sowie das Verteidigungsministerium übernehmen Fernando Barros und
[3][Fernando Rabat], ehemalige Anwälte von Augusto Pinochet. Als
Frauenministerin vereidigte Kast Judith Marín, eine evangelikale
Abtreibungsgegnerin.
## Kasts „neue Ära“ – Hetze gegen Migrant*innen
Am Mittwochabend trat Kast gemeinsam mit seiner Ehefrau Pía Adriasola auf
den Balkon des Regierungspalasts La Moneda, in dem er auch mit seiner
Familie wohnen wird, und richtete seine erste Ansprache an die
Chilen*innen. Das Regierungsgebäude wurde mit den Farben der chilenischen
Flagge angestrahlt: Blau, Weiß und Rot. Hunderte Anhänger*innen
versammelten sich auf der Plaza de la Constitución, schwenkten Flaggen und
sangen die Nationalhymne.
„Heute Abend haben wir die Chance, eine neue Ära für Chile einzuläuten.
Eine Ära der Ordnung, Freiheit und Gerechtigkeit“, sagte Kast. Er betonte
wie schon in seinen vergangenen Ansprachen, dass Chile eine
„Notstandsregierung“ brauche, Ordnung und eine starke Hand. Immer wieder
sprach er von der Bedeutung der Familie, von Gott und dem Vaterland.
Außerdem zeichnete er ein klares Feindbild von irregulär eingereisten
Migrant*innen als „Chiles Gegnern“. „Es sind Chiles Gegner, die unsere
Grenzen verletzt haben, um Straftaten zu begehen, andere auszubeuten oder
unser Land in ein Niemandsland zu verwandeln“, sagte er, während seine
Anhänger*innen klatschten und jubelten.
Noch vor seiner Ansprache unterzeichnete Kast die ersten sechs Dekrete.
Diese betreffen hauptsächlich die Überwachung und Militarisierung der
Grenzübergänge im Norden des Landes, um irreguläre Migration zu
kontrollieren. Eines der Dekrete trägt den Titel „Plan Escudo Fronterizo“
(Plan Grenzschild) und weist das Verteidigungs- und das Innenministerium
an, innerhalb von 90 Tagen gesetzliche Änderungen vorzunehmen, um
irreguläre Einwanderung zu verhindern.
## International intensiv rechts vernetzt
Kast vermied Aussagen zu Themen wie Abtreibung oder den Rechten von
LGBTIQ-Personen. In der Vergangenheit hat er sich jedoch wiederholt gegen
die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und gegen Verhütungsmittel
ausgesprochen.
Bis 2024 stand er zudem an der Spitze des internationalen
rechtskonservativen Netzwerks Political Network of Values, und er steht der
katholischen Schönstatt-Bewegung nahe. Am feministischen Kampftag, dem 8.
März, demonstrierten 500.000 Menschen in Santiago Straßen – auch aus
Protest gegen den neuen Präsidenten.
Auf internationaler Ebene hat Kast früh politische Signale gesetzt und den
Schulterschluss mit rechtsextremen und rechtslibertären Regierungen
gesucht. Seine erste Auslandsreise führte ihn nach Buenos Aires zu
Präsident Javier Milei, kurz darauf traf er auch den salvadorianischen
Präsidenten [4][Nayib Bukele], dessen harte Sicherheitspolitik Kast
wiederholt als Vorbild genannt hat.
In Europa suchte er den Kontakt zu führenden Figuren der europäischen
Rechten, darunter die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni und
Ungarns Premierminister Viktor Orbán. Am vergangenen Wochenende reiste Kast
schließlich nach Florida zum von US-Präsident Donald Trump ausgerichteten
„Shield of the Americas Summit“ in Miami, einem Treffen ideologisch
nahestehender lateinamerikanischer Staats- und Regierungschefs. Kast
positionierte sich demonstrativ an der Seite von Trump.
12 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sophia Boddenberg
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